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PVM koordiniert Einkauf von medizinischer Schutzausrüstung für Gesundheitseinrichtungen in OWL

Die Begeisterung steht Markus Wendler immer noch ins Gesicht geschrieben. Erst vor wenigen Stunden hat er mit seinem Team die ersten 50.000 medizinischen Schutzmasken am Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld abgeliefert. „So anstrengend es in der Vorbereitung auch war: Wenn ein solch wichtiges Vorhaben funktioniert, ist es ein tolles Gefühl“, lacht der Geschäftsführer der Patienten Versorgung Management (PVM) GmbH  aus Bielefeld, die sich in den letzten Wochen um die Aufnahme und Bearbeitung der Bestellungen einschließlich der logistischen Abwicklung gekümmert hat.

„Normalerweise organisieren wir im Verbund mit regional ansässigen Gesundheitseinrichtungen seit 20 Jahren das Entlassungsmanagement von Patienten, die nach einem stationären Aufenthalt wieder in ihren normalen Lebensalltag zurückkehren.  Aber in dieser schwierigen Situation unterstützen wir natürlich da, wo gerade der dringendste Bedarf ist“, sagt Geschäftsführer Markus Wendler. Begonnen hat alles mit den Anfragen langjähriger Geschäftspartner, welche dringend um Unterstützung bei der Bestellung und dem Transport von medizinischen Materialien baten. „Da alle klassischen Einkaufswege derzeit völlig überlastet sind, mussten wir alternative Wege finden. Dafür haben wir Partner gesucht, die einen entsprechenden Marktzugang haben.“ In kürzester Zeit und mit großem Engagement gelang es Wendler und seinem Team, ein stabiles Netzwerk aufzubauen, über das mittlerweile für rund 60 Gesundheitseinrichtungen aus Ostwestfalen der Einkauf und Transport von medizinischen Verbrauchsmaterialien aus Asien abwickelt wird. Dabei geht es Wendler nicht um wirtschaftlichen Profit, sondern um Unterstützung derer, die dringend auf diese Hilfe angewiesen sind: „Wir wollen uns nicht an der Not anderer bereichern. Daher bieten wir die Artikel zu einem sehr fairen Preis an, der gerade einmal kostendeckend ist. Von den vielen Überstunden, die dabei anfallen, wollen wir da gar nicht reden.“

Vertrauen ist gut, Kontrolle noch besser

Rund 5,2 Millionen bestellte Artikel zeigen, wie groß der aktuelle Bedarf allein in der Region Ostwestfalen ist. Auf Grund der weltweiten hohen Nachfrage sowie der intensiven Aufkäufe der USA bzw. deren Kapitalkraft mussten entgegen der ansonsten üblichen Praxis bei der Bestellung 50 % und zwei Tage für Übergabe der Ware an den Logistiker in China die restliche Summe als Sofortzahlung geleistet werden. Aktuell werden 3 Millionen € an Vorkasse geleistet. „In dieser Situation müssen wir unseren Partnern schon ein ganz großes Stück weit vertrauen. Aber wir haben Mitarbeiter vor Ort, die sehr genau darauf achten, dass die Abläufe funktionieren und die Produkte auch in der zugesagten Qualität geliefert werden“, schildert Wendler die Situation. Dennoch verzögerten sich die ersten Lieferungen, die noch vor Ostern erwartet worden waren. Dies liegt an den deutlich verknappten Luftfrachtkapazitäten, deren Kosten sich seit April pro FFP 2/ KN 95 Schutzmaske von bisher 20 Cent auf über 41 Cent je Maske erhöht haben.

Die erste Lieferung ist da

Am 17. April war es dann aber soweit: Der erste Flieger mit 200.000 medizinischen Mund-Nase-Schutzmasken (3-lagig) landete in Frankfurt am Main. Von hier wurden die eingekauften Güter in einem Zwischenlager nach Melle transportiert, von wo aus die Distribution an die medizinischen Einrichtungen in der Region erfolgt. Bereits am 27. April konnten die erste Arztpraxen, ambulante Pflegedienste, Alten und Pflegeheime sowie das Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld als auch des Herz-Diabetes-Zentrum in Bay Oeynhausen je mit 50.000 Masken beliefert werden. Hier war die Freude über die dringend benötigten Materialien groß, die ohne Vorkasse und zu günstigen Konditionen eingekauft werden konnte.  Und die nächsten Sendungen sind schon auf dem Weg nach Deutschland: Am 8. Mai werden die nächsten 400.000 FFP 2- bzw. KN 95-Masken erwartet, bis Ende Mai folgen weitere 14 Millionen KN 95-Masken und 10 Millionen Mundschutze.  Für Markus Wendler und sein Team wichtige Schritte auf dem Weg zu einer ausreichend guten Versorgung der regionalen Gesundheitswirtschaft, die allerdings ohne die flexible und unbürokratische Unterstützung durch die zuständigen Behörden nicht möglich wäre: „Bundes-, Landes- und Verwaltungsbehörden haben uns bei dieser sehr komplexe Hilfsaktion hervorragend unterstützt. Das war und ist eine tolle Teamarbeit, die viel Mut macht für die Zukunft.“


Weitere Information: PVM Patienten Versorgung Management

Unterstützung für Pflegeheime und Partner

Die Bewohner von Pflegeeinrichtungen gehören zu einer der am stärksten von der Coronakrise betroffenen Risikogruppen. Um einen Beitrag zu deren Schutz und Sicherheit zu leisten, produziert der Detmolder Schuhproduzent Wortmann seit Ende März an mehreren Standorten weltweit eine hohe Anzahl von Mund- und Nasenbedeckungen und stellt sie kostenlos Pflegeeinrichtungen zur Verfügung. Beim Tochterunternehmen Caprice in Pirmasens beispielsweise kümmern sich Fachkräfte, die normalerweise auf die Verarbeitung von hochwertigem Leder spezialisiert sind, um die Produktion der Schutzausrüstung, die aus reiner Baumwolle hergestellt werden. Mit dieser Unterstützung bringt das Familienunternehmen seine Solidarität mit den Betroffenen zum Ausdruck und leistet gleichzeitig einen wichtigen Beitrag für die Gemeinschaft.

Darüber hinaus hat das Unternehmen ein Corona-Unterstützungspaket entwickelt, das dabei helfen soll, die Situation mit den Handelspartnern bestmöglich zu bewältigen. Der Maßnahmenplan enthält zehn Punkte, die sich vorrangig auf Liquiditäts- und direkte Ertragsverbesserungen der Händler konzentrieren, darunter unter anderem ein Sofort-Hilfe-Rabatt in Höhe von zehn Prozent, der auf die gesamte noch zu liefernde Sommerware sowie Sommer-Nachbestellungen gewährt wird.

Weitere Informationen: Wortmann

Spendenbereitschaft in Ostwestfalen lässt nicht nach

Viele Unternehmen haben im Zuge der Coronakrise ihre Produktion umgestellt und leisten mit der Fertigung, Beschaffung oder Verteilung von Schutzausrüstung und anderen Gesundheitsprodukten einen wichtigen Beitrag für die Solidargemeinschaft. Weitere ostwestfälische Wirtschaftsakteure wie beispielsweise Bertelsmann, Phoenix Contact oder Dr. Oetker gehen andere Wege und unterstützen den gemeinsamen Kampf gegen die Ausbreitung des Virus mit umfangreichen Spenden und Zuwendungen.

Insbesondere Krankenhäuser, Kliniken und andere stationäre Einrichtungen des Gesundheitswesens leiden nach wie vor unter dem Mangel an Schutzkleidung und -ausrüstung. Um diese angespannte Situation durch einen eigenen Beitrag zumindest ein Stück weit zu entschärfen, haben eine Reihe von ostwestfälischen Unternehmen in den letzten Tagen erhebliche Sach- und Geldspenden geleistet. Das Blomberger Unternehmen Phoenix Contact beispielsweise beschaffte für den Bevölkerungsschutz im Kreis Lippe insgesamt 60.000 chirurgische Schutzmasken, 10.000 Einmalhandschuh und 1.000 FFP2-Masken. Und auch im Kreis Gütersloh wurde fleißig gespendet im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus: Um das medizinische Personal der beiden Gütersloher Krankenhäuser Elisabeth Hospital und Städtisches Klinikum wirkungsvoll zu unterstützen, übergab der Medienkonzern Bertelsmann kürzlich rund 5.000 Atemschutzmasken an die  Ärztinnen und Ärzte sowie Krankenschwestern und -pfleger der beiden Häuser.

Beispiele, die zeigen, wie groß die Solidarität und Hilfsbereitschaft in der nach wie vor schwierigen Situation ist. Dabei sind nicht immer nur Sach- und Materialspenden gefragt. Der Bielefelder Nahrungsmittelproduzent Dr. Oetker beispielsweise unterstützt die Tafeln in Deutschland, die ebenfalls unter den erheblichen Einschränkungen und Restriktionen leiden, mit umfassenden Lebensmittelspenden. Und der Bielefelder Getränkehersteller Mineralquellen Wüllner will mit der Aktion „Aus Liebe zur Gastronomie in OWL“, bei der pro verkaufter 12x 1-Liter-Kiste Mineralwasser 10 Cent des Erlös gespendet werden, bis zu 25.000 Euro zusammentragen. Diese Summe, in die auch ein Teil der Unternehmenserlöse einfließen wird, soll möglichst rasch der notleidenden regionalen Gastronomie zu Gute kommen.

MZG bereitet sich auf weitere Corona-Wellen vor

Geschäftsführung erwartet Berg- und Talfahrt in der Belegung der Intensivbetten

Mit gezielten Maßnahmen bereitet sich das Medizinische Zentrum für Gesundheit (MZG) Bad Lippspringe auf weitere Wellen im Rahmen der Corona-Pandemie vor. "Durch die frühzeitige und engagierte Mitwirkung aller Beteiligten in unseren Häusern sind wir sehr gut aufgestellt. Wir erwarten, dass es weiterhin eine Berg- und Talfahrt in der Belegung der Intensivbetten geben wird. Das Zusammenspiel unseres Akut-Krankenhauses Karl-Hansen-Klinik mit unseren Rehakliniken klappt hervorragend", betont MZG-Geschäftsführer Achim Schäfer.

In der aktuellen Situation ist es von besonderer Bedeutung, dass die Krankenquote seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie gesunken ist. "Das zeigt, dass wir mit unseren Maßnahmen genau richtig liegen. Zudem sind alle Beteiligten in der jetzigen Phase sehr motiviert. Wir haben eine hohe Solidarität im MZG, dafür gebührt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein herzlicher Dank", stellt Schäfer heraus.

Schrittweise stockt das MZG bis Ende Mai die Kapazitäten für Intensivpatienten in der Karl-Hansen-Klinik von ursprünglich 30 auf 65 Beatmungsbetten auf. Ein Großteil der personellen Ressourcen der Karl-Hansen-Klinik steht nach internen Einarbeitungen und Schulungen für die Betreuung von Intensivpatienten bereit. Parallel hält dieses Haus eine Infektionsstation für Patienten vor, die nicht im Intensivbereich behandelt werden müssen.

Zur Entlastung der Akut-Krankenhäuser in Ostwestfalen-Lippe hat das MZG drei Reha-Kliniken (Teutoburger Wald-Klinik, Cecilien-Klinik und Klinik Martinusquelle) zu Entlastung-Krankenhäusern entwickelt. Patienten, die nicht mehr im Akutbereich untergebracht sein müssen, können innerhalb kurzer Zeit dorthin verlegt werden. "In unseren Entlastungs-Krankenhäusern ist eine Versorgung durch bestens geschultes Personal sichergestellt, so dass die Akut-Krankenhäuser für die Aufnahme von Corona-Patienten frei bleiben können", erläutert Schäfer.

Die Entlastung-Krankenhäuser in Bad Lippspringe haben gemäß ihrer Ausrichtung unterschiedliche Schwerpunkte. Sie liegen in der Teutoburger Wald-Klinik in den Bereichen Chirurgie, Orthopädie und Schmerzbehandlung, in der Cecilien-Klinik auf Onkologie, Gynäkologie und Urologie sowie in der Klinik Martinusquelle bei Atemwegserkrankungen sowie Herz- und Kreislauferkrankungen. Unabhängig von ihrer Funktion als Entlastung-Krankenhaus stehen die drei Reha-Kliniken wie gewohnt für Anschlussheilbehandlungen und Reha-Maßnahmen zur Verfügung.

Bis zu 24 Corona-Patienten, die in der Karl-Hansen-Klinik nicht mehr intensivmedizinisch betreut werden müssen, finden in einem Neubau auf dem Gelände dieses Hauses einen geeigneten Platz für die optimale Betreuung. Darüber hinaus bietet das MZG in Kooperation mit der Caritas im ehemaligen Adaptionshaus in der Cecilienallee Räumlichkeiten für die Kurzzeitpflege an.


Quelle und weitere Information: MZG Westfalen

Antikörper-Therapie gegen den Coronavirus

Die Zahl der genesenen Covid-19-Patienten wächst – und mit ihr die Chance, am Coronavirus erkrankte Menschen über eine Antikörper-Therapie wirkungsvoll helfen zu können. Am Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) in Bad Oeynhausen bereitete ein Expertenteam derzeit die ersten individuellen Heilversuche vor.

Das Prinzip ist ebenso einfach wie einleuchtend: Wie bei jeder Infektion, produziert der menschliche Körper auch bei einer Covid-19-Infekton nach einigen Tagen Abwehrstoffe, so genannte Antikörper, die die Erkrankung in der Regel erfolgreich bekämpfen. Selbst nach der Überwindung der Krankheit verbleiben die Antikörper im Blut und schützen zumindest für einen längeren Zeitraum bei jedem erneuten Kontakt mit dem Virus. Eine solche Behandlung mit Antikörpern von bereits geheilten Coronavirus-Patienten könnte ein wirkungsvoller Ansatz sein, um den vielen schwerkranken Menschen auf den Intensiv- und Beatmungsstationen in Deutschland zu helfen. „Es gibt zwar noch keine klinischen Studien zu diesem Ansatz, aber einige Publikationen zeigen bereits, dass die Antikörper-Therapie Anlass zur Hoffnung gibt, dass wir schwer kranken Covid-19-Patienten helfen können“, erläutert Cornelius Knabbe, Direktor des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin am HDZ.

Aufruf zu Blutplasma-Spenden zeigt Wirkung

Voraussetzung für die erfolgreiche Realisierung des Therapieansatzes ist eine ausreichende Menge an Blutplasma von Menschen, die Covid-19 überwunden haben. Entsprechend intensiv setzt sich das Team unter Leitung von Oberärztin Ingvild Birschmann für die Gewinnung von Plasmaspendern ein – und dies mit großem Erfolg. Seit dem 6. April haben sich bereits aus ganz Deutschland über 260 ehemalige Covid-19- Patienten im HDZ gemeldet, von denen einige bereits nach einem erfolgreich absolvierten Test Blutplasma gespendet haben. „Diese Solidarität ist beeindruckend und enorm wichtig. Je mehr Blutplasma wir haben, umso so mehr Patienten können wir damit behandeln,“, sagt Ingvild Birschmann, die darauf hinweist, dass die gut 30 Minuten dauernde Entnahme des Plasmas für den Spender selbst bei einer wöchentlichen Entnahme keine negativen Konsequenzen hat: „Auch nach der Spende sind genesene Covid-19-Patienten weiter gegen das Coronavirus geschützt, da das Immunsystem ständig Antikörper nachbilden kann. Gleichzeitig kann diese so genannte passive Immunisierung der Erkrankten retten.“ Überzeugende Argumente, die Grundlage dafür waren, dass die Bezirksregierung Detmold bereits am 27. März 2020 die Herstellung und Gewinnung von therapeutischem Plasma zur Anwendung bei schwer kranken Covd-19-Patienten im HDZ erlaubt hat. Darüber hinaus bauen mittlerweile weitere Kliniken in Ostwestfalen ihre Möglichkeiten zur Plasmaspende von genesenen Covid-19-Patienten aus.

Download: Flyer Plasma Spende OWL

Weitere Informationen unter HDZ-NRW oder www.blutspendedienst-owl.de

Aus der Not eine Tugend gemacht

Bis Ende August 2020 sind in Deutschland bis auf weiteres Großveranstaltungen wie Messen, Kongresse und Ausstellungen verboten. Für viele klein- und mittelständische Unternehmen, die ihre Kunden bei diesen Events üblicherweise mit Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen und -produkte unterstützen, ist dies eine Katastrophe. Wie man diese Herausforderung kreativ lösen und gleichzeitig noch Menschen aus der Region in der Krise unterstützen kann, zeigt das Unternehmen DCP Digitaldruck & Profiltechnik aus Gütersloh.

Anstelle von Messeaustellern und Bannern bietet das Unternehmen Fußboden- und Fensteraufkleber an, die in Supermärkten, Drogerien und bei Einzelhändlern auf die Einhaltung der geforderten Abstandsregelungen hinweisen. Da die Materialien im Unternehmen vorrätig sind, können die dringend benötigten Produkte sofort geliefert werden. Ergänzt wird das Angebot durch eine selbst entwickelte Atemschutzmaske mit einem sehr engmaschigen Gewebe, die allerdings keinen medizinischen Mundschutz darstellt.

Über einen Online-Shop können die Masken individuell konfiguriert und bestellt werden. Rund 500 bis 1.00 Masken können so pro Tag produziert werden, ein Angebot, das auf reges Interesse stößt. So habe nach Angaben des Unternehmens neben Apotheken und Arztpraxen, die nur schwer an die dringend benötigten Schutzmasken rankommen, auch ein  Industrieunternehmen bei DCP bestellt.

Quelle: DCP Online

Corona: Telemedizin versorgt Herzpatienten in NRW

Neues Projekt „HerzConnect“ von DAK-Gesundheit, Herzzentrum und Siemens Healthineers bietet Fernbehandlung mit Vorteilen

Angesichts steigender Coronafälle können Herzpatienten in Nordrhein-Westfalen auch per Telemedizin versorgt werden. Das neue Projekt „HerzConnect“ bietet bei mittlerer oder schwerer Herzschwäche eine intensivierte Fernüberwachung und -betreuung. Da das Coronavirus für chronisch Kranke besonders gefährlich ist, kann durch die engmaschige telemedizinische Behandlung das Ansteckungsrisiko minimiert werden. Das Programm wurde von der DAK-Gesundheit, dem Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW) in Bad Oeynhausen und dem Technikpartner Siemens Healthineers ins Leben gerufen. Aktuell kann „HerzConnect“ in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen genutzt werden. Bei erfolgreicher Umsetzung soll das Projekt bundesweit angeboten werden.

Schilde gegen Corona

Die Digitalisierung hat schon vor Jahren Einzug in die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft gehalten. Wie digitale Tools und Innovationen auch im Kampf gegen Corona verwandt werden können, zeigt ein Team des experiMINT Schüler/-innenlabors der Fachhochschule (FH) Bielefeld.

An mehreren 3D-Druckern, die ansonsten für Workshops zu Verfügung stehen – die aufgrund des Versammlungsverbots aber nicht stattfinden können –, produzieren die jungen Akademiker seit Anfang April Gesichtsvisiere für Gesundheitseinrichtungen. Mittels FDM-Technologie entstehen an den 3D-Druckern Stirnhalterungen, die im Anschluss mit einer Folie versehen werden und das  Gesichtsvisier bilden. Die Anleitung wird kostenlos von dem 3D-Druckerhersteller Prusa im Internet bereitgestellt.

Das Team, das sich dem bundesweiten Netzwerk „makervsvirus.org“ angeschlossen hat, beliefert über eine zentrale Distributionsstelle, dem Hub OWL, verschiedene Einrichtungen der Gesundheitswirtschaft, die Bedarf an dem Produkt haben.
Diese können sich seit dem 4. April unter pascal.krumme@pkelectronics.de bei den Anbietern melden. Kooperationen mit Hausärztinnen und –ärzten, Pflegeheimen und Krankenhäusern sind bereits in der Planung.    

Quelle und weitere Information: FH Bielefeld

Mehr Schutzmasken für Ostwestfalen

Nach wie vor ist der Bedarf an Ausrüstungsgegenständen zum Schutz gegen den Coronavirus auch in Deutschland groß. Um die dringend benötigte Produktion und Beschaffung dieser Güter zu unterstützen, nutzt der Bielefelder Hemden- und Blusenspezialist Seidensticker eigene Produktionskapazitäten in Vietnam und Indonesien zur Fertigung von nicht zertifiziertem Mundschutz. Eine erste Sendung mit rund 150.000 Masken trifft in diesen Tagen in Deutschland ein, von denen ein Teil direkt als Spende an das Deutsche Rote Kreuz in Bielefeld geliefert wird.

Nach Unternehmensangaben kann die Produktion je nach Bedarf und Anfrage auf die Fertigung von bis zu einer Million Masken monatlich ausgelegt werden. Die dreilagigen Masken, die zunächst nur in der Größe L, auf Anfrage aber auch in verschiedenen Größen verfügbar sind, bestehen aus einem weißen Baumwollgewebe und einer mittig eingenähten Fließeinlage. Sie sind bei 60 Grad waschbar und damit wiederverwendbar.

Darüber hinaus stellt Seidensticker zur Produktion weiterer Masken diversen karitativen Organisationen und medizinischen Einrichtungen mehrere Tausend Hemden und Blusen sowie Musterstoffe zur Verfügung. „Wir alle können zurzeit ein hohes Maß an Solidarität, Unterstützung und Mut beobachten. Wenn auch wir im Kampf gegen das Coronavirus einen Beitrag leisten können, ist dies für uns eine Selbstverständlichkeit“, betont Gerd Oliver Seidensticker, geschäftsführender Gesellschafter der Gruppe.   
Quelle: Seidensticker

Stiegelmeyer-Gruppe zeigt Verantwortung in der Corona-Krise

Die Stiegelmeyer-Gruppe trägt in der Corona-Krise als Hersteller von Krankenhaus- und Pflegebetten eine hohe Verantwortung. Man habe sich in den vergangenen Wochen intensiv auf diese Anforderungen eingestellt, so Ralf Wiedemann, Geschäftsführer Vertrieb Inland. Trotz erheblicher Probleme bei der Sicherstellung der Lieferkette der zahlreichen Vorlieferanten sei es gelungen, die Produktion der Betten zu sichern und sogar in kürzester Zeit deutlich zu steigern. Zugleich bemühe man sich, die Dringlichkeit der Bedarfe der Kunden zu klassifizieren. Bereits sehr kurzfristig konnten besonders eilige Bedarfe erfüllt werden. Anfragen treffen aus ganz Europa und darüber hinaus bei der Stiegelmeyer-Gruppe ein. Sie betreffen sowohl den Krankenhaus- als auch den stationären und häuslichen Pflegebereich. Wiedemann: "Selbstverständlich stehen wir in besonderem Maße auch unseren heimischen Kunden und Partnern jederzeit zur Verfügung. Wir arbeiten in unseren Werken mit maximaler Intensität und achten dabei auf den größtmöglichen Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gemeinsam werden wir es schaffen, diese Krise zu meistern."

Quelle und weitere Information: Stiegelmeyer-Gruppe

Gütersloher Bekleidungshersteller stellt Produktion um

Angesichts der Coronavirus-Pandemie sind mehr denn je Unternehmer gefragt, die bereit sind, mit ihrem Engagement soziale Verantwortung für die Menschen in ihrer Region zu übernehmen. Das Gütersloher Familienunternehmen Niemöller und Abel gehört dazu. Anstelle der üblichen Schutz- und Einsatzkleidung im Bereich Rettungsdienste stellt der Gütersloher Bekleidungshersteller und Fachhändler übergangsweise Atemschutzmasken und Schutzkitteln aus Baumwolle her.

Auf Bitten der Kundschaft aus Staat und Verwaltung, die die Produkte für Rettungsdienste, Ämter und Behörden benötigen, werden demnächst 5.000 bis 10.000 leichte Schutzkittel und rund 20.000 Atemschutzmasken hergestellt. Ein Teil der ausschließlich zum Eigennutz hergestellten Produkte sollen an wohltätige Organisationen vor Ort verschenkt werden. „Schließlich wollen wir aus der Not anderer kein Kapital schlagen“, sagt Claas-Gerrit Niemöller, der mit seinemSohn Gerrit F. das Unternehmen in der vierten bzw. fünften Generation führt.

Mit der Produktion der zur Bekämpfung des Coronavirus hergestellten Kittel und Masken betritt das bereits 1887 gegründete Unternehmen Neuland. So musste der Schutzkleidungshersteller trotz der langjährigen Erfahrung bei der Bekämpfung von Krankheitserregern zunächst umdenken und seine Produktion entsprechend anpassen. So stellt der Schutz vor Viren andere Anforderungen an das Material als dies bei Bakterien der Fall ist. Für Claas-Gerrit Niemöller kein Grund, von dem Vorhaben abzulassen: „Auch wenn Masken für uns kein Standardbedarf ist, produzieren wir, solange die Hilfe benötigt wird. Der Kampf gegen die Ausbreitung des Virus ist schließlich eine Aufgabe, der wir uns als Gesellschaft alle gemeinsam widmen müssen.“ Dennoch soll die Not-Hilfe-Produktion begrenzt bleiben. So will sich das Unternehmen nach dem Ende der Krise wieder auf seineKernkompetenz konzentrieren.

Quelle und weitere Information: Niemöller und Abel

Großlabor Krone entwickelt Antiköper-Test

Die rechtzeitige Beantwortung der Frage, ob jemand mit dem Coronavirus infiziert war, kann Leben retten. Als eines der ersten Labore in Deutschland bietet das Großlabor Krone in Bad Salzuflen nun einen Antikörper-Test an, der genau diese Analyse ermöglicht. So beginnt das Immunsystem etwa ein bis zwei Wochen nach einer Infektion, Antikörper zu bilden. Nach überstandener Infektion ist der Betroffene damit für eine Zeit von wahrscheinlich drei bis sechs Monaten gegen das Virus immun und kann zunächst wieder ein risikoärmeres Leben führen.

Eine Perspektive, die insbesondere für stationäre Gesundheitseinrichtungen von enormer Bedeutung ist. So kann beispielsweise in Krankenhäusern das Personal ganz anders eingesetzt werden, wenn sichergestellt ist, dass Mitarbeiter nicht mehr gefährdet sind und auch keine Gefahr für die Patienten mehr darstellen. Die Entnahme beim Hausarzt – für den Antikörper-Nachweis braucht das Labor etwa zwei Milliliter Blut – und die Laboranalyse müssen privat bezahlt werden, für die Analyse fallen etwa 15 Euro an. Zukünftig sollen bei Krone pro Tag bis zu 2000 Analysen vollautomatisiert durchgeführt werden können, deren Ergebnisse dann nach 24 Stunden vorliegen.

Quelle und weitere Informationen: Labor Krone

Gemeinsam gegen Corona

Gemeinsam ist man stärker – dies gilt auch in Zeiten der Coronavirus-Krise. Das Spenger Unternehmen Wolf PVG, eine Tochter der Melitta Group, und das Mindener Unternehmen Sitex arbeiten seit Ende März Hand in Hand, um den akuten Engpass bei der Herstellung von Schutzmasken insbesondere für Krankenhäuser und Kliniken zu beheben. Zwar haben beide Unternehmen keine Erfahrung in der Herstellung von Schutzmasken, aber bekanntlich macht Not ja erfinderisch.

Während Sitex, das normalerweise Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in Deutschland mit Textilien wie beispielsweise Bettwäsche und Berufsbekleidung versorgt, die Entwicklung und Anpassung der Masken für den Gebrauch vorantreibt, kümmert sich Wolf PVG, das eigentlich Staubsaugerzubehör und Filtersysteme produziert, um das Vlies-Material für die Masken. Diese sind aus Textil, kann gewaschen und somit mehrfach verwendet werden. Lediglich das Flies von Wolf PVG muss jeweils erneuert werden. Um die zahlreichen Anfragen nach der neuen Maske zu bearbeiten – so sind die ersten 20.000 Exemplare bereits an eine Uni-Klinik verschickt - haben beide Partner ihre Produktion umgestellt bzw. erheblich erweitert. Dennoch gibt es bereits eine Warteliste, wobei vorrangig die Kunden bedient werden, bei denen der Bedarf am größten ist, also die Intensivzentren in den Kliniken.

Quelle und weitere Information: Sitex und Wolf PVG

Auch Behelfsmasken helfen

Die Eickelit GmbH ist eigentlich in der Textilbranche tätig und hat sich einen Namen in der Herstellung von speziellen Schleif- und Polierwerkzeugen die Industrie gemacht. Nun fährt das Bielefelder Unternehmen die Produktion seiner gut nachgefragten Produkte herunter, um Know-how und Kapazitäten für die dringend benötigte Produktion von Behelfs Mund- und Nasenmasken einzusetzen. Seit Ende März ist das Unternehmen soweit, dass es mehr als 1.000 Stück täglich in Handarbeit fertigen kann.

Dabei handelt es sich um nicht geprüfte oder zertifizierte Behelfsmasken, die ausschließlich dem Fremdschutz dienen und kaum einen signifikanten Eigenschutz bewirken. Dennoch helfen sie bei der Eindämmung des Corona-Virus, da auch Masken aus Baumwolle infektiöse Tröpfchen vermindern. Das Tragen einer Behelfsmaske als Mittel des Fremdschutzes wird deshalb von Experten insbesondere bei der häuslichen Pflege von erkrankten Personen empfohlen.

Dabei sollte die Maske nach 90 Minuten oder nach einer Durchnässung gewechselt werden, wobei unbedingt darauf zu achten ist, dass man beim Ausziehen der Maske die Außenfläche nicht berührt und die Hände danach wäscht und desinfiziert. Vor der ersten Benutzung und nach jedem Wechseln sollte man die Masken bei 90 Grad und mit parfumfreien Waschmitteln waschen.

Desinfektionsmittel statt Spirituosen

Das Unternehmen MBG-Foodservice in Paderborn ist bekannt für Spirituosen und alkoholische Getränke wie Scavi und Ray, Salitos und Dos Mas. Angesichts des aktuell hohen Bedarfs an Desinfektionsmitteln hat das Unternehmen nun einen Teil seiner Produktion umgestellt und stellt unter dem Produktnamen „Grimm-Wiegand“ zukünftig ein Händedesinfektionsmittel her.

Das neue Mittel entspricht laut Unternehmen den Standards der Weltgesundheitsorganisation und wird für die eigenen Kunden im Handel und die medizinischen Versorger des Landes produziert. In den nächsten Wochen will das Unternehmen rund 10.000 Liter des Desinfektionsmittels an Paderborner Seniorenheime, Pflegeeinrichtungen sowie öffentliche Stellen spenden. Gleichzeitig beginnt dann auch der kommerzielle Vertrieb.

Baumwollstoffmasken statt Sommermoden

Bereits seit Mitte März beteiligt sich das Modeunternehmen Gerry Weber an der Herstellung von Behelfsschutzmasken. Nach einer Vielzahl von Aufrufen insbesondere an die Textilindustrie, die Produktion teilweise auf die Herstellung von Schutzkleidung umzustellen, nähen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Musternäherei des Haller Modeunternehmens nun Masken aus Baumwollstoff, die Mund und Nase schützen sollen. Rund 500 Stück der bei 90 Grad waschbaren Schutzmasken kann die Näherei aktuell pro Tag fertigen.

Da diese Stückzahlen noch nicht nachgefragt werden, sucht das Unternehmen weitere Abnehmer für die Masken. Institutionen, die Bedarf an dieser Art Masken haben, können sich daher in der Zentrale des Modekonzerns melden. Gerry Weber gibt die Masken zum Selbstkostenpreis ab und stattet seine eigenen Mitarbeiter kostenlos damit aus.

Azubis nähen für Pflegeheime

Die Corona-Krise ist allgegenwärtig. Umso wichtiger ist die Unterstützung durch Wirtschaft und Industrie. Auch die Azubis der Lehrwerkstatt des Herforder Bekleidungsunternehmens Bugatti leisten einen Beitrag zur Eindämmung des Virus: Statt schicker Kleidung nähen sie derzeit Mundschutzmasken aus Baumwolle. Eine hilfreiche Idee, die bereits seit Mitte März in die Tat umgesetzt wird.

Dabei wartet das Produkt mit einer pfiffigen Innovation auf: Durch einen Schlitz kann man zwischen zwei Stofflagen eine weitere Einlage individuell einsetzen. Waschbar ist der Mundschutz auch. Nach der Erstellung des Prototyps ist die Produktion nun in Serie gegangen. So werden derzeit für ein Herforder Physiotherapiezentrum Masken gefertigt. Zahlreiche weitere Anfragen sind bereits eingegangen und werden nun abgearbeitet. Vor allem das Interesse bei Pflegeeinrichtungen ist groß.

DFA stellt Produktion auf Atemschutzmasken um

Normalerweise liefert Dr. Freist Automotive Bielefeld (DFA), ein renommiertes Familienunternehmen aus Bielefeld, Zubehör und Material wie beispielsweise Mikrofaservlies und Schalldämmmaterial an die Automobilindustrie. Doch im Zuge der Coronavirus-Krise hat die Firma ihre Produktion jetzt umgestellt und fertigt seit zwei Wochen auf zwei Anlagen, die vorher zu Herstellung von Filtern genutzt wurden, rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche Atemschutzmasken. Verkauft werden die Produkte, die als Bausatz einschließlich einer detaillierten Anleitung zur Schlussmontage erhältlich sind, in 1.000er Paketen.

Die erste Million an Schutzmasken, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geprüft und freigegeben sind, ist bereits verkauft. Kunden sind unter anderem das Evangelische Klinikum Bethel und das städtische Klinikum Bielefeld. Außerdem hat die Stadt Bielefeld 200.000 Stück für die Feuerwehr und den Rettungsdienst bestellt. Der Lieferumfang pro Maske, die 58 Cent zuzüglich Mehrwertsteuer kostet, umfasst Filtermaske, Nasenklammer und Gummibänder zum Befestigen der Masken.

TH OWL: Neuer Forschungsmaster "Smart Health Sciences"

Wer sich für Fachthemen im Bereich Medizin- und Gesundheitstechnologie oder auch Medizininformatik, Bioinformatik, Biotechnologie, Pharmatechnik begeistern kann und später in diesem Bereich in der Forschung und Entwicklung arbeiten möchte, wird sich für diesen Forschungsstudiengang begeistern können. Hierzu bieten die Fachbereiche Life Science Technologies und Elektrotechnik und Technische Informatik der Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe einen neuen Master-Studiengang an.

Der Studiengang richtet sich an Bachelorabsolventinnen und -absolventen der Medizin- und Gesundheitstechnologie bzw. der Bio- und Medizininformatik und der Life Sciences, die ein technisch-naturwissenschaftlich ausgerichtetes Studium suchen, das sich im konkreten Anwendungskontext des Gesundheitswesens mit Blick auf Digitalisierung, pharmazeutischen Aspekten, Medikamentenproduktion sowie Hygiene und Mikrobiologie und zusätzlich übergreifenden organisatorischen, strategischen und wirtschaftlichen Themen widmet. Im Studiengang werden kontinuierlich übergreifende aktuelle Themen wie z. B. Data Analytics und Virologie adressiert. Die Studieninteressierten sind MINT-affin, sehen ihre zukünftige Profession jedoch eher forschungsorientiert mit dem Blick in Organisationen hinein. Sie sind kommunikativ, arbeiten gerne eigenständig und konzeptionell und sehen eine persönliche Herausforderung in Forschungsfragen mit inter- und transdisziplinärer Ausrichtung.

Durch Kooperation der Fachbereiche Life Science Technologies und Elektrotechnik und Technische Informatik können diese Themenkreise an der Technischen Hochschule OWL im Forschungsmaster „Smart Health Sciences“ optimal adressiert werden: Während sich der Fachbereich Life Science Technologies durch seinen Forschungscluster „Applied Health Sciences“ mit dene Bereichen Mikrobiologie, Biotechnologie, Pharmatechnik und Kosmetika und Waschmittel auszeichnet, ist der Fachbereich Elektrotechnik und Technische Informatik mit seinem Institut für industrielle Informationstechnik (inIT) in den Bereichen Datenwissenschaften, Big Data, Künstliche Intelligenz, Industrie 4.0, Informationsfusion und Mensch-Maschine-Interaktion sehr gut aufgestellt. Unterstützung erfährt der Studiengang durch lehrende MedizinerInnen des Klinikum Lippe und dem Institut für Wissenschaftsdialog (IWD) sowie dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. Der Studiengang zeichnet sich dadurch aus, dass bereits im dritten Semester ein Forschungsprojekt innerhalb eines Forschungsteams bearbeitet wird. Im vierten Semester wird eine eigenständige Master Thesis angefertigt.
 
Qualifikationsprofil
Für Absolventinnen und Absolventen des Bachelorstudiengangs Medizin- und Gesundheitstechnologie und vergleichbaren Studiengängen eröffnet dieser Masterstudiengang die Möglichkeit, die interdisziplinären Grundlagen dieses Themengebiets für die Praxis in einem fachspezifischen Masterstudiengang Smart Health Sciences zu vertiefen und zu erweitern. Masterstudierenden gibt dieser Studiengang die Möglichkeit, sich auf verschiedene Themengebiete mit Schwerpunkt im Umfeld der Biomedizintechnik, der Pharmatechnik und der Medizininformatik zu fokussieren und dabei die Veränderungen im deutschen und europäischen Gesundheitswesen zu berücksichtigen. Lehrveranstaltungsübergreifend werden die Studierenden dieses Studiengangs dazu befähigt, aktuelle gesellschaftliche Diskurse im Kontext der Themenfelder Gesundheit, Medizin und Digitalisierung sowohl auf fachlicher als auch auf überfachlicher Ebene zu beleuchten.

Quelle und weitere Informationen: TH OWL
 

Vom "Schubladenzieher" zur digitalen Apotheke

Wie sieht die Zukunft der Apotheken aus? Dr. Olaf Elsner, Inhaber der Storchen-Apotheke, erläuterte Interessierten im Digitalen Werkraum in der Stadtbibliothek seine Visionen im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Digitales Grundrauschen“. Die Digitalisierung im Gesundheitssystem hat auch die Apotheken erreicht, einig waren sich am Ende der folgenden Diskussion alle: Es muss sich noch viel tun.

„Wir werden häufig noch als Schubladenzieher wahrgenommen“, führte Elsner in seinen Vortrag ein. Dabei wird die Rolle von Apotheken wichtiger werden: Allein in den vergangenen 15 Jahren sind in Westfalen-Lippe 400 Apotheken geschlossen worden, aufgrund des steigenden Medikamentenverbrauchs steigt parallel der Bedarf an pharmazeutischer Beratung und Unterstützung. Hinzu kommt: Auch Apotheker bzw. Apothekerin gilt laut Bundesarbeitsagentur als sogenannter „Engpassberuf“ – der Nachwuchs fehlt auch in dieser Branche.

Inwiefern können nun digitale Technologien Unterstützungen bieten? Seit diesem Jahr können Ärzte beispielsweise Gesundheits-Apps verschreiben. Im nächsten Jahr soll das elektronische Rezept und die digitale Patientenakte aufgesetzt werden – eine Entwicklung, die lange überfällig ist, wie sich in der anschließenden Diskussion zeigt: Die zentrale Speicherung von Patientendaten auf einer Plattform würde die Arbeit sehr erleichtern, beschreibt ein Apotheker aus Bielefeld. Bis dato seien die vielen Medienbrüche – der Medikationsplan wird ausgedruckt und dann handschriftlich ergänzt – der Grund für hohe Fehleranfälligkeiten. Eine bessere Vernetzung und Kommunikation mit Ärzten und Pflegediensten sorge auch dafür, dass Apotheker mehr Zeit für ihre Kunden haben. Für die wird es zukünftig auch ganz praktische Unterstützungen geben: Beispielsweise Chats für Rückfragen, individuell portionierte Tablettenrationen und generell eine individuellere Pharmazie.

Durch den digitalen Wandel verändert sich das Berufsbild des Apothekers – er wird eine neue Rolle im Gesundheitsgefüge für Patienten spielen. Elsner diskutierte mit den Zuhörerinnen und Zuhörer die zukünftigen Aufgaben von Pharmazeuten: neben dem Angebot der aufsuchenden Apotheke für nicht mobile Kunden wird das Medikationsmanagement in den Fokus rücken. Der Apotheker hinterfragt die Zusammensetzung von Medikamenten und berät zu Dosierung und Wechselwirkungen. Infusionstherapien und Wundmanagement waren weitere Stichworte in der Beschreibung der Apotheke der Zukunft.

Die Veranstaltung wurde vom ZIG OWL (Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft) im Rahmen des Veranstaltungsprogramms DIGITAL.bewegt der pro Wirtschaft GT GmbH und in Zusammenarbeit mit der Stadt Gütersloh im Rahmen des Digitalen Aufbruch Gütersloh durchgeführt.

Weitere Informationen: www.prowi-gt.de und www.digitaler-aufbruch-guetersloh.de.

Telenotarzt-System wird flächendeckend in Nordrhein-Westfalen etabliert

Landesregierung, Verbände der Krankenkassen, kommunale Spitzenverbände und Ärztekammern unterzeichnen Absichtserklärung

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, Vertreter der Krankenkassen, die kommunalen Spitzenverbände und die Ärztekammern in Nordrhein-Westfalen haben eine gemeinsame Absichtserklärung zum flächendeckenden Ausbau des Telenotarzt-Systems unterzeichnet. Am Europäischen Tag des Notrufs 112 am 11. Februar 2020 waren die Unterzeichner in der Leitstelle der Berufsfeuerwehr der Landeshauptstadt Düsseldorf zu Gast.

Minister Laumann erklärte: „Das System ist eines der herausragenden Projekte in der Digitalisierungsstrategie im Gesundheitswesen des Landes. In Aachen zeigt man uns tagtäglich, dass der Telenotarzt die bereits vorhandenen Strukturen des Rettungswesens exzellent ergänzt und darüber hinaus die notfallmedizinische Versorgung optimiert.“ Dabei lobte Minister Laumann ausdrücklich auch die sehr gute Zusammenarbeit der beteiligten Akteure: „Allen Beteiligten spreche ich meinen Dank aus. Ich freue mich sehr, dass wir den Weg für die weitere Umsetzung geebnet haben.“

Mit der Absichtserklärung bekräftigen die Beteiligten den gemeinsamen Willen zur bedarfsgerechten und wirtschaftlichen Umsetzung des flächendeckenden Ausbaus. Es ist beabsichtigt, dass bis spätestens Ende des Jahres 2022 in jedem Regierungsbezirk mindestens ein Telenotarzt-Standort den Regelbetrieb aufgenommen hat. Die Beteiligten sind sich darin einig, dass nicht jeder Träger des Rettungsdienstes eine eigene Telenotarzt-Zentrale benötigt.

Weitere Standorte sollen anhand gemeinsamer fachlicher Kriterien festgelegt werden. Auf Grundlage einer Bedarfserhebung und Potentialanalyse der Universität Maastricht und den Vorerfahrungen aus Aachen sollen Kommunen Trägergemeinschaften bilden. Die Kosten sind über die Gebührensatzungen der Träger der Rettungsdienste refinanzierbar. Träger des Rettungsdienstes sind die Kreise und kreisfreien Städte.

Rolf Buchwitz, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der AOK Rheinland/Hamburg, erklärte als Vertreter für die Verbände der Krankenkassen NRW: „Gerade in Situationen, in denen die physische Anwesenheit eines Notarztes in der täglichen Notfallversorgung nicht gelingt oder möglich ist, bildet der Telenotarzt eine sinnvolle und zeitgemäße Ergänzung. Er nimmt die Belange der Bürgerinnen und Bürger Nordrhein-Westfalens in den Blick und trägt dazu bei, dass die Betreffenden von den digitalen Chancen konkret profitieren. Die gesetzlichen Krankenkassen in Nordrhein-Westfalen begrüßen die Entwicklung zur Implementierung des Telenotarzt-Systems daher ausdrücklich.“

Dr. Martin Klein, Hauptgeschäftsführer des Landkreistags Nordrhein-Westfalen und Unterzeichner für die kommunalen Spitzenverbände in Nordrhein-Westfalen (Städtetag NRW, Landkreistag NRW und Städte- und Gemeindebund NRW), bekräftigte: „Die Städte, Kreise und Gemeinden unterstützen die landesweite Einführung von Telenotarzt-Einsatzzentralen. Bei der Bildung von Trägergemeinschaften wird es fachlich sinnvolle und faire Vereinbarungen zwischen Kreisen und kreisfreien Städten als Träger des Rettungsdienstes geben, so dass eher städtische und eher ländliche Regionen gleichermaßen mit Telenotarzt-Einsatzzentralen ausgestattet sein werden. Wichtig ist uns aber auch, dass die landesweite Einführung von Telenotärzten kein Sparprogramm wird. Vielmehr erwarten wir, dass die Qualität der ambulanten Notfallversorgung hierdurch insgesamt gesteigert wird.“

Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Unterzeichner für die beiden Ärztekammern in Nordrhein-Westfalen, betonte: „Die Digitalisierung im Gesundheitswesen kann die Patientenversorgung verbessern. Ein gutes Beispiel dafür ist das bereits praxisbewährte Telenotarzt-System, das nun landesweit in NRW eingeführt werden soll. Vor dem Hintergrund des Ärztemangels insbesondere im ländlichen Raum sowie der Diskussion um neue Krankenhausstrukturen wird sich auch das Rettungswesen anpassen müssen, denn die Wege vom Einsatzort zur ärztlichen Versorgung könnten länger werden. Der Telenotarzt kann hier Versorgungslücken schließen und die Patienten gezielter den jeweiligen stationären oder ambulanten Versorgungsstrukturen zuführen. Mit dem Telenotarzt ist ärztliche Kompetenz im Rettungsfall schneller als bisher verfügbar und er gewährleistet die ärztliche Unterstützung des Rettungspersonals bereits vor Ort.“

Die Implementierung des Telenotarzt-Systems erfolgt schrittweise und in enger Abstimmung mit den Beteiligten. Als Nächstes wird die Region Ostwestfalen-Lippe an den Start gehen. Auch die Landeshauptstadt Düsseldorf hat bereits – wie einige andere Kommunen – die ersten Planungsschritte eingeleitet. Prof. Dr. Andreas Meyer-Falcke, Gesundheitsdezernent der Landeshauptstadt Düsseldorf: „Ich begrüße alle Ansätze zur Verbesserung der notfallmedizinischen Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger. Das bisherige Nebeneinander von drei Systemen muss viel mehr als bislang aus Sicht der Betroffenen neu gedacht werden. Das Festhalten an althergebrachten Strukturen erfüllt diese Forderung nicht.“

Nach und nach werden weitere Standorte folgen. Das Telenotarzt-System soll das bestehende Notarztwesen nicht ersetzen, sondern stellt eine Ergänzung dar. Denn nicht bei jedem Notfall ist die persönliche Anwesenheit eines Notarztes nötig. Vieles kann das Rettungsdienstpersonal aufgrund der Qualifizierung auch alleine bewältigen. Ein Telenotarzt-System kann die Einsatzkräfte hierbei in ihrer Arbeit optimal unterstützen. Wenn eine Notärztin oder ein Notarzt vor Ort benötigt wird, arbeiten beide Systeme Hand in Hand. Insbesondere bei der Qualifikation der Ärztinnen und Ärzte werden die Ärztekammern in Nordrhein-Westfalen eine wichtige Rolle spielen.

Weitere Informationen

Anzahl der Leitstellen in Nordrhein-Westfalen

  • Je Kreis und kreisfreier Stadt eine Leitstelle

  • Insgesamt: 52 „normale“ Leitstellen (zwei Leitstellen wurden zusammengelegt)

Telenotarzt-Systeme

  • Derzeit eine Leitstelle mit Telenotarzt-System in Aachen (unter Anschluss der Kreise Heinsberg und Euskirchen)

  • Ein Telenotarzt-System entspricht einem Arbeitsplatz mit einer 24h/365-Tage-Besetzung

  • Bedarf aufgrund einer Bedarfs- und Potentialanalyse der Universität Maastricht: 12 bis 16 Telenotarzt-Systeme in Nordrhein-Westfalen (hochgerechnet: Versorgung von 1 bis 1,5 Millionen Menschen pro Telenotarzt-System)

  • Nächste Umsetzung eines Telenotarzt-Systems in den Kreisen Höxter, Lippe und Paderborn in Planung


Quelle: 130220_Pressemitteilung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales

Welche Auswirkungen die neue Medizin-Fakultät auf ganz OWL haben wird

Bielefeld. Mit dem Aufbau der ersten medizinischen Fakultät in Ostwestfalen-Lippe krönt die Universität Bielefeld in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Verbunden ist diese Krönung mit den Hoffnungen einer ganzen Region, die mit der Medizin-Fakultät eine Aufwertung des Standorts Ostwestfalen-Lippe und Verbesserungen in der medizinischen Versorgung verbindet. Bundesärztekammerpräsident Klaus Reinhardt ist sich sicher, dass nicht nur der Gesundheitssektor von der neuen Medizin-Fakultät profitieren wird. „OWL wird durch die medizinische Fakultät der Universität Bielefeld erheblich aufgewertet", sagt der Bielefelder Allgemeinmediziner, der seit Mai an der Spitze der Bundesärztekammer steht.

Patientenversorgung in der Region

Keine Region Deutschlands ist so dünn mit Hausärzten ausgestattet wie Westfalen-Lippe. Auf 100.000 Einwohner kommen im Durchschnitt gerade einmal 59,9 Hausärzte. Zum Vergleich: In Hamburg sind es 74,1 pro 100.000 Einwohner. Mit Blick auf die Altersstruktur der niedergelassenen Allgemeinmediziner droht eine deutliche Verschärfung des Ärztemangels, unter dem vor allem Bewohner der ländlichen Teile Westfalen-Lippes bereits jetzt leiden. In den Krankenhäusern steigt parallel die Zahl ausländischer Ärzte, in manchen Regionen liegt der Anteil mittlerweile bei 80 Prozent. Um dem Ärztemangel in OWL anzugehen, hat die NRW-Landesregierung zusätzliche Studienkapazitäten in der Medizin geschaffen und die Universität Bielefeld mit dem Aufbau einer medizinischen Fakultät beauftragt.

Für Reinhardt war das eine wegweisende Entscheidung. „Es ist richtig und wichtig, das OWL endlich auch eine Medizin-Fakultät bekommt. Die medizinische Versorgung ist aktuell zwar gut, aber mit Blick auf einen sich verstärkenden Ärztemangel, vor allem im niedergelassenen Bereich, wird die Medizin-Fakultät die Versorgung sichern und letztlich auch verbessern", sagt Reinhardt. Der Allgemeinmediziner ist davon überzeugt, dass der sogenannte Klebeeffekt auch in OWL Wirkung zeigen wird, weil sich viele Medizin-Studenten in der Region niederlassen, in der sie auch ausgebildet wurden. „In Westfalen-Lippe gibt es deutlich weniger medizinische Fakultäten als im Rheinland, was dazu geführt hat, dass im Rheinland, auch deutlich mehr Mediziner arbeiten. Der Klebeeffekt ist wissenschaftlich belegt."

Das Beispiel Münster zeigt laut Reinhardt, wie wichtig eine Medizin-Fakultät für eine hohe Arztdichte hat. „Die Kliniken in Münster haben im Vergleich zu allen anderen Krankenhäusern in Westfalen-Lippe den geringsten Anteil ausländischer Ärzte. Außerdem steht auch im niedergelassenen Bereich kein Mangel an."

Reinhardt geht zudem davon aus, dass nicht nur die Kliniken, die das Universitätsklinikum OWL bildenwerden, von der Medizin-Fakultät profitieren werden. „Die neue Fakultät wird allen Krankenhäusern Vorteile bringen", sagt Reinhardt. Diese Hoffnung hat der Allgemeinmediziner auch für seine Kollegen, die Patienten hausärztlich versorgen. „Die Medizin-Fakultät wird einen Schwerpunkt auf die Allgemeinmedizin legen, deshalb hoffe ich sehr, dass die Universität Bielefeld die niedergelassenen Ärzte künftig enger einbinden wird. Das ist auch der Auftrag der NRW-Landesregierung."

Bedeutung für die Universität Bielefeld

„Die Universität Bielefeld hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert und vor allem in der Robotik und anderen technischen Bereichen Alleinstellungsmerkmale entwickelt, von der die Medizin-Fakultät enorm profitieren wird", erklärt Reinhardt. „Das gilt vor allem für die Forschung, die aktuell sehr technisch geprägt ist." Auch von der Pionierarbeit der Bielefelder Gesundheitswissenschaftler wird die Medizin-Fakultät laut Reinhardt profitieren. „Die Arbeit der Fakultäten wird sich gegenseitig befruchten. Eine Entwicklung, die die gesamte Universität weiter nach vorne bringen wird."

Mit der Medizin-Fakultät bekommt die Universität laut Reinhardt nun die Gelegenheit weitere Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln. Großes Potenzial sieht der Allgemeinmediziner in der Versorgungsforschung, die in Deutschland lange Jahre vernachlässigt wurde. „Mit dem Forschungsprofil Medizin für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen kann die Fakultät neue Maßstäbe setzen, weil die Region in diesem Bereich mit den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel bereits einzigartige Arbeit leistet."

Chancen für den Standort OWL

Die Entscheidung der NRW-Landesregierung, eine Medizin-Fakultät an der Universität Bielefeld aufzubauen, ist für Reinhardt auch eine wirtschaftlich kluge Entscheidung für das Land. „OWL ist ein starker Wirtschaftsstandort, der durch die Medizin-Fakultät weiter gestärkt wird. Davon profitieren alle, denn bereits jetzt ist das Steueraufkommen in OWL auf einem hohen Niveau", sagt Reinhardt. „Für Unternehmen wird das Anwerben qualifizierter Fachkräfte immer schwieriger, weshalb Faktoren wie die medizinische Versorgung bei der Suche nach neuen Arbeitgebern eine immer größere Rolle spielen."

Auch die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Hochschulen, die nach Reinhardts Einschätzung bereits jetzt vor allem im Gesundheitssektor gut funktioniert, werde profitieren. „In OWL entwickeln bereits jetzt viele Unternehmen innovative Lösungen für eine Verbesserung der Patientenversorgung. Mit der neuen medizinischen Fakultät wird hier weiteres Potenzial entstehen."

(Text: Carolin Nieder-Entgelmeier, Foto: Gregor Fischer/dpa; 191127_NW_Welche_Auswirkungen_die_neue_Medizin-Fakultät_auf_ganz_OWL_haben_wird)

Gemeinsame Stärkung der Pflegeausbildung in Ostwestfalen-Lippe

Die Kliniken der Region sind vom bundesweit anhaltenden Fachkräftemangel in der Pflege in unterschiedlichster Ausprägung betroffen. „Es ist unser gemeinsames und dringendes Anliegen, den wachsenden Anforderungen an die Ausstattung der Krankenhäuser mit Pflegekräften mit gezielten Maßnahmen zu begegnen und zugleich die Attraktivität der Pflegeberufe zu stärken“, betont Thomas Fehnker, stellv. Geschäftsführer des Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, im Namen der kooperierenden Einrichtungen Klinikum Herford, Mühlenkreiskliniken, Lukas-Krankenhaus Bünde und HDZ NRW. Angesichts einer demographischen Entwicklung mit immer älter werdenden und zunehmend pflegebedürftigen Patienten sowie steigender Komplexität stationärer Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten wird der Bedarf an hochqualifizierten Pflegepersonen steigen. Um dem Rechnung zu tragen, muss das Ausbildungsangebot deutlich erweitert werden.

Politik und Öffentlichkeit haben die steigende Nachfrage nach qualifizierten Pflegefachkräften als wichtige gemeinsame, gesellschaftliche Aufgabe erkannt. Dass die Krankenhäuser seit 2017 gesetzlich die Möglichkeit erhalten haben, Pflegepersonal über den Bedarf hinaus auszubilden, sei daher sehr zu begrüßen. Im Verbund habe man sich frühzeitig auf eine Ausbildungskooperation verständigt, die unmittelbar auf der bereits langjährig bestehenden, erfolgreichen Zusammenarbeit in der Pflegeausbildung zwischen dem Herz- und Diabeteszentrum NRW und dem Lukas-Krankenhaus in Bünde aufbaut. Sie wurde im letzten Jahr bereits um den Partner in Minden mit der Akademie für Gesundheitsberufe der Mühlenkreiskliniken mit zusätzlichen Ausbildungsplätzen ergänzt und wird im kommenden Jahr in Herford ausgebaut werden, wo jetzt dank enger Zusammenarbeit mit dem Klinikum Herford und der Pflegeschule Herford-Lippe auf dem Bildungscampus eine Interimslösung geschaffen wird, von der alle beteiligten Einrichtungen kontinuierlich profitieren werden.

Die übergreifende Kooperation sei ein wichtiger Schritt zur Förderung des dringend benötigten Nachwuchses in den Pflegeberufen, betont Fehnker. Dass die Maßnahmen jetzt schon, vor allem aber in den kommenden Jahren greifen, belegen folgende Zahlen:

HDZ NRW, Bad Oeynhausen: Hier standen bis 2018 lediglich 15 Ausbildungsplätze pro Jahr zur Verfügung, die 2019 auf 25 Plätze in Kooperation mit den Mühlenkreiskliniken erweitert werden konnten. 2020 werden es 50 Plätze jährlich sein. 2021 stehen dann 100 Ausbildungsplätze jährlich für die Pflege am HDZ NRW zur Verfügung. „Entsprechend werden wir dann schon 2023 insgesamt 300 angehende Pflegefachkräfte in drei Ausbildungsjahrgängen ausbilden können“, beschreibt Fehnker das Initiativprogramm.

Mühlenkreiskliniken: In der Akademie für Gesundheitsberufe in Minden werden 550 Auszubildende und Studierende in zehn unterschiedlichen medizinischen und pflegerischen Berufen ausgebildet – darunter Gesundheits- und Krankenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger, Diätassistenten, Hebammen, MTRA, MTLA, Operationstechnischen Assistenten, Notfallsanitäter, Rettungssanitäter und Gesundheits- und Krankenpflegeassistenten. Die Ausbildungskapazitäten wurden in den vergangenen drei Jahren um etwa ein Drittel erweitert. Allein in der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege werden jährlich 140 Auszubildende neu aufgenommen. Zusätzlich wird seit 2011 in Kooperation mit der Fachhochschule Bielefeld der duale Bachelorstudiengang Gesundheits- und Krankenpflege angeboten.

Klinikum Herford: „Das Klinikum Herford hat bereits sehr gute Erfahrungen im Rahmen der Ausbildungskooperation mit den Schulen für Pflegeberufe Herford-Lippe gesammelt. Dies schafft an vielen Stellen Synergien“, sagt Pflegedirektor Bastian Flohr. So konnten in den Schulen für Pflegeberufe die Anzahl der Ausbildungsplätze von 2017 bis 2019 um 50 erhöht werden. Damit stehen 450 Ausbildungsplätze in der Gesundheits- und Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zur Verfügung. Darüber hinaus bieten die Schulen für Pflegeberufe seit diesem Jahr die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegeassistenz mit einem Umfang von 50 Ausbildungsplätzen an.

Lukas-Krankenhaus Bünde: Mit dem Kooperationspartner HDZ NRW wurden bisher je 15   Ausbildungsplätze pro Jahr für beide Einrichtungen in der eigenen Ausbildungsstätte angeboten. Eine Erweiterung der Ausbildungskapazitäten war in Anbetracht der begrenzt zur Verfügung stehenden Schulräumlichkeiten nicht möglich, so dass die benötigten 25 Plätze erst zukünftig überdie Zusammenarbeit mit der Pflegeschule Herford-Lippe auf dem Bildungscampus in Herford ab 2020 erreicht werden können. „Da sich auch die Ausbildungs- und Prüfungsordnungen für die Pflegeberufe im Jahresübergang zu 2020 ändern, müssen im gleichen Zuge auch zusätzliche Pflegepädagogen gewonnen werden. Das geht nur gemeinsam.“ sagt Roland von der Mühlen, Geschäftsführer des Lukas-Krankenhauses Bünde.
 

(191108_Pressemitteilung Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen)

Innovationsland OWL: Gesundheitswirtschaft sieht sich im Aufwind

Gesundheitsforum: Akteure im Gesundheitswesen sprechen über die Zukunft von Medizin und Pflege

Bielefeld. Beim jährlichen Forum in der Stadthalle bringt das Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft (ZIG) OWL Akteure aus dem Gesundheitswesen zusammen, um über aktuelle Schwerpunkte zu reden. Im Fokus in diesem Jahr: Nachwuchs und - vor allem digitale - Innovationen aus und für OWL. 30 Fachleute aus Medizin, Pflege und Bildung stellten in acht Foren ihre Ideen vor. Rund 450 Teilnehmer waren bei der mittlerweile 20. Veranstaltung dabei, um sich zu informieren und zu netzwerken. Nach einem Impulsvortrag von Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbands, gab es eine Podiumsdiskussion. Auf dem Podium waren unter anderem Barbara Steffens, ehemaliger NRW-Gesundheitsministerin, heute Leiterin der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse, ihr Kollege Klaus Overdiek von der DAK, Claudia Hornburg, Gründungsdekanin der Medizinischen Fakultät OWL. Sicherlich sei auch der Aufbau der Medizinischen Fakultät ein Grund dafür, dass der Gesundheitssektor in OWL derzeit noch einmal mehr Fahrt aufnimmt. "Es gibt eine Aufbruchsstimmung, nicht nur in der Medizin", so Uwe Borchers vom ZIG.

Digitale Antworten

Aber auch die Herausforderungen, vor denen das gesamte Gesundheitswesen stehe, spielten eine wichtige Rolle. Und in digitaler Infrastruktur und innovativen Technologien werden derzeit unter anderem Antworten gesucht. Borchers sieht Gesundheit als wichtigen Standortfaktor neben Maschinenbau und IT in OWL. "Im Gesundheitswesen ist OWL eine sehr innovative Region", sagt Helmut Middeke, medizinischer Geschäftsführer des Klinikum Lippe.

Einige dieser Innovationen finden sich in der Stadthalle wieder - vom Pflegeroboter und einer elektronisch gesteuerten Tablettenausgabe bis zu speziellen Apps für die Telemedizin. All diese technologischen Neuerungen und Möglichkeiten durch die Digitalisierung würden aber immer nur als Unterstützung gesehen, betont Helmut Middeke.

"Wir müssen das Wissen zum Patienten bringen, nicht den Patienten transportieren", erklärt er die Anwendungsmöglichkeiten der Telemedizin. Die tauge nicht nur für einen virtuellen Hausbesuch, sondern natürlich auch als Vernetzung der behandelnden Ärzte - ambulant und stationär.

Nachwuchs begeistern

"Um Gesundheitsversorgung langfristig sicherzustellen, muss es sehr gute Prozesse geben, Technik, die nützt, und immer auch Menschen, die sich kümmern", betont Borchers. Menschen, die sich kümmern, das sind beispielsweise Patienten-Lotsen, die - derzeit rein ehrenamtlich - Patienten auf ihrem Weg langfristig begleiten und beraten. Michael Brinkmeier, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, setzt sich dafür ein, dass die Patientenlotsen gesetzlich verankert werden - und damit die Grundlage für eine Förderung geschaffen wird.

Kümmerer, das sind auch Ärzte und Pflegekräfte. Viel Hoffnung setzen die Akteure neben der Medizinischen Fakultät auch in die neue Pflegeausbildung, mit der man hofft, mehr Nachwuchskräfte für den Beruf begeistern zu können. Und auf Projekte, wie das mit der Geschwister-Scholl-Realschule in Gütersloh, das in das Forum in der Stadthalle viel Farbe bringt. 200 Schüler haben sich dort neun Wochen lang mit der Frage auseinandergesetzt, was Gesundheit bedeutet. Ihre Antworten sind vielfältig und kreativ und machen klar, wie weit das Feld ist. Ernährung, Bewegung, Freude und Umwelt sind genauso vertreten, wie der Umgang mit Krankheit. So haben die elfjährigen Jungs Tom-Günter und Nico aufgeschrieben, wie sie die Krankheit eines Familienmitglieds erlebt haben. Nicos Vater kämpft mit Übergewicht, Tom-Günters Großvater ist schwer an Krebs erkrankt. Der Titel ihres Buchs mit Gedichten und Bildern: "Gib nicht auf!"

(Text und Fotos: Judith Gladow, Neue Westfälische)

Stroke OWL Fachtagung: Ärztepräsident unterstützt Einführung von Patientenlotsen

Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Prof. Dr. Claudia Schmidtke, setzt sich dafür ein, Patientenlotsen gesetzlich zu verankern. „Patientenlotsen können dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung patientenzentrierter zu organisieren,“ sagte sie heute auf der „Fachtagung Patientenlotsen“ des Bundesverbandes Managed Care (BMC) und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in Berlin. Insbesondere für chronisch kranke Patienten, deren Versorgung einen größeren Koordinierungsbedarf mitbringen, sei die Einführung von Lotsen sinnvoll. Unterstützung erhielt Schmidtke durch Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer. Reinhardt machte deutlich, dass Hausärzte mit der Koordination von Leistungen und der Beratung ihrer Patienten häufig überfordert seien. „Der Hausarzt hat primär andere Aufgaben, er ist kein Lotse. Das sollten andere übernehmen,“ sagte Reinhardt. „Diese organisatorische Unterstützung ist eine hochgradige Entlastung für uns Ärzte. Deshalb unterstützen wir das politisch.“ Patientenlotsen – auch Case Manager genannt – sollen Patienten sektorenübergreifend durch die komplexe Versorgungskette leiten, medizinische und soziale Leistungen koordinieren, bis die Patienten selbst dazu in der Lage sind. Über die koordinierende Aufgabe hinaus sieht Ärztepräsident Reinhardt auch einen hohen Beratungsbedarf bei den Patienten. „Aus meiner eigenen Praxis weiß ich, dass die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung rückgängig ist“, sagte Reinhardt auf der Fachtagung. Im Mittelpunkt der Tagung stand die Vorstellung des Projekts „STROKE OWL“ der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, das aus Mitteln des Innovationsfonds des Bundes gefördert wird. 17 Schlaganfall-Lotsen betreuen darin rund 1.600 Schlaganfall-Patienten in Ostwestfalen-Lippe für ein Jahr lang. Das Projekt wird wissenschaftlich evaluiert durch die Universität Bielefeld. Darüber hinaus stellten sich auf der Berliner Tagung verwandte Projekte wie der Schwangerenlotse (Berlin), der Cardiolotse (AOK Nordost) und der Geriatrielotse (Stuttgart) vor.
Für Prof. Dr. Volker Amelung, Vorstandsvorsitzender des BMC, ist die Zeit gekommen, aus den vielen Pilotprojekten jetzt zu einer tragfähigen, indikationsübergreifenden Lösung zu kommen. Prof. Dr. Peter Löcherbach, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC), sieht dabei jetzt den Gesetzgeber in der Pflicht. „Eine gesetzliche Verankerung über alle Sozialgesetzbücher hinweg ist notwendig“, forderte der Mainzer auf der Fachtagung.

(
Mario Leisle, Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe)

Rückenwind für die Medizinische Fakultät OWL

Heute hat der Wissenschaftsrat gemeinsam mit der Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen Isabel Pfeiffer-Poensgen die Ergebnisse der Begutachtung der Universitätsmedizin NRW vorgestellt. Dies beinhaltet auch einen Bewertungsbericht zum Aufbau der Medizinischen Fakultät an der Universität Bielefeld.

„Der Wissenschaftsrat hat uns insgesamt ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt und ist mit dem vorgelegten Konzept für die Medizinische Fakultät grundsätzlich einverstanden“, zeigte sich Professor Dr.- Ing. Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld, sehr zufrieden mit dem Bericht. „Dass diese hochrangige Gutachter*innengruppe sich so positiv äußert und unseren Weg grundsätzlich bestätigt, bedeutet Rückenwind für die weiteren Planungen. Ich bedanke mich bei allen, die an diesem überzeugenden Konzept mitgewirkt haben.“
Gründungsdekanin Professorin Dr. Claudia Hornberg ergänzt: „Die Hinweise der Gutachterinnen und Gutachter sind hochwillkommen und sehr hilfreich für die weitere Konkretisierung unseres innovativen Konzeptes. Sie geben uns Sicherheit und Orientierung. Gegenüber dem Stand unseres Selbstberichts, den der Wissenschaftsrat im September letzten Jahres erhalten hat, sind wir mittlerweile schon einige Schritte weiter – ohne dass sich hier Widersprüche zu den Empfehlungen ergeben hätten: Wir sind auf einem sehr guten Weg.“
„Der Universität Bielefeld ist es gelungen, innerhalb kurzer Zeit ein Konzept für eine Universitätsmedizin in Ostwestfalen-Lippe zu erstellen und weiterzuentwickeln, das vom Wissenschaftsrat grundsätzlich positiv eingeschätzt wird. Wir teilen diese Auffassung und sind allen Beteiligten für das bisher gezeigte große Engagement sehr dankbar. Die jetzt vorliegenden Empfehlungen werden helfen, das bisherige Konzept noch zu verbessern und einen in Forschung, Lehre und Krankenversorgung leistungsfähigen Medizinstandort aufzubauen“, sagte Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen.
Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann erklärt: „Die grundsätzlich positive Bewertung des Bielefelder Konzeptes zeigt, dass wir mit der Medizinischen Fakultät OWL auf dem richtigen Weg sind. Die Landesregierung und die Universität Bielefeld ziehen bei der Umsetzung an einem Strang. Nicht zuletzt aufgrund des großen Engagements der Verantwortlichen vor Ort sind wir überzeugt, dass die ersten Studierenden in einem qualitativ hochwertigen Studiengang zum Wintersemester 2021/22 beginnen können. Das ist ambitioniert, aber wie dringend wir gute Medizinerinnen und Mediziner in den ländlichen Regionen brauchen, wird bereits heute deutlich – vor allem bei den Hausärztinnen und Hausärzten. Ich bin überzeugt, dass wir mit der Medizinischen Fakultät OWL viele gute und engagierte Medizinerinnen und Mediziner dazugewinnen werden, die hoffentlich in der ärztlichen Versorgung in ländlichen Regionen tätig werden.“

Hintergrund
Mit der Beauftragung der Landesregierung, die Universitätsmedizin in NRW vom Wissenschaftsrat begutachten zu lassen, wurde entschieden, dass auch Standorte, die derzeit noch im Aufbau sind, von der Begutachtung umfasst werden. Das Bielefelder Konzept wurde daher zu einem sehr frühen Zeitpunkt (etwa ein Jahr nach der Entscheidung durch den Koalitionsvertrag) bereits in die Begutachtung aufgenommen.

Am 24. September 2018 hat die Universität Bielefeld dem Wissenschaftsrat einen 100 Seiten umfassenden Selbstbericht  vorgelegt. In diesem hat die Universität insbesondere ihre Visionen und konzeptionellen Vorstellungen für die neue Fakultät, das Forschungs- und Lehrprofil, das Kooperationsmodell mit Krankenhäusern und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, das Studiengangsmodell, die Konzepte für Nachwuchsförderung und Gleichstellung sowie Planungen für die Infrastruktur – inklusive notwendiger Baumaßnahmen – beschrieben. Am 3. und 4. Dezember 2018 war das Gutachter*innengremium in Bielefeld zu Gast und diskutierte mit der Universität, den Verantwortlichen des Landes und Krankenhäusern die Ideen und Ansätze. Eine Reihe von nachfolgenden Fragen hat die Universität schriftlich im Januar 2019 beantwortet;  im Juli 2019 hat die Universität das Gremium über konzeptionelle Weiterentwicklungen seit der Vor-Ort-Begehung informiert. Auf dieser Grundlage kamen die Expert*innen des Wissenschaftsrats zu der vorliegenden Bewertung.
Der Bericht des Wissenschaftsrats gliedert sich in zwei Teile: im ersten Teil beschreibt er die Ausgangslage zur Universitätsmedizin der Universität Bielefeld, im zweiten legt er die Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Konzepts dar.
Aufgrund des frühen Zeitpunktes der Begutachtung sieht der Wissenschaftsrat sich nicht in der Lage, zu allen Aspekten eine bewertende Stellungnahme abzugeben. Die wichtigsten Ergebnisse:

Studium: Eine zentrale Empfehlung der Bewertungsgruppe ist eine Korrektur des Zeitplans für den Beginn des Studienbetriebs. Er ist für Wintersemester 2021/2022 vorgesehen. Der Universität wird empfohlen, den Starttermin auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben und von der Planung Abstand zu nehmen, mit Studienanfängerinnen und -anfängern im ersten Semester und gleichzeitig mit Hochschulwechslerinnen und -wechslern im fünften Semester zu beginnen.
Dazu Rektor Sagerer: „Die Hinweise des Wissenschaftsrats nehmen wir ernst. Unser Zeitplan ist sicher sehr ambitioniert. Er beruht auf einer engen Abstimmung mit der Landesregierung, die uns in der Umsetzung des Zeitplans unterstützt.“ Die Gründungsdekanin Hornberg schätzt ein: „Aufgrund der Fortschritte seit der Begutachtung sind wir zuversichtlich, dass wir alle notwendigen Meilensteine rechtzeitig erreichen und den Studierenden zum Wintersemester 2021/2022 ein vollwertiges Studium im 1. und 5. Semester bieten werden.“

Forschungsprofil: Der Wissenschaftsrat bescheinigt der Universität Bielefeld, dass sie mit den beiden geplanten Forschungsschwerpunkten („Gehirn – Beeinträchtigung – Teilhabe“ und „Intelligente Systeme – Assistenz – Interprofessionelle Vernetzung“) sowie den Perspektivfeldern („Mikrobielle Diversität im Lebensraum Mensch“ und „Data Science für die medizinische Versorgung“) zukunftsfähige Forschungsbereiche ausgewählt hat. Sie würden sich sehr gut in das Forschungsprofil der Universität Bielefeld einpassen. Das Forschungskonzept habe das Potenzial, Alleinstellungsmerkmale herauszubilden. Die Erforschung chronischer Krankheiten und damit assoziierter Beeinträchtigungen wird als gesellschaftlich höchst relevant begrüßt. Der Wissenschaftsrat empfiehlt, dass beim Forschungsprofil die konkreten Bezüge zur Allgemeinmedizin noch deutlicher herausgearbeitet werden sollten.

Lehre: Die Bewertungsgruppe würdigt den Anspruch, innovative Lehre mit kompetitiver Forschung zu verbinden und zugleich die regionale ärztliche Versorgung zu verbessern. Die geplante Ausrichtung des Curriculums entlang der Grundsätze von Kompetenzorientierung und Wissenschaftlichkeit wird begrüßt. Sie würdigt zudem die Absicht zur organzentrierten und Körperregion orientierten Gliederung des zweiten Studienabschnitts und die Möglichkeiten zur Profilbildung während des Studiums. Positiv hervorgehoben wird darüber hinaus das Bestreben, die Interprofessionalität in der Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten zu stärken.

Wissenschaftlicher Nachwuchs: Die Bewertungsgruppe befürwortet ausdrücklich, dass die Qualifizierung und Förderung des wissenschaftlichen und klinischen Nachwuchses kooperationsvertraglich erklärtes Ziel der Universität Bielefeld und der Klinikträger ist. Die vorgesehenen Möglichkeiten, einen ärztlich-wissenschaftlichen Karriereweg mittels des Clinician Scientist-Programms oder des Promotionsprogramms zum Ph.D. einzuschlagen, werden positiv herausgestellt. Die Gutachter*innen empfehlen, um den Zugang des allgemeinmedizinischen Nachwuchses zu gewährleisten, die Programme neben den angestellten Ärztinnen und Ärzten der Universitätskliniken auch für die in Praxen tätigen Ärztinnen und Ärzten zu öffnen.

Universitätsklinikum OWL: Sehr umfangreich geht die Bewertungsgruppe auf die Kooperation mit den Krankenhäusern bzw. den Kliniken im Rahmen des Universitätsklinikums OWL ein. Sie stellt dabei die große Bedeutung von Regelungen zu Qualitätsstandards in Forschung und Lehre zwischen Fakultät und Krankenhausträgern heraus, die universitätsseitig festgelegt werden sollten. Sie geben zudem Hinweise, dass der/die Dekan*in der Medizinischen Fakultät in die Geschäftsführung der Krankenhäuser eingebunden sein sollte, so dass Belange von Forschung und Lehre durchgesetzt werden können. Die Bewertungsgruppe legt der Universität nahe, sich bei der Anzahl der Kliniken des „Universitätsklinikums OWL der Universität Bielefeld“ auf höchstens drei Häuser zu beschränken, um die Steuerungsfähigkeit innerhalb des Klinikverbundes zu erhalten. Weitere Empfehlungen betreffen die Governance des Universitätsklinikums OWL, die Berufung von klinischen Professor*innen und die Definition hinsichtlich des Verhältnisses von Forschung, Lehre und Krankenversorgung. Vorgesehene Steuerungsinstrumente, wie die Mitwirkung der Träger an einem gemeinsamen Struktur- und Entwicklungsplan für die Bielefelder Universitätsmedizin, werden durch die Bewertungsgruppe begrüßt.

Bauliche Entwicklung und IT-Infrastruktur: Die Entwicklung der notwendigen baulichen Infrastruktur ist nach Einschätzung der Bewertungsgruppe von höchster Relevanz. Die Bewertungsgruppe betrachtet die Umsetzung in Anbetracht des Gesamtzeitplans als zeitkritisch. Sie unterstreicht die Bedeutung eines gemeinsam getragenen IT-Gesamtkonzepts, einschließlich der im Kooperationsvertrag vereinbarten technischen Kooperationsplattform, sieht sich angesichts des noch frühen Status der Planungen aber nicht in der Lage, eine fundierte Einschätzung abzugeben.

Gleichstellung: Die Gutachter*innen stellen die universitätsweite Gleichstellungsstrategie positiv heraus, entlang der die Personalrekrutierung für die Medizinische Fakultät ausgerichtet ist. Die Bewertungsgruppe begrüßt in diesem Zusammenhang das angestrebte Ziel der Erhöhung des Frauenanteils unter den nicht-klinischen Professuren. Ebenso wird begrüßt, dass über die Definition von Zielvereinbarungen im Rahmen der Kooperationsgespräche eine Erhöhung des Frauenanteils auch unter den klinischen Professuren angestrebt wird.

Translation und Transfer: Die Bewertungsgruppe nimmt den umfassenden Begriff von translationaler Medizinforschung – also die schnelle und effiziente Umsetzung präklinischer Forschungsergebnisse in die klinische Entwicklung und Krankenversorgung –  positiv zur Kenntnis. Sie begrüßt die Planung von Forschungsflächen für Translationprojekte im Bauprogramm der Medizinischen Fakultät im Rahmen des zu gründenden Bielefeld Center for Translational Medicine.
 

Quelle: 191028_PM_Universitaet_Bielefeld

Der Wissenschaftsrat: Homepage
Pressemitteilung des WR: 191028_PM_Wissenschaftsrat
Pressemitteilung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft NRW: 191028_PM_MKW_NRW

Im Gespräch mit Claudia Middenhoff

Pflege-Diskussion: Vertreter aus dem Gesundheitswesen sprachen mit Claudia Middendorf über ihre Erfahrungen. Betroffene sind nach einem Krankenhausaufenthalt oft hilflos.

Am Ende sind sich die Teilnehmer der Gesprächsrunde einig, worum es geht: den Menschen. Den Patienten, der auch nach einem Krankenhausaufenthalt ordentlich versorgt werden sollte. Doch nicht immer läuft das sogenannte Entlassmanagement reibungslos. Im Gegenteil. Die Gründedafür sind vielfältig, einer der wichtigsten: fehlende Kommunikation.

Angelika Gemkow, OWL-Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, hatte zum Sommergespräch mit Claudia Middendorf bei der PVM (Patienten-Versorgung Management) eingeladen. Mit der Behinderten- und Patientenbeauftragten NRW am Tisch saßen Vertreter aus dem Gesundheitswesen in Bielefeld. Ärzte, Vertreter des Ärztenetzes Bielefeld, Sozialdienst-Mitarbeiter, Pflegekräfte, Vertreter der Betriebskrankenkasse – kurzum Menschen, die mit der Versorgung von Patienten während und vor allem nach dem Krankenhausaufenthalt zu tun haben.

Die Anwesenden schilderten ihre Erfahrungen. Idealerweise fange Entlassmanagement bereits an, wenn der Patient im Krankenhaus aufgenommen wird, sagte Middendorf. Doch die Realität sieht oft anders aus, auch weil die Verantwortung für die weitere Versorgung an die Krankenhäuser weitergegeben werde, sagt etwa Daniela König vom Sozialdienst im Klinikum Bielefeld. Doch darin sieht sie Schwierigkeiten. Man kann, wenn man den Patienten versorgen will, nicht die Verantwortung allein auf einzelne legen.“ Es gebe viele Stellen und Personen, die involviert sind und die von Informationen abhängig sind – auch Angehörige.

Gerade wegen der Vielzahl der Akteure sei Kommunikation untereinander so wichtig. Was braucht der Patient im Einzelfall an Betreuung? Kann er zu Hause betreut werden oder braucht er doch stationäre Pflege oder Kurzzeitpflege? Häufig scheitert es schon dabei, den Transport nach Hause zu organisieren. „Viele Patienten sind hilflos“, bringt sie es auf den Punkt. Bei der Kommunikation könnte die Digitalisierung weiterhelfen.

„Das Gesundheitssystem ist ineffizient“, sagt Angelika Gemkow. Es müssten Strukturen geschaffen werden, die einfach nutzbar und einen guten Überblick über vorhandene Patienteninfos und Angebote bieten. Das spare Zeit. Zeit, die angesichts des Fachkräftemangels nicht übermäßig vorhanden ist, um sich mit bürokratischen Hürden auseinandersetzen zu müssen – von fehlenden Kapazitäten in Pflegeeinrichtungen ganz zu schweigen.

Gemkow will das Entlassmanagement sowohl in Bielefeld als auch auf Landesebene voranbringen. Und hier hat Middendorf in Bielefeld wertvolle Denkanstöße bekommen. Gemkow: „Auch im Rathaus müssen Lösungen gefunden werden. Man darf die Patienten nicht alleine lassen.“

Quelle: 191014_PVM_Im Gespräch mit Claudia Middenhoff

CirConomyOWL

Circular Economy stärkt den Produktionsstandort Ostwestfalen-Lippe: Gemeinschaftsprojekt der OWL-Netzwerke wird nun durch Zuwendungen des Landes NRW finanziell gefördert

Plastik im Meer, knappe Bauschuttdeponieräume, teure seltene Erden, die zu 99 % im Abfall verloren sind – damit wollen sich regionale Unternehmen, vom Maschinenbau über Energietechnik, Bauwirtschaft, Lebensmittel bis zur Gesundheitswirtschaft, in Zukunft nicht mehr abfinden. Vielmehr ist ein zukunftsfester Produktions- und Wirtschaftsstandort ohne Schrott und Abfall die Vision für Ostwestfalen-Lippe. Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl übergab dem Projektkonsortium „CirConomyOWL“ heute nun den Zuwendungsbescheid des Landes NRW über die finanzielle Förderung in den nächsten drei Jahren.

Die fünf Innovationsnetzwerke OWL sind mit ihren zusammen 600 Unternehmensmitgliedern bereits dabei, gemeinsam eine regionale Handlungskompetenz aufzubauen, um Produkte so zu gestalten, dass alle Komponenten nach ihrem Gebrauch wieder in einen neuen Wertschöpfungsprozess eingehen können und somit nichts produziert werden muss, was als Müll endet. Neben den Netzwerken gehören der VDI OWL (3.600 Mitglieder) und die Fachhochschule Bielefeld mit ihrem speziellen Studien-Modul Circular Economy zu den Initiatoren. Weitere 60 Unternehmen, Hochschulen, Initiativen und Institutionen haben sich bereits im Vorfeld zur konkreten Mitarbeit verpflichtet.

Klaus Meyer, Sprecher des Netzwerkes CirConomyOWL, freut sich, dass die Aktivitäten nun durch das Land Nordrhein-Westfalen unter Einsatz von Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziell gestützt werden: „Mit dem Zuschlag der Jury im Regio.NRW-Wettbewerb für CirConomyOWL positioniert sich die Region als Hotspot für kluge und zukunftsfeste Wertschöpfung bei Produkten und Prozessen.“

Auch die OWL-Gremien haben sich dafür ausgesprochen, das Thema Circular Economy weiter nach vorne zu bringen. So ist es im aktuellen regionalen Entwicklungskonzept OWL als strategisches Ziel benannt.

Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl: „Die Verlagerung hin zu einer effektiven Kreislaufwirtschaft ist eine immer dringendere Aufgabe für Dienstleistung, Industrie und Handwerk. Je stärker sich die heimischen Unternehmen vom Ressourcenverbrauch abnabeln, desto größer wird ihr langfristiger Vorteil im nationalen und internationalen Wettbewerb sein. Die Region Ostwestfalen-Lippe bietet mit ihren innovationsfreudigen Unternehmen und ihren Digitalisierungsprojekten beste Voraussetzungen dafür. Die öffentliche Förderung des Projektes CirConomyOWL ist daher eine wirkungsvolle Investition in einen aussichtsvollen Ansatz, diesen Wechsel auf den Weg zu bringen.“

Klaus Meyer ergänzt: „Vor dem Hintergrund knapper Rohstoffe werden die Produktionsunternehmen in Zukunft immer mehr Stoffe, Komponenten und ganze Baugruppen für den endlosen Einsatz in immer neuen Maschinengenerationen konzipieren müssen. Dafür müssen weitreichende Vernetzungen zwischen Kunden, Entwicklung, Produktion, Handel und Service ausgebaut werden. Diese Aufgabe ist nicht von einem Unternehmen allein zu lösen. Die OWL-Netzwerke ermöglichen die branchenübergreifende Zusammenarbeit. Mit der erfreulichen Unterstützung dieser Pionierarbeit über die nächsten drei Jahre durch das Land NRW können wir den Produktionsstandort OWL zur Speerspitze für diese neuen internationalen Marktanforderungen entwickeln.“

Mit CirConomyOWL realisieren die etablierten 5 Innovationsnetzwerke der Region Ostwestfalen-Lippe – Energie Impuls OWL, InnoZent OWL, Food Processing Initiative FPI, OWL Maschinenbau und ZIG Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft – zusammen mit dem VDI OWL und der FH Bielefeld ein Kompetenznetzwerk zur Umsetzung des Regionalen Handlungskonzeptes Ostwestfalen-Lippe für einen zukunftsfesten Produktionsstandort.

Medizinische Fakultät OWL: Kooperationsvertrag mit drei Krankenhäusern unterzeichnet

Kooperationsvertrag Medizinische Fakultät OWL

Rektor Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer hat heute für die Universität Bielefeld den Kooperationsvertrag mit dem Evangelischen Klinikum Bethel, dem Klinikum Bielefeld und dem Klinikum Lippe zum Aufbau und Betrieb des Universitätsklinikums Ostwestfalen-Lippe (OWL) unterschrieben. In diesem Vertrag sind die Grundsätze der Zusammenarbeit im Bereich der klinischen Forschung und Lehre geregelt. An der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages nahmen für die Landesregierung Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft, und Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, teil. Nach der Unterzeichnung eröffneten beide gemeinsam mit Sabine Kubitza, Geschäftsführerin der Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen mbH (BGW), Kanzler Stephan Becker und Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen das Innovationszentrum Campus Bielefeld (ICB), in dem die Medizinische Fakultät ihren Betrieb startet.

Die Errichtung der Medizinischen Fakultät OWL an der Universität Bielefeld ist eine der zentralen Maßnahmen der Landesregierung, um den Hochschulmedizinstandort Nordrhein-Westfalen zu stärken und die Zahl der ausgebildeten Medizinerinnen und Mediziner zu erhöhen. Der Studienbetrieb soll im Wintersemester 2021/2022 aufgenommen werden. Im Endausbau (ab 2025) sollen dann bis zu 300 Studierende pro Jahr ihr Studium beginnen können. Ziel ist es dabei auch, dem Mangel an allgemeinmedizinischer Versorgung – insbesondere auf dem Land – zu begegnen.

Eine wichtige Säule des Medizinstudiums ist die klinische Ausbildung im Krankenhaus. Ein eigenes Universitätskrankenhaus wird die Universität Bielefeld nicht betreiben. Sie wird stattdessen mit verschiedenen Krankenhausträgern der Region kooperieren, die gemeinsam das „Universitätsklinikum OWL der Universität Bielefeld“ bilden werden. Am 14. Juni 2018 startete das Verfahren zur Identifizierung von drei Kooperationspartnern, in dessen Rahmen die Universität Bielefeld auch die Gespräche über den nun unterzeichneten Kooperationsvertrag führte. Im Auswahlranking belegten das Evangelische Klinikum Bethel, das Klinikum Bielefeld und das Klinikum Lippe die Plätze 1 bis 3.

Der Vertrag legt u.a. Aufgaben, Rechte und Pflichten der Zusammenarbeit fest und regelt das Zusammenwirken bei Ausschreibung und Berufung der klinischen Professuren, die gleichzeitig Chefärztinnen und Chefärzte an den Krankenhäusern sein werden. Auch die Arbeit der Gremien und Fragen wie die Verwendung des Logos werden thematisiert.

Durch diesen Vertragsschluss wird noch keine Entscheidung getroffen, in welchem konkreten Umfang die ausgewählten Krankenhausträger mit Aufgaben der Forschung und Lehre befasst sein werden. Zum Beispiel die Frage, welche Fachkliniken/Fachabteilungen des jeweiligen Trägers im Rahmen des „Universitätsklinikums OWL der Universität Bielefeld“ klinisch ausbilden und forschen werden, wird erst nach Abschluss der bereits begonnenen Gespräche in Einzelverträgen zwischen der Universität und dem jeweiligen Krankenhausträger geregelt werden. Es sollen nach Vertragsabschluss weitere Kooperationspartner hinzukommen, für die der grundsätzliche Kooperationsvertrag dann auch Gültigkeit hat.

Medizinische Fakultät OWL der Universität Bielefeld startet im ersten Gebäude

Nach intensiver Planung und dreijähriger Bauzeit ist das Innovationszentrum Campus Bielefeld (ICB) der Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen mbH fertiggestellt. Die Universität Bielefeld hat das Gebäude zum überwiegenden Teil angemietet. Hier hat die in Gründung befindliche Medizinische Fakultät OWL der Universität Bielefeld ihre Arbeit aufgenommen. In einem kleineren Teil des Gebäudes sind Start-ups eingezogen. Das Gebäude bietet ideale Bedingungen für einen erfolgreichen Start der medizinischen Forschung und Lehre in Ostwestfalen-Lippe. Entscheidend: Es ist mit den notwendigen Laborflächen ausgerüstet. Das ICB ist der räumliche Ausgangspunkt für die bauliche Entwicklung der neuen Fakultät: Entlang der Straßen Morgenbreede und Konsequenz (westlich des Universitätshauptgebäudes) sollen – so die Planungen – mehrere Gebäude entstehen, die das schnelle Wachstum der Fakultät und den Studienstart im Wintersemester 2021/2022 ermöglichen werden. Grundlage für diese Planungen ist eine Machbarkeitsstudie. An der Morgenbreede/Konsequenz lassen sich die benötigten Flächen schaffen – verteilt auf mehrere Einzelgebäude mit unterschiedlichen Funktionen, bei gleichzeitiger räumlicher Nähe zueinander.

Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: „Wir sehen heute ganz deutlich: Der Aufbau der Medizinischen Fakultät OWL geht sichtbar voran. Das ist gut. Erst im Oktober 2018 haben wir uns hier vor Ort gemeinsam über die geplanten Meilensteine informiert. Seitdem befindet sich die Fakultät offiziell „in Gründung“ und geht konsequent ihren Weg. Dafür möchte ich allen Beteiligten – gerade auch hier vor Ort – danken. Denn wir müssen die Zahl der Medizinstudierenden in unserem Land dringend erhöhen. Gerade in den ländlichen Regionen haben wir schon heute einen deutlichen Medizinermangel – insbesondere bei den Hausärzten. Hier ist viel zu lange nur geredet, aber nicht gehandelt worden. Es ist längst überfällig, dass wir die Medizinische Fakultät OWL bekommen. Experten sprechen vom sogenannten `Klebeeffekt‘: Dort, wo die Menschen studieren, lassen sie sich oftmals auch in der Umgebung nieder. Darum ist für mich klar: Die Fakultät muss und wird eine Fakultät für ganz OWL sein.

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft: „Mit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags nimmt die Medizinische Fakultät Ostwestfalen-Lippe weiter Form an. Ich danke der Universität Bielefeld für die bisherige hervorragende Arbeit beim Aufbau der Fakultät. Nachdem bisher das – wie ich finde sehr gelungene – inhaltliche Konzept im Mittelpunkt stand, wird die neue Fakultät mit dem heutigen Tag erstmals baulich sichtbar. Das ICB-Gebäude bietet der Universitätsmedizin in Bielefeld in ihrer Aufbauphase eine hervorragende räumliche Umgebung. Durch die unmittelbare Nähe zum Hauptgebäude wird das ICB sowohl die Basis für die weiteren Gebäude der Fakultät bilden, als auch die Integration in die gesamte Universität erleichtern.”

Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld: „Wir haben heute einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Universitätsmedizin in Ostwestfalen-Lippe erreicht: Der Vertrag bildet das Fundament der Zusammenarbeit. Ich danke allen Beteiligten – den Ministerien, den Kliniken und den Fakultätsbeschäftigten, dass sie das möglich gemacht haben.

Professorin Dr. Claudia Hornberg, Dekanin der Medizinischen Fakultät: „Mit dem Kooperationsvertrag ist die Ausbildung nach ärztlicher Approbationsordnung in allen Studienphasen sichergestellt. Wir verfolgen weiter unser Ziel, eine Universitätsmedizin mit starker Forschungsleistung zu etablieren.“

Dr. Rainer Norden, Aufsichtsratsvorsitzender Ev. Klinikum Bethel: „In der Zusammenarbeit von drei Kooperationspartnern in der Medizinischen Fakultät wird die gesamte Expertise aller Partner in Lippe und Bielefeld eingebracht. Natürlich gibt es bereits jetzt schon kooperative Forschungsprojekte, doch mit dem Bindeglied und Motor der neuen Fakultät können weitere Potentiale erschlossen werden. So sind bereits im Vorfeld der Gründung neue Partnerschaften u.a. mit den naturwissenschaftlich orientierten Fakultäten der Universität entstanden und befinden sich weiter im Aufbau.

Michael Ackermann, Geschäftsführer Klinikum Bielefeld: „Wir freuen uns, dass wir nun, beginnend mit diesen 3 großen Krankenhausträgern, das Medizinstudium in OWL in Kürze realisieren und anbieten können. Wir werden den Studierenden ein qualitativ hochwertiges, fundiertes Studium präsentieren mit sehr frühem Bezug zur praktischen Patientenversorgung in unseren Krankenhäusern.

Dr. Johannes Hütte, Geschäftsführer Klinikum Lippe: „Für die ärztliche wie medizinische Versorgung der Region ist das mit Sicherheit herausragend und zukunftsweisend, erhoffen wir uns doch unter anderem auch einen Klebeeffekt hinsichtlich der Akquise junger Ärztinnen und Ärzte. Krankenversorgung muss das Kondensat und der Kristallisationspunkt auch von Forschung und Lehre sein.“

Wie geht es unter den Vertragsparteien weiter?

Der personelle Aufbau des UK OWL ist ein mehrjähriger Prozess, der jetzt seinen Anfang nimmt. Für den Aufbau der Fakultät werden kurzfristig erste klinische Professorinnen und Professoren benötigt. In den vergangenen Wochen wurden Personen identifiziert, die aufgrund ihrer Forschungsstärke ein universitätsübliches Berufungsverfahren (mit externen Gutachter*innen) erfolgreich durchlaufen können. Mit diesen Personen und den entsprechenden Kliniken laufen aktuell Gespräche. Die Professuren sollen zunächst befristet werden, da die zukünftigen universitären Fachkliniken voraussichtlich erst im Herbst 2020 verbindlich fixiert werden. Die Universität plant, die Professuren erst dann zu verdauern. Mit diesen Professuren wird auch nur ein kleiner Teil des Gesamtbedarfs abgedeckt. In einem im Herbst 2019 startenden umfassenden Gesprächsprozess werden weitere Fachkliniken bzw. Professuren der drei Träger identifiziert, die für die klinische Ausbildung benötigt werden.

Die 3 Kliniken in Kürze

  • Evangelisches Klinikum Bethel: Das Evangelische Klinikum Bethel (EvKB) ist ein Haus der Maximalversorgung und gehört zu den 10 größten Krankenhäusern in Nordrhein Westfalen. Gesellschafter des Klinikums sind die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, die zu den großen diakonischen Einrichtungen Europas zählen. Das Krankenhaus Mara mit den Epilepsiekliniken und dem Zentrum für Behindertenmedizin ist eine Schwestergesellschaft des EvKB. Beide Häuser führen gemeinsam 1.755 Betten und beschäftigen über 4.600 Mitarbeitende in 27 chefarztgeführten Kliniken und Instituten, drei Belegabteilungen sowie zahlreichen ambulanten Einrichtungen im gesamten Stadtgebiet Bielefelds. Jährlich werden in beiden Häusern gemeinsam rund 170.000 Patientinnen und Patienten ambulant und stationär behandelt. Besondere Schwerpunkte sind: Epileptologie, Neurochirurgie mit Epilepsie-Chirurgie, Neurologie, Psychiatrie, die fachübergreifende Unfallversorgung im überregionalen Traumazentrum, die Notfall- und Intensivmedizin, die Kinder- und Jugendmedizin mit dem Perinatalzentrum (Level I) sowie die interdisziplinäre Krebstherapie im Tumorzentrum.
  • Klinikum Bielefeld: Unter dem Leitspruch „Unsere Kompetenz für Ihre Gesundheit“ steht das Klinikum Bielefeld für patientenorientierte und moderne Hochleistungsmedizin. An den drei Standorten Klinikum Bielefeld Mitte, Klinikum Bielefeld Rosenhöhe und Klinikum Halle/ Westfalen sichern über 2.700 qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 365 Tagen pro Jahr und 24 Stunden am Tag die Versorgung der Patientinnen und Patienten. Das Klinikum besteht aus über 30 Fachkliniken (Regelversorgung und spezialisierte Fachkliniken) sowie diversen Abteilungen und interdisziplinären Einrichtungen. Das Spektrum der medizinischen Fachabteilungen wird unter anderem durch das Interdisziplinäre Brustzentrum, die Abteilung für Alterstraumatologie und das Ambulante Operationszentrum ergänzt. Pro Jahr werden in den Fachkliniken und Instituten des Klinikums mehr als 50.000 stationäre und über 90.000 ambulante Patientinnen und Patienten behandelt. Insgesamt verfügt das Klinikum über mehr als 1.100 Betten.
  • Klinikum Lippe: Das Klinikum Lippe ist Träger der beiden Schwerpunktkrankenhäuser Detmold und Lemgo sowie einer Kinder- und Jugendpsychiatrie und des Ambulanten Gesundheitszentrums am Standort Bad Salzuflen. Mit insgesamt 1.198 Betten in ca. 30 Kliniken und Kompetenzzentren arbeiten über 2.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die einen wichtigen Beitrag für die medizinische Versorgung in der Region leisten. Als eines der größten und vielseitigsten kommunalen Krankenhausunternehmen der Bundesrepublik behandeln wir jährlich rund 50.000 stationäre und ca. 100.000 ambulante Patientinnen und Patienten. Tendenz weiter steigend. Alleiniger Gesellschafter der Klinikum Lippe GmbH ist der Kreis Lippe.
    Als Haus der Maximalversorgung bietet das Klinikum Hochleistungsmedizin auf universitärem Niveau – mit qualifizierten Spezialistinnen und Spezialisten und einer modernen medizinischen Ausstattung und deckt dabei nahezu alle medizinischen Fachdisziplinen ab. In den medizinischen Zentren bündeln sich medizinische und therapeutische Kompetenz über Fachgrenzen hinaus – und ermöglichen eine abgestimmte interdisziplinäre Zusammenarbeit für die optimale Behandlung der Patientinnen und Patienten.


Quelle: Pressemitteilung der Universität Bielefeld (17.07.2019)


Presseberichte:
Neue Westfälische Online (17.07.2019)
Westfalen-Blatt Online (17.07.2019)
Lippische Landeszeitung Online (17.07.2019)

Auftaktveranstaltung „Gute Pflege OWL“ in der Neuen Schmiede

Gute Pflege OWL

"Pflege geht uns alle an"

Tagesthema: Eine Initiative will ein Netzwerk für die Region schaffen. Staatssekretär Westerfellhaus spricht über die Möglichkeiten

Bielefeld. Nur wenige junge Menschen lassen sich für eine Ausbildung in einem Pflegeberuf begeistern. Doch das will die Initiative „Gute Pflege OWL“ ändern. Sie will ein Netzwerk bilden zwischen den unterschiedlichen Akteuren der Region und so auf die Herausforderungen des Pflegenotstands reagieren. Für die Auftaktveranstaltung hat sich die Initiative prominente Unterstützung geholt: Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, hat über Ideen und Maßnahmen zur Verbesserung der Pflegeberufe gesprochen.

Zu wenig Sicherheit, zu wenig Planung, zu wenig Freizeit und Erholung — „der Fachkräftemangel liegt nicht im Beruf selbst“, betont Andreas Westerfellhaus, sondern in den Rahmenbedingungen.
„48 Prozent der Berufsaussteiger würden laut einer Studie zurückkommen, wenn die Rahmenbedingungen sich ändern.” Die Frage sei nun, wie Pflegefachkräfte im Job gehalten oder auch zurückgeholt werden können. Genauso gehöre aber auch dazu, wie die Ausbildung attraktiver gestaltet werden kann. Die unfreiwillige Teilzeitarbeit vieler Fachkräfte oder auch die einheitliche Berufsanerkennung von Zuwanderern sieht er als weitere Herausforderungen. Auch hier müsse und werde sich etwas tun.

Ein weiterer Punkt: verbesserte Arbeitsbedingungen. Arbeitsprozesse müssen angepasst, die Digitalisierung zur Entlastung genutzt und Kinderbetreuung unterstützt werden. Aber auch flexible Arbeitszeitmodelle gehören dazu, wie auch andere Einkommens- und Karrieremöglichkeiten. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg sei die generalistische Pflegeausbildung ab dem kommenden Jahr, die die drei bisherigen Pflegeberufe zusammenführt. Außerdem brauche es flächendeckend faire Löhne.

Durch das neue Pflegeberufegesetz soll eigenständiges und eigenverantwortliches Arbeiten gestärkt werden – zum Wohle des Patienten. Denn: „Der Bereich der Pflege geht uns alle an“, sagt der Staatssekretär. „Die Herausforderung besteht darin, dass es immer mehr Menschen mit Hilfebedarf gibt, aber schon heute Fachkräfte fehlen und nur wenige junge Menschen in die Pflege gehen”, erklärt die Bielefelderin Angelika Gemkow, ehemalige Landesbehindertenbeauftragtein NRW und Pflegebotschafterin der Initiative, „Daran wollen wir gemeinsam arbeiten.” Das Berufsfeld sei spannend und abwechslungsreich, doch genau das werde nicht immer auch nach außen transportiert.

Doch was kann die Initiative konkret in der Region tun? „Wir stellen uns vor, dass eine Bewegung entsteht”, sagt Uwe Borchers, ebenfalls Pflegebotschafter, sowie Geschäftsführer des Zentrums für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL. Um mehr Auszubildende zu finden, „müssen wir Lehrer und Berufsberater über Chancen und Möglichkeiten indem Berufsfeld informieren“, erklärt Angelika Gemkow. Denn sie sprechen die potenziellen zukünftigen Fachkräfte an, und könnten junge Menschen für den Beruf begeistern.

Faraj Remmo sitzt im Rollstuhl. Er findet es wichtig, dass auch Betroffene in die Verbesserung der Pflege einbezogen werden. Das sei ebenfalls über ein solches Netzwerk wie „Gute Pflege OWL” möglich, weiß Westerfellhaus. Auch Dietmar Mantel, Geschäftsführer der Kolping-Bildungszentren OWL, weiß, wie komplex das Thema ist: „Es gibt viele Akteure, und sie alle müssen an einem Strang ziehen.“

Quelle: Neue Westfälische (30.04.19)

Weiterer Presseartikel zur Guten Pflege OWL: Neue Westfälische (04.04.2019)

Zur Zukunft der Medizinbranche

Bad Oeynhausen. Launig und eindringlich referierte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Donnerstagabend über die Gesundheitsversorgung der Zukunft. Seine Hauptthemen: Fachkräftemangel und Ausbildung. „Das Personalproblem kann man nur durch Ausbildung lösen. Und nicht dadurch, dass man Ärzte und Pflegepersonal aus dem Ausland holt“, fand der Minister vor den 180 geladenen Gästen im Oeynhausen-Saal deutliche Worte.

Zu der Veranstaltung im Kaiserpalais hatte das Freiberuflercenter der Volksbank Bad Oeynhausen-Herford geladen. „Eigentlich sollte Minister Laumann schon vor zwei Jahren bei uns sprechen, doch damals musste er kurzfristig absagen“, sagt Volksbank-Vorstandssprecher Andreas Kämmerling bei der Begrüßung des Fachpublikums – bestehend aus Ärzten und Apothekern.

Laumann spannte den Bogen von der guten wirtschaftlichen Lage, dem Kampf der Branchen um den Nachwuchs, dem Hausärztemangel, dem Fachkräftemangel in den Krankenhäusern, der Anzahl und Ausstattung von Pflegeschulen bis hin zu seiner Vorstellung von einer Krankenhausstrukturreform.

„In NRW hören jährlich 450 Hausärzte auf und nur jeder zehnte Medizinstudent wird Hausarzt. Keine Region ist vom Ärztemangel so bedroht wie OWL“, machte Laumann deutlich. Und das, obwohl die Region zu den wirtschaftlich stärksten in NRW gehöre. Im Wettbewerb um die guten Kräfte konkurriere der Gesundheitssektor mit allen anderen Branchen. Um mitzuhalten „muss die Gesundheitsbranche attraktiv sein“, so der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales.

In NRW gebe es 2.000 Medizinstudienplätze, „wir brauchen aber mehr“, fordert Laumann. Mit 80 zusätzlichen Plätzen an der Universität Witten-Herdecke und der Medizin-Fakultät in Bielefeld, die 2022 mit 300 Studienplätzen an den Start geht, sei ein Anfang gemacht. „Das ist auch finanziell eine gewaltige Kraftanstrengung“, so Laumann, „ein Studienplatz an einer Universitätsklinik kostet 250.000 Euro.“ Erste Früchte trüge auch die Landarztquote: 170 Studenten in NRW hätten sich verpflichtet, nach ihrer Ausbildung mindestens zehn Jahre als Hausarzt zu arbeiten.

Als Erfolgsmodell wertete Karl-Josef Laumann auch die Medizinerausbildung an den Mühlenkreiskliniken: „Solange ich was zu sagen habe, wird das Mindener Modell auch geachtet.“

Verbessert stelle sich die Situation in der Altenpflege dar, hier habe sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Auszubildenden verdoppelt. „Allerdings reicht das kaum, um den Personalschlüssel in den Einrichtungen zu halten“, sagt Laumann. Denn jedes Jahr würden allein in NRW 3.000 Menschen zusätzlich pflegebedürftig.

Harsche Kritik übte Laumann am bürokratischen Tauziehen zwischen den Bundesländern, etwa bei der Anerkennung von Schulabschlüssen und Fachweiterbildungen. „Es kann nicht sein, dass ein OP-Pfleger aus Baden-Württemberg in NRW von Behörde zu Behörde laufen muss, um seine Weiterbildung anerkennen zu lassen und dann auch noch 200 Euro Gebühren zahlen muss“, sagte Laumann. „Ebenso geht es nicht, dass ein Österreicher erst zu einem Sprachtest muss“, wetterte Laumann. „Wir brauchen eine Willkommenskultur – auch in unseren Behörden.“

Von elementarer Bedeutung für die Gesundheitsversorgung der Zukunft sei eine moderne Krankenhausstruktur. „Wir haben seit Jahrzehnten keine Krankenhausplanung mehr“, so der Minister. Der Weg in eine moderne Medizin funktioniere nicht ohne Spezialisierung in Zentren. Als Beispiel führte er das HDZ an, das biete Spitzenmedizin für ganz NRW. „Ich will diese Zentren. Krankenhäuser in einer Region müssen sich absprechen: Wer macht was?“

Quelle: Neue Westfälische (17.03.19)

Alle Möglichkeiten nutzen

Plötzlich pflegebedürftig

Cornelia Woge und Stefan Hellweg weisen durch den Pflege-Dschungel

Steinhagen. Wird jemand pflegebedürftig oder muss einen Angehörigen pflegen, gibt es viele Möglichkeiten der Unterstützung. Welche das sind und wie man sie nutzen kann, erklärten jetzt Cornelia Woge und Stefan Hellweg.

Tagespflege, Kurzzeitpflege, Pflegegrade, Entlastungsleistungen…Das Thema ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln, und oft tritt ein Pflegefall völlig unvorbereitet ein, etwa nach einem Schlaganfall. Cornelia Woge, Pflegedienstleiterin bei der Diakonie, und Stefan Hellweg, Pflegeberater bei der Gemeinde, gaben am Montagabend in ihrem Vortrag „Plötzlich pflegebedürftig – was  tun, und wer hilft weiter?“ einen Überblick und beantworteten Fragen. Wie wichtig solche Informationsabende sind, zeigt die große Resonanz: Fast 90 Besucher aller Generationen füllten den Ratssaal.

Zwei Dinge betonen die beiden Fachleute immer wieder: „Wenn Sie oder Ihr Angehöriger pflegebedürftig werden, dann sollten Sie sich das auch eingestehen. Nutzen Sie Hilfeleistungen, sie stehen Ihnen zu!“, appelliert Stefan Hellweg. Und: „Haben Sie keine Angst vor dem Papierkram! Wir helfen Ihnen, Sie haben in Steinhagen ein Netzwerk an Profis“, sagt Cornelia Woge. Die Referenten wollen Pflegende dazu ermutigen, monatliches Pflegegeld zu beantragen, Sachleistungen wie hauswirtschaftliche Hilfe, auch eine Tagespflege oder stationäre Kurzzeitpflege zu nutzen: „Das hat nichts mit Abschieben zu tun“. sagt Cornelia Woge. „Achten Sie als Pflegender immer auch auf sich selbst! Denn klappen Sie eines Tages zusammen, haben wir den worst case: zwei Pflegebedürftige. An sich selbst zu denken, das muss man erst einmal lernen.“

Stefan Hellweg nennt außerdem die Hilfe durch die Wohnberatung, nennt KfW-Zuschüsse für Umbaumaßnahmen zuhause, darunter Handläufe und barrierefreie Bäder.

Quelle: Westfalen-Blatt vom 13.03.2019

Dokumentation OWL 4.0: Ergebnisse aus der Projektwerkstatt Gesundheit

Die Digitalisierung bietet vielfältige Möglichkeiten, um Lösungen für diese gesellschaftlichen Herausforderungen zu finden. Unter dem Motto „Wir gestalten unser MORGEN“ hat sich die OWL GmbH 2016 in OstWestfalenLippe mit dem Handlungskonzept OWL 4.0 auf den Weg gemacht, um die Potenziale der digitalen Transformation für Wirtschaft und Gesellschaft zu erschließen.

In zehn Projekten haben 150 Partner aus Brancheninitiativen, Hochschulen, wirtschaftsnahen Organisationen, Unternehmen sowie weitere Partner konkrete Lösungen, Unterstützungsangebote und Handlungsempfehlungen entwickelt. Nach drei Jahren Arbeit liegt eine positive Zwischenbilanz vor. Ergebnisse und Wirkungen werden in einer Ergebnis-Broschüre vorgestellt.

Ein Schwerpunkt dabei lag im Gesundheitsbereich mit dem Aufbau und Betrieb der Projektwerkstatt Gesundheit 4.0. Unter Federführung des ZIG bietet die Projektwerkstatt Gesundheit 4.0 mit den Partnern aus Hochschulen und Wirtschaft eine regionale Plattform zur Entwicklung und Erprobung digitaler Lösungen. Erfolgreiche Beispiele aus der Projektwerkstatt: Smart Home für mehr Patientensicherheit im Pflegeheim, intelligente Orthesen und Prothesen in der Rehabilitation, Logistik 4.0 im Krankenhaus, digitale Online-Therapie, der autonome Rollstuhl oder die Smartphone App weCare zur Früherkennung von Morbus Parkinson. Darüber hinaus werden in fünf sog. Schaufenstern digitale Lösungen auch für BesucherInnen präsentiert. Für das Pflegebett mit SmartCareControl zur intelligenten Steuerung gab es 2017 den Innovationspreis Marktvisionen OWL. Mit Assistenzrobotik und weiteren digitalen Lösungen präsentiert die Projektwerkstatt Gesundheit 4.0 auch bei nationalen Fachkongressen Innovationen aus der Gesundheitswirtschaft OWL.

Download: OWL 4.0 / Ergebnisdokumentation​​​​​​​

Neuer Direktor am Klinikum Bielefeld

Bielefeld. Diplom-Kaufmann Maik Büscher wird zum 1. Juni neuer Kaufmännischer Direktor des Klinikums Bielefeld. Er folgt auf Ulrich Falk, der diese Position seit 2014 inne hatte. Falk verlässt das Klinikum Bielefeld, um neue Aufgaben nahe seines Wohnortes zu übernehmen. Büscher ist derzeit Leiter Konzerncontrolling und Unternehmensentwicklung der Paracelsus-Kliniken Osnabrück. „Wir freuen uns, dass wir in Maik Büscher einen erfahrenen Krankenhausfachmann für den Wechsel ans Klinikum gewinnen konnten“, sagt Michael Ackermann, Geschäftsführer des Klinikums Bielefeld. Büscher wird als stellvertretender Geschäftsführer Prokura erhalten und Mitglied der Betriebsleitung des Klinikums, die aus dem Geschäftsführer des Klinikums Michael Ackermann, dem Ärztlichen Direktor Wolfgang Schmidt-Barzynski, dem Justiziar Bernd Henkemeier und der Direktorin für Pflege- und klinisches Prozessmanagement Christiane Höbig besteht. Büscher studierte „Betriebswirtschaft in Einrichtungen des Gesundheitswesens“ sowie „Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen“.

Quelle: Neue Westfälische (28.02.19)

SVR Gesundheit: Prof. Dr. Wolfgang Greiner zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat heute den Mitgliedern des neu berufenen Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR) in einer feierlichen Zeremonie die Ernennungsurkunden überreicht.

Im Anschluss an den Minister-Termin wählte der Rat auf seiner konstituierenden Sitzung aus seinen Reihen erneut den Allgemeinmediziner Prof. Dr. Ferdinand Gerlach (Universität Frankfurt) zum Vorsitzenden und erstmalig den Gesundheitsökonomen Prof. Dr. Wolfgang Greiner (Universität Bielefeld) zum stellvertretenden Vorsitzenden. Die weiteren Mitglieder des neuen Sachverständigenrats sind die Ökonomin Prof. Dr. Beate Jochimsen (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin), der Onkologe Prof. Dr. Christof von Kalle (Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg), die Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. Gabriele Meyer (Universität Halle), der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Jonas Schreyögg (Universität Hamburg) und die Pharmakologin Prof. Dr. Petra Thürmann (Universität Witten-Herdecke).

Der gesetzliche Auftrag des Sachverständigenrats ist es, die Entwicklung der gesundheitlichen Versorgung und ihre medizinischen und wirtschaftlichen Auswirkungen zu analysieren sowie Vorschläge für den Abbau von Über-, Unter- und Fehlversorgung auszuarbeiten. In seinem nächsten Gutachten will der Rat die spannenden Chancen und absehbaren Risiken der wachsenden Digitalisierung des Gesundheitswesens untersuchen und sich mit geeigneten Rahmenbedingungen für eine evidenzbasierte digitale Gesundheitsversorgung auseinandersetzen.

Der Sachverständigenrat ist für den Zeitraum vom 1. Februar 2019 bis 31. Januar 2023 berufen worden. Nähere Informationen zum SVR finden Sie unter www.svr-gesundheit.de.

Quelle: Pressemitteilung des Sachverständigenrates Gesundheit (27.02.19)

Landarztquote: Bewerbungsverfahren startet

Kabinett verabschiedet Rechtsverordnung zum Landarztgesetz Nordrhein-Westfalen

Minister Karl-Josef Laumann hat die vom Kabinett verabschiedete Rechtsverordnung zum Landarztgesetz Nordrhein-Westfalen (LAG NRW) vorgestellt. Diese wird zeitnah mit der Veröffentlichung im Ministerialblatt in Kraft treten.

Mit der Rechtsverordnung wird die Grundlage für das Bewerbungs- und Auswahlverfahren für die sogenannte Landarztquote geschaffen. Damit können zum Wintersemester 2019/2020 planmäßig die ersten Studierenden im Rahmen der Landarztquote ihr Studium der Humanmedizin beginnen. Das LAG NRW war bereits im Dezember 2018 vom Landtag verabschiedet worden.

Minister Laumann erklärte: „Wir gehen mutig voran und setzen die Landarztquote als erstes Bundesland zügig in die Tat um. Ziel ist es, motivierte und qualifizierte Studierende zu finden, die in Zukunft als  Hausärztinnen und Hausärzte gerne in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Regionen arbeiten.“ Mit der Landarztquote zähle künftig bei der Auswahl der Studierenden nicht mehr allein die Abiturnote, so Laumann. „Die Abiturnote alleine zeigt längst nicht, ob jemand ein guter Hausarzt sein wird oder nicht. Darum zählt bei der Landarztquote neben beruflichen Vorkenntnissen insbesondere das praktische Können in den Auswahlgesprächen. Denn: Patientenorientierung, Empathie und Sozialkompetenz sind wichtige Schlüsselfaktoren des ärztlichen Berufs. Sie sollen im Rahmen der Auswahlgespräche durch Simulationen und Interviews bewertet werden.“

Wesentliche Inhalte der Rechtsverordnung zur Landarztquote:

  • Für die Durchführung der Auswahlverfahren ist das Landeszentrum für Gesundheit (LZG) in Bochum zuständig.
  • Das Online-Bewerberportal ist vom 31. März bis zum 30. April 2019 für das Wintersemester 2019/2020 und vom 1. September bis zum 30. September 2019 für das Sommersemester 2020 geöffnet.
  • Bei der Antragstellung können Präferenzen für die acht Studienorte in Nordrhein-Westfalen angegeben werden, in denen ein Studium der Humanmedizin angeboten wird.
  • Das Bewerbungsverfahren ist zweistufig. In der ersten Stufe wird die Abiturdurchschnittsnote mit 30 Prozent, der Test für Medizinische Studiengänge (TMS) mit 30 Prozent und eine Ausbildung bzw. berufliche oder praktische Tätigkeit mit 40 Prozent gewichtet. In der zweiten Stufe zählen die Leistungen in den Auswahlgesprächen.
  • Die Auswahlgespräche für das Wintersemester 2019/2020 finden im Juni und für das Sommersemester 2020 im Dezember statt.
  • Studierende im Rahmen der Landarztquote verpflichten sich vertraglich, nach Abschluss des Medizinstudiums und der einschlägigen fachärztlichen Weiterbildung für zehn Jahre in der hausärztlichen Versorgung in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Regionen in Nordrhein-Westfalen tätig zu werden.
  • Werden die vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllt, ist von dem Betroffenen eine Strafzahlung in Höhe von 250.000 Euro an das Land zu leisten.


Weitere Informationen: www.landarztgesetz.nrw 

Quelle: Pressemitteilung, MAGS NRW (19.02.2019)

Regio.NW: Gutachtergremium empfiehlt Projekte zur Förderung in OWL

Landesregierung und EU unterstützen innovative Projektideen zur regionalen Wirtschaftsförderung in Nordrhein-Westfalen mit mehr als 45 Millionen Euro.

Im Rahmen des Aufrufs „Regio.NRW – Innovation und Transfer“ hat ein Gutachtergremium 36 Projekte zur Förderung empfohlen. Ziel ist, mit neuen Kooperationen die innovativen Potentiale in den Regionen zu heben und die Standortqualität zu stärken. Der Förderaufruf richtete sich an kommunale und regionale Wirtschaftsförderungen, Kammern, Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart: „Mit dem Projektaufruf Regio.NRW unterstützten wir die Standortentwicklung für Unternehmen in allen Teilen des Landes. Wir fördern nicht mit der Gießkanne, sondern knüpfen dabei an regionale Stärken und Kompetenzen an. Damit erreichen wir passgenaue Angebote für den Innovationsstandort Nordrhein-Westfalen.“

Die ausgewählten Projekte unterstützen kleine und mittlere Unternehmen bei der Digitalisierung, beim Transfer von den Hochschulen in die Unternehmen durch Scoutings oder stärken die Start-up-Kultur in ländlichen Regionen. Sie sollen mit rund 45 Millionen Euro von der EU und vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert werden. Die entsprechenden Anträge können jetzt bei den zuständigen Bezirksregierungen gestellt werden.

Der Projektaufruf „Regio.NRW – Innovation und Transfer“ wird mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Im Zeitraum bis 2020 stehen Nordrhein-Westfalen insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro EU-Mittel zur Verfügung, um Wachstum und Beschäftigung zu unterstützen.

Zu den Projekten, die zur Förderung empfohlen werden, zählt auch das Projekt „work & care“, das unter Federführung des ZIG initiiert wurde. Dabei geht es um die Entwicklung eines innovativen Unterstützungsmodells für pflegende Erwerbstätige.

Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie (15.02.2019)

Hilfe im Alter und bei der Pflege

Hilfe im Alter und bei der Pflege

Paderborn. Wer als älterer Mensch alleine zu Hause lebt oder wer einen Angehörigen pflegt, fühlt sich mit seinen vielen Fragen häufig alleine gelassen. Das soll sich nun ändern. Der Kreis Paderborn will ihnen dabei helfen und hat ein neues Angebot ins Leben gerufen, das konkret und vor Ort helfen soll.

Für diese Aufgabe hat sich der Kreis mehrere Wohlfahrtsverbände mit ins Boot geholt, die zusammen mit der Pflegeberatung des Kreises kostenlose Sprechstunden in jeder Stadt und Gemeinde anbieten. Durch die Beratung im Zweier-Team – mit einem Pflege-Experten und einem Berater für ergänzende Angebote und Hilfen sowie ehrenamtliche Nachbarschaftshilfen – gibt es erstmals eine Anlaufstelle, an die sich ältere oder pflegebedürftige Menschen sowie Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen mit allen Anliegen wenden können.

„Selbst für Kenner des Systems ist es schwierig, den Überblick darüber zu behalten, welche Angebote es wo gibt und wer für die Kostenübernahme zuständig ist“, weiß Patrick Wilk von der Caritas Paderborn. Deshalb begrüßt er die neue Initiative des Kreises.

Zusammen mit der Caritas Büren, der Diakonie und der Arbeiterwohlfahrt ist die Caritas Paderborn Partner des Kreises im »Kooperationsverbund Alter und Pflege« (KoAP), der eigens für dieses neue Angebot gegründet wurde.

Die Wohlfahrtsverbände bieten an vielen Orten unterstützende Angebote wie Kurzzeitpflege, Hauswirtschaftshilfen oder Mahlzeitendienste an. Beim neuen Beratungsangebot informieren sie alle Ratsuchenden aber neutral und über die Grenzen der eigenen Verbände hinaus. »Vorher mussten die Bürger alle Anbieter und Verbände abtelefonieren, um einen Überblick über das Angebot vor Ort zu bekommen. Dazu kommen dann noch viele ehrenamtliche Initiativen und Zusammenschlüsse, die zusätzlich recherchiert werden mussten. Durch diese unübersichtliche Angebotslage sind bisher viele wichtige Hilfen nicht bei den Menschen angekommen«, verdeutlicht Margot Becker, Sozialplanerin im Sozialamt des Kreises Paderborn.

Ein weiterer großer Vorteil sei, dass die Sprechstunden des »KoAP« in jeder Stadt und Gemeinde an zentralen, barrierefreien Orten stattfinden. „Für Bewohner der dörflichen Bezirke ist Paderborn häufig zu weit weg“, weiß Stephanie Neumann vom Caritas-Verband Büren. Damit steige auch die Hemmschwelle, die dort bereits existierenden Angebote, wie die Pflegeberatung des Kreises, aufzusuchen.

Auch Nachbarkreise zeigen Interesse

Mit dem KoAP ist auch eine Anlaufstelle geschaffen worden, für Menschen, die sich gerne ehrenamtlich engagieren möchten, bisher aber nicht wussten, wo und wie. Nun können sie sich an die Anlaufstelle wenden und bekommen Möglichkeiten, den Menschen in ihrer Nachbarschaft zu helfen. Dass ein Kreis zusammen mit Wohlfahrtsverbänden einen Trägerverbund bildet, um Beratungsangebote für Pflege und das Leben im Alter flächendeckend anzubieten, ist bisher einzigartig. »Das Modell ist bereits auf großes Interesse in den Nachbarkreisen in OWL gestoßen«, freut sich Landrat Müller. Demnächst wird es daher den Sozialdezernaten der anderen Kreise als Projektidee vorgestellt. Schließlich stehen alle vor gleichen Problem: Die Gesellschaft wird älter, die Menschen leben länger im eigenen Zuhause und brauchen Zugang zu den Informationen und Angeboten.

Zu den Sprechzeiten werden Bürger nun kostenlos über soziale Leistungen bei Pflegebedürftigkeit und ihre Finanzierungsmöglichkeiten beraten sowie bei der Antragstellung unterstützt. Zudem erhalten sie Informationen über lokale Angebote zur sozialen Teilhabe wie Sport, Kultur, Begegnungstreffs, zu alltagsunterstützenden Hilfen wie Entlastungs- und Betreuungsdienste oder Hauswirtschaftshilfen und zu ehrenamtlichen Hilfen. Ansprechpartnerin beim Kreis Paderborn ist Meike Delang, Telefon 05251/ 308-9201.

Quelle: Westfalen-Blatt Online (04.02.2019)

Medizin Seminar: Schrittmacher, Prothesen, Implantate

Paderborn. Es wird eines der größten Medizin-Seminare für Patienten und Ärzte, das es je in Paderborn gegeben hat: Im Audimax, dem größten Hörsaal der Uni Paderborn, geht es am Mittwoch, 20. Februar, um die Sicherheit von Medizin-Produkten.

Bei den Vorträgen geht es um Herzschrittmacher, Insulinpumpen und Glukosesensoren, Knie- und Hüftprothesen, Bandscheibenprothesen und Brustimplantate. Ihr Einsatz entscheidet über Leben und Tod, ermöglicht Mobilität oder kann nach Krebs dazu dienen, die Brust zu rekonstruieren. Doch die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß, denn immer wieder gibt es mit Medizin-Produkten auch Probleme.

„Wir wollen die Patienten über die Sicherheit und das Risiko aufklären und Stellung beziehen. Wir wollen erklären, welche Unsicherheiten es bei Medizin-Produkten gibt“, erläutert Professor Dr. An­dreas Götte den Hintergrund.

Veranstalter des Seminars ist der Kreisärzteverein Paderborn. Professor Dr. Götte gehört dem Vorstand an. „Wir haben beschlossen, in die Offensive zu gehen“, sagt der Mediziner. Schon der Skandal um gefährliche Brustimplantate hatte viele Patientinnen beunruhigt. Im Herbst hatte die TV-Sendung Report in der ARD dann auch noch über „Plastikschrott im Körper“ und „bröselnde Bandscheiben“ berichtet und damit die Verunsicherung weiter vergrößert.

„Die Ärzte haben viele Anfragen bekommen“, stellt Götte fest. Alles, was berichtet worden sei, sei korrekt, meint der Paderborner Chefarzt der Kardiologie im St.-Vincenz-Krankenhaus. „Aber vieles, was nur aus einer Perspektive kommt, sorgt für Stimmung“, meint er.

Egal ob künstliches Kniegelenk oder Schrittmacher: Die Patienten gingen in der Regel davon aus, dass sie diese Produkte bis zum Ende ihres Lebens im Körper tragen können. „Nicht jedes Medizinprodukt funktioniert aber in jedem Körper einwandfrei“, gibt Götte zu bedenken. Die Hersteller hätten nach 150.000 Implantaten und ständigen Qualitätskontrollen natürlich mehr Erfahrungen mit ihrem Produkt, als bei einer Markteinführung, der eine ausgiebige Testphase vorausgeht, sagt er.

Beispiel Herzschrittmacher: Wie der Chefarzt berichtet, habe es vor einigen Jahren Elektrodenbrüche gegeben. Diese entstünden durch Materialermüdung. Batterieprobleme seien ebenso aufgetreten wie auch Software-Defekte. Die Eingriffe in solchen Fällen seien in der Regel recht unkompliziert. Problematisch und für den Patienten nicht ungefährlich seien aber Fälle, in denen Elektroden mit dem Herzen verwachsen seien.

Götte betont, dass die Veranstaltung im Audimax nicht von der Industrie unterstützt werde. Der Kreisärzteverein sei ein Zusammenschluss von niedergelassenen sowie Krankenhaus-Ärzten. „Für uns ist das ein Mitteilungs- und Fortbildungsforum“, sagt das Vorstandsmitglied.

Fünf Mediziner werden in der gut zweistündigen Veranstaltung auf die verschiedenen Themenbereiche eingehen. „Die Vorträge werden für Patienten allgemein verständlich sein“, sagt Götte. Aber auch Hausärzte sind willkommen, sich an diesem Tag zu informieren. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Zwischen den Vorträgen gibt es jeweils 15 Minuten Zeit für Fragen und Diskussionen.

„Die Ärzte haben viele Anfragen bekommen“, stellt Götte fest. Alles, was berichtet worden sei, sei korrekt, meint der Paderborner Chefarzt der Kardiologie im St.-Vincenz-Krankenhaus. „Aber vieles, was nur aus einer Perspektive kommt, sorgt für Stimmung“, meint er.

Egal ob künstliches Kniegelenk oder Schrittmacher: Die Patienten gingen in der Regel davon aus, dass sie diese Produkte bis zum Ende ihres Lebens im Körper tragen können. „Nicht jedes Medizinprodukt funktioniert aber in jedem Körper einwandfrei“, gibt Götte zu bedenken. Die Hersteller hätten nach 150.000 Implantaten und ständigen Qualitätskontrollen natürlich mehr Erfahrungen mit ihrem Produkt, als bei einer Markteinführung, der eine ausgiebige Testphase vorausgeht, sagt er.

Beispiel Herzschrittmacher: Wie der Chefarzt berichtet, habe es vor einigen Jahren Elektrodenbrüche gegeben. Diese entstünden durch Materialermüdung. Batterieprobleme seien ebenso aufgetreten wie auch Software-Defekte. Die Eingriffe in solchen Fällen seien in der Regel recht unkompliziert. Problematisch und für den Patienten nicht ungefährlich seien aber Fälle, in denen Elektroden mit dem Herzen verwachsen seien.

Götte betont, dass die Veranstaltung im Audimax nicht von der Industrie unterstützt werde. Der Kreisärzteverein sei ein Zusammenschluss von niedergelassenen sowie Krankenhaus-Ärzten. „Für uns ist das ein Mitteilungs- und Fortbildungsforum“, sagt das Vorstandsmitglied.

Fünf Mediziner werden in der gut zweistündigen Veranstaltung auf die verschiedenen Themenbereiche eingehen. „Die Vorträge werden für Patienten allgemein verständlich sein“, sagt Götte. Aber auch Hausärzte sind willkommen, sich an diesem Tag zu informieren. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Zwischen den Vorträgen gibt es jeweils 15 Minuten Zeit für Fragen und Diskussionen.

„Die Ärzte haben viele Anfragen bekommen“, stellt Götte fest. Alles, was berichtet worden sei, sei korrekt, meint der Paderborner Chefarzt der Kardiologie im St.-Vincenz-Krankenhaus. „Aber vieles, was nur aus einer Perspektive kommt, sorgt für Stimmung“, meint er.

Egal ob künstliches Kniegelenk oder Schrittmacher: Die Patienten gingen in der Regel davon aus, dass sie diese Produkte bis zum Ende ihres Lebens im Körper tragen können. „Nicht jedes Medizinprodukt funktioniert aber in jedem Körper einwandfrei“, gibt Götte zu bedenken. Die Hersteller hätten nach 150.000 Implantaten und ständigen Qualitätskontrollen natürlich mehr Erfahrungen mit ihrem Produkt, als bei einer Markteinführung, der eine ausgiebige Testphase vorausgeht, sagt er.

Beispiel Herzschrittmacher: Wie der Chefarzt berichtet, habe es vor einigen Jahren Elektrodenbrüche gegeben. Diese entstünden durch Materialermüdung. Batterieprobleme seien ebenso aufgetreten wie auch Software-Defekte. Die Eingriffe in solchen Fällen seien in der Regel recht unkompliziert. Problematisch und für den Patienten nicht ungefährlich seien aber Fälle, in denen Elektroden mit dem Herzen verwachsen seien.

Götte betont, dass die Veranstaltung im Audimax nicht von der Industrie unterstützt werde. Der Kreisärzteverein sei ein Zusammenschluss von niedergelassenen sowie Krankenhaus-Ärzten. „Für uns ist das ein Mitteilungs- und Fortbildungsforum“, sagt das Vorstandsmitglied.

Fünf Mediziner werden in der gut zweistündigen Veranstaltung auf die verschiedenen Themenbereiche eingehen. „Die Vorträge werden für Patienten allgemein verständlich sein“, sagt Götte. Aber auch Hausärzte sind willkommen, sich an diesem Tag zu informieren. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Zwischen den Vorträgen gibt es jeweils 15 Minuten Zeit für Fragen und Diskussionen.

Westfalen-Blatt Online (05.02.2019)

EvKB-Jahresempfang: Zukunft der Medizin

Jahresempfang EvKB

Durch den Festvortrag von SPIEGEL-Redakteur und Buchautor Thomas Schulz wurde auf dem 15. Jahresempfang des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB) und des Krankenhauses Mara eine rege Diskussion angestoßen. Gut 300 Gäste debattierten angeregt über das, was die Medizin der Zukunft verspricht.

Der Jahresempfang der beiden Betheler Krankenhäuser, dem EvKB und dem Krankenhaus Mara ist der Zeitpunkt, um noch einmal in Ruhe das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und aktuell durch den Festvortrag von Thomas Schulz, ganz weit nach vorne in die Zukunft zu schauen.

„2018 ist viel passiert. Wir haben mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie eine neue Klinik eingerichtet, 30 Millionen Euro in die Modernisierung des EvKB und des Krankenhauses Mara investiert und gehen offensiv den Fachkräftemangel an, indem wir die Schulen ausbauen, neue Ausbildungen anbieten sowie die Planung der Medizinischen Fakultät OWL an der Universität Bielefeld aktiv unterstützen“, erklärte in ihrer Begrüßung Dr. Maren Thäter als neue Vorsitzende Geschäftsführerin des EvKB. Seit Januar 2019 werden das EvKB und das Krankenhaus Mara von Dr. Maren Thäter und ihrem Geschäftsführerkollegen Dr. Matthias Ernst geleitet. Dr. Rainer Norden ist von der Position des Vorsitzenden Geschäftsführers in die des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden des EvKB gewechselt. Als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel war seine Aufgabe als Vorsitzender Geschäftsführer im EvKB zeitlich begrenzt: „Dafür waren ein bis zwei Jahre eingeplant. Daraus sind sieben Jahre geworden, in denen wir die Aufgabe hatten, das Klinikum wieder als ein Teil von Bethel sichtbar zu machen – und das ist durch die ungeteilte Unterstützung von Pastor Ulrich Pohl, Vorstandsvorsitzender der v. Bodelschwingschen Stiftungen Bethel, gelungen“, so Norden in seinen Begrüßungsworten vor rund 300 Gästen, die voller Spannung den Festvortrag von Thomas Schulz erwarteten.

Der SPIEGEL-Redakteur und Buchautor hat 2012 die SPIEGEL-Redaktionsvertretung im Silicon Valley aufgebaut: „Folgen wir der Spur des Geldes, führt sie uns in den letzten zwei Jahren zu Investitionen in der Medizinforschung. Jeder bekommt im Silicon Valley durch intensives netzwerken mit, was funktioniert und was nicht. Und Medizin funktioniert.“ Wenn die digitale auf die biologische Revolution trifft und riesige Datenmengen durch künstliche Intelligenz verarbeitet werden können, verspricht die Medizin der Zukunft ein längeres und gesünderes Leben. Das ist das Ziel. Bereits jetzt biete die Zukunftsmedizin laut Schulz diagnostische und therapeutische Zugriffe auf viele Erkrankungen, insbesondere auf Entzündungen oder Krebs. So lassen sich Tumore bis aufs Gen genau analysieren, Immunzellen gentechnisch aufrüsten und Gentherapien individuell maßschneidern. In der klinischen Realität sind die neuen Methoden und Verfahren bislang allerdings erst bei wenigen Patienten angekommen. „Fest steht, dass die Prozesse enorm beschleunigt werden. Aus 35 Jahren Umsetzungszeit werden fünf Jahre. Technologisch wird vieles machbar. Gleichzeitig werden damit gesellschaftliche und ethische Fragen aufgeworfen, auf die wir noch nicht vorbereitet sind“, gab der Erfolgsautor des Buches „Zukunftsmedizin“ zu Bedenken. „Die Möglichkeiten, die sich durch die Digitalisierung ergeben, sind beeindruckend und wir wollen diesen positiv entgegensehen, allerdings soll die Hoheit über Prozesse der Mensch behalten“, erklärte in seinen Abschlussworten Dr. Matthias Ernst, Vorsitzender Geschäftsführer im Krankenhaus Mara und Geschäftsführer im EvKB, der damit den Startschuss für eine überaus angeregte Debatte unter den Gästen gab.

Quelle: Pressemitteilung des Evangelischen Klinikums Bethel (31.01.2019)

Medizin-Fakultät gibt Uni neues Gesicht

Veränderungen Campus Bielefeld

Bielefeld. Die Neugründung der Medizinischen Fakultät an der Universität wird enorme Auswirkungen haben auf die Stadt, die Hochschule selbst sowie dem Campusgelände. Sichtbar wird das zunächst vor allem durch neue Gebäude. Es gibt mittlerweile konkrete Vorstellungen der Uni-Leitung, wo die entstehen sollen – und wo nicht. So schließt die Uni jetzt – trotz Baufeldern mit Baurecht – eine Expansion südlich der Wertherstraße, neben dem Gebäude des ZiF (Zentrums für interdisziplinäre Forschung) aus. Im Blick sind stattdessen Flächen entlang der Straßen Morgenbreede und Konsequenz südlich des Hauptgebäudes.

Wie berichtet hat die Uni klare Pläne. Sie sehen vor, das ICB (Innovationszentrum Bielefeld) vollständig zu übernehmen – „gekauft oder langfristig angemietet“, wie Uni-Sprecher Ingo Lohuis auf Anfrage mitteilt. „Dazu laufen aktuell Gespräche mit der Eigentümerin BGW, der Stadt und dem Land.“ Eine abschließende Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Gut 30.000 Quadratmeter groß ist der Riegel am Eingang der Morgenbreede, ideal für den Start der Fakultät 2021, weil er bald fertig gestellt ist. Aber er ist noch nicht ausreichend für den Vollbetrieb mit etwa 100 Professoren, 500 Mitarbeitern und 2.000 Studenten ab spätestens 2025. Dafür müssen mehr Nutzflächen her. Im Blick ist die Parkfläche neben dem ICB vor den Studentenheimen. Dort könnte ein Neubau anschließen. Weiter soll es gehen auf dem Gelände des heutigen H-Teils der Uni, von wo aus heute die Sanierung des Unihauptgebäudes durch den Landesbetrieb BLB geleitet wird. Damit aber nicht genug: Einige Hundert Meter weiter erforschen Biologen das Verhalten von Tieren in einem sehr in die Jahre gekommenen Betonklotz. Das soll zugunsten eines Neubaus für die Mediziner weichen; die Biologen würden ebenfalls ein neues Domizil erhalten. „Wir brauchen den funktionalen Zusammenhang mit dem Unihauptgebäude, denn Teile der aktuellen Fakultäten wie Biologie, Chemie und Gesundheitswissenschaften werden Beiträge zum Lehrangebot der Medizinischen Fakultät leisten“, erklärt Lohuis. Dafür sei räumliche Nähe nötig. Zugleich schließen sich deswegen andere Optionen aus – etwa ein Fakultäts-Gebäude auf dem Campus Nord. Vom Tisch ist dem Vernehmen nach ebenso eine Verlängerung der Hauptgebäude-Zähne.

Die Uni-Leitung favorisiert für die Medizin-Fakultät eindeutig ein Konzept mit mehreren, nahe beieinander liegenden Bauten. Der Vorteil gegenüber einem einzigen, großen Gebäude liegt auf der Hand: Das Studium könnte im jetzigen, fast fertig gestellten ICB ab 2021 garantiert losgehen, weitere Flächen könnten nach und nach dazu kommen bis 2025 – flexibel und schnell je nach Bedarf. Ein Großneubau für die Fakultät wäre hingegen frühestens 2025 fertig und müsste etwa so groß werden wie die neue Fachhochschule auf dem Campus Nord.

Für die Planungssicherheit gibt es einen weiteren Wunsch: „Die Universität möchte selbst als Bauherrin bei den Neubauten aktiv werden. Auch dazu laufen aktuell die Gespräche“, sagt Lohuis.

Wenn die Ministerien in Düsseldorf mitziehen, könnte noch in diesem Jahr Planungssicherheit und sogar vereinzelt Baubeginn sein. Die Investitionssumme wird auf knapp eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

Vorgesehen ist der Start des Studienbetriebs an der Fakultät mit Schwerpunkt chronische Krankheiten und Behinderungen im Wintersemester 2021/2022 mit 48 Studenten im ersten Semester und 48 Studenten in höheren Semestern.

Quelle: „Medizin-Fakultät gibt Uni neues Gesicht“ (Neue Westfälische, 03.02.2019)

Stiftung Eben-Ezer setzt auf neue Versorgungsmodelle im ländlichen Raum

Die Stiftung Eben-Ezer (Lemgo) ist gemeinsam mit Diakonie ambulant gGmbH (Detmold) seit Kurzem neues Mitglied im ZIG. Beim Informationsbesuch besichtigten Geschäftsführer Uwe Borchers und Projektmanager Jan Hendrik Schnecke vom ZIG das Therapeutische Zentrum der Stiftung. Die Gäste aus Bielefeld tauschten sich mit Eben-Ezer Vorstand Pastor Dr. Haase und Udo Zippel sowie  Marianne Ulbrich, Geschäftsführerin von Diakonie ambulant gGmbH und Prof. Dr. Frank Dieckbreder aus.

Prof. Dieckbreder leitet derzeit den medizinisch psychologisch therapeutischen Bereich der Stiftung. Er berichtete von der Notwendigkeit des Umbaus der Finanzierung der Klinischen Abteilung im Therapeutischen Zentrum. Neue Versorgungsmodelle für Patienten und unterstützungsbedürftige Personen im ländlichen Raum sind ebenfalls ein Thema des ZIG und wurden in der Eben-Ezer Runde diskutiert. Beispiele sind das Gespräch mit dem Arzt auf digitalem Wege oder die technische Unterstützung im Wohnen durch „intelligente“ Geräte, die quasi mitdenken.

Borchers, Haase und Zippel unterstrichen das gemeinsame Interesse an einer stärkeren öffentlichen Wahrnehmung der Gesundheitswirtschaft als bedeutsam für Wohlstand und Wirtschaftswachstum. Der Gesundheitssektor sei ein Wachstumskern der Volkswirtschaft mit mehr Beschäftigten als in der Autoindustrie. In der gesundheitspolitischen Diskussion müsse es deshalb weniger um Kosten und mehr um regionale Wachstumschancen und Lebensqualität der Menschen vor Ort gehen.

Gesundheits-Aktionstag Steinhagen: Damit der Antrieb auch im Alter bleibt

Gesundheits-Aktionstag Steinhagen

Steinhagen. Wenn es um ihre Gesundheit geht, liegen den Steinhagenern im Alter ab 55 Jahren vor allem drei Themen am Herzen. Das hat jetzt die Bürgerbefragung zum Projekt »Gesund alt werden in Steinhagen« ergeben. Was jeder selbst tun kann, welche Hilfe und anderen Möglichkeiten es gibt, zeigt erstmals ein Aktionstag am 3. Februar.

Mehr als 80 Antwortbögen hat die Gemeinde aus der Befragung zurück bekommen. Bürger ab etwa 55 Jahren konnten Anregungen formulieren, etwa welche Angebote in Steinhagen ausgebaut werden sollten oder was vielleicht noch fehlt. Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative der Gemeinde, des Kreises und der Krankenkassen IKK classic und Bertelsmann-BKK. Hintergrund des Projektes ist der zunehmende Altersdurchschnitt der Gesellschaft.

Übergang in den Ruhestand mehr thematisieren

Projektmanagerin Angelina Stuckert vom Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL (ZIG) hat bei der Auswertung vor allem drei wiederkehrende Themen ausgemacht: »Die Leute wünschen sich noch mehr Angebote zur Bewegungsförderung, noch mehr Beratung in Sachen gesunder Ernährung, außerdem Informationsangebote für ihren bevorstehenden Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand«, zählt Stuckert die genannten Hauptanliegen auf.

Zwar gibt es in Steinhagen bereits eine Reihe passender Anlaufstellen und Angebote; Pflegeberater Stefan Hellweg nennt etwa den in gedruckter Form erhältlichen Seniorenwegweiser und die Pflege- und Wohnberatung bei ihm im Rathaus. Aber er weiß auch: »Vieles ist noch nicht bekannt genug. Daher stellen die Initiatoren des Projekts ›Gesund alt werden‹ jetzt den ersten Steinhagener Gesundheits-Aktionstag auf die Beine.«

29 Aussteller informieren im Rathaus

Am Sonntag, 3. Februar, stellen im Rathaus insgesamt 29 Institutionen ihre Beratungs-, Hilfs- und weiteren Angebote vor. Mit dabei sind dann unter anderem Kreissportbund, Sportvereinigung und Heimatverein Brockhagen, DRK und Evangelische Kirchengemeinde, Pflegeberater und Pflegedienste, Seniorenbetreuer und die AWO, um nur einige zu nennen. »Außerdem gibt es Mitmach-Aktionen wie einen Herz-Kreislauf-Check, Outdoor-Fitness für Mütter, ein Muskel-Probetraining und einen Alltags-Fitness-Test«, zählt Bürgermeister Klaus Besser weitere Programmpunkte auf.

»Die Veranstaltung läuft von 11 bis 16 Uhr, dazu gibt es mehrere Fachvorträge«, sagt Stefan Hellweg. »Das Ganze richtet sich an alle interessierten Besucher; als Haupt-Zielgruppe wollen wir Menschen von etwa 55 Jahren an aufwärts ansprechen.« Denn viele Präventionsangebote, wie sie etwa Krankenkassen anbieten und bezuschussen, würden zum Großteil von jüngeren Teilnehmern genutzt, berichtet Thomas Johannwille vom Vorstand der Bertelsmann-BKK. »Dabei geht es darin genauso um Ältere«, betont er.

»Jeder möchte gesund und glücklich alt werden, dabei möglichst lange selbstbestimmt leben«, sagt auch seine Kollegin Miriam Wigand. »Deswegen wollen wir Gesundheits- und Unterstützungsangebote für ältere Menschen und auch für pflegende Angehörige in Steinhagen nachhaltig verbessern und bekannt machen.

So viel wie möglich selbst in die Hand nehmen

Klaus Besser ruft dazu auf, vorhandene Möglichkeiten zu nutzen: »Vor dem Hintergrund, dass die Menschen eine steigende Lebenserwartung haben, gleichzeitig mit höherem Alter Gesundheitsrisiken, Hilfs- und Pflegebedürftigkeit zunehmen, ist es wichtig, dass jeder so viel wie möglich für seine Gesundheit und damit seine Lebensqualität selbst tut – durch Bewegung, gesunde Ernährung oder gemeinsame Unternehmungen mit Gleichgesinnten.«

Weitere Vortrags- und Diskussionsabende

Zum Projekt »Gesund alt werden in Steinhagen« sind weitere Veranstaltungen geplant, die jeweils um 18 Uhr im Ratssaal beginnen: »Aktiv in den Ruhestand« (11. Februar), »Selbstständig bis ins hohe Alter« (25. Februar), »Umgang mit Demenz« (4. März), »Plötzlich pflegebedürftig – was tun, wer hilft?« (11. März), »Veränderungen in der Lebensplanung« (18. März), »Leben bis zum Abschiednehmen« (1. April).

Quelle: Westfalen-Blatt Online (15. Januar 2019)

IT NRW: Arztpraxen auf dem Land versorgen dreimal so viele Einwohner wie in städtischen Gebieten

Einwohner je Arztpraxis

Im ländlichen Raum betreuen Arztpraxen im Schnitt mehr als dreimal so viele Einwohner wie in städtischen Gebieten

Düsseldorf. Jede der 18 865 Arztpraxen in Nordrhein-Westfalen war 2016 rein rechnerisch für 939 Menschen zuständig. Im ländlichen Raum betreuen die Arztpraxen laut einer Studie des Statistischen Landesamtes im Schnitt mehr als dreimal so viele Einwohner wie in städtischen Gebieten. Neben Daten zur Verteilung der Arztpraxen stellte Hans-Josef Fischer, Präsident des Landesbetriebs Information und Technik Nordrhein-Westfalen, heute in einer Pressekonferenz in Düsseldorf weitere statistische Ergebnisse zur Gesundheit und Gesundheitsversorgung in NRW vor.

Fischer führte aus, dass 13,8 Prozent der NRW-Bevölkerung 2017 angaben, krank gewesen zu sein und die Gesundheitsausgaben in NRW im Jahr 2016 bei 4 344 Euro pro Kopf lagen. Außerdem hat jedes NRW-Krankenhaus 2017 rein rechnerisch 13 400 Patienten behandelt und bei 14,5 Prozent der Patienten in NRW-Krankenhäusern wurden 2017 Krankheiten des Kreislaufsystems diagnostiziert.

Quelle: IT.NRW

Land Nordrhein-Westfalen will Aufbau einer Pflegekammer mit fünf Millionen Euro unterstützen

Aufbau Pflegekammer

Minister Karl-Josef Laumann hat die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter den Pflegefachkräften in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Die Befragung sollte klären, ob und wenn ja, in welcher Form eine Interessenvertretung für die Pflege in Nordrhein-Westfalen gegründet werden soll. 86 Prozent der insgesamt 1.503 Befragten wünschten sich grundsätzlich eine Interessenvertretung.

Düsseldorf. 59 Prozent befürworteten ausschließlich die Gründung einer Pflegekammer, während sieben Prozent für einen Pflegering plädierten. 20 Prozent befürworteten sowohl die Errichtung einer Pflegekammer als auch eines Pflegerings. Acht Prozent haben sich gegen eine Interessenvertretung für die Pflege ausgesprochen. Sechs Prozent waren unentschlossen.

„Das Ergebnis zeigt: 79 Prozent der Pflegefachkräfte wollen eine Pflegekammer. Dass die Pflegekammer eine so deutliche Mehrheit bekommen hat, freut mich natürlich sehr. Das ist aber auch ein eindeutiges Zeichen an die Politik, die Entscheidung nun möglichst schnell umzusetzen. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die Pflege zu einem selbstbewussten und emanzipierten Berufsstand zu machen“, so Minister Laumann.

Die Befragung wurde von Oktober bis November 2018 durchgeführt und von August bis November 2018 von einer Informationskampagne begleitet. Pflegekräfte konnten sich hierzu in gedruckten Medien, auf einer eigenen Homepage und in 131 vom Land geförderten Multiplikatoren-Veranstaltungen informieren.

„Die Entscheidung muss nun konsequent umgesetzt und die Pflegekammer zügig errichtet werden. Mein Ziel ist es, dass der entsprechende Gesetzentwurf noch vor der Sommerpause im Landtag eingebracht wird“, erklärte Laumann. „Ich möchte die Kammer zu einer starken Stimme für die Pflege machen. Das funktioniert allerdings nur, wenn ihr wichtige Aufgaben nach dem Vorbild der Ärztekammern übertragen werden. Ich hoffe dabei auf einen engen und intensiven Dialog mit den Pflegeverbänden. Denn: Nur eine starke Pflegekammer kann auf Augenhöhe mit den anderen Akteuren im Gesundheitswesen agieren.“

So soll die Kammer beispielsweise die Qualität der Pflege sichern, Standards für eine gute Berufsausübung festlegen und überwachen sowie Fort- und Weiterbildungsangebote entwickeln. „Wir werden den Aufbau der Pflegekammer finanziell mit fünf Millionen Euro unterstützen“, sicherte Minister Laumann zu. Langfristig finanziert sich die Kammer aus Gebühren und Beiträgen ihrer Mitglieder.

Quelle: Pressemitteilung, Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (09.01.2019)

Download Ergebnisbericht: www.interessenvertretung-pflege.nrw.de