Meldungen

Medizintechnikbranche vor neuen Herausforderungen

Die EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) ist nach längerer Übergangsphase seit Mai 2021 in Kraft. Die neue Verordnung brachte erhöhte regulatorische Anforderungen an das Inverkehrbringen und die Überwachung von Medizinprodukten in der Europäischen Union mit sich. Die Unternehmen der Medizintechnik-Branche müssen sich aber längst auf weiterreichende Veränderungen einstellen, und hier sind besonders die kleineren und mittelständischen Unternehmen gefordert. Zu den aktuellen Herausforderungen zählen unsichere Lieferketten, steigende Rohstoff-, Fracht- und Energiepreise sowie Fachkräftemangel, allgemeiner Kostendruck oder der umfassende Wandel durch die Digitalisierung. Dabei hat sich die stark mittelständisch geprägte Medizintechnik auch in den letzten Monaten als innovationstreibende Branche und in der Pandemie als verlässlicher Partner gezeigt, der wesentlich zur Bekämpfung der Pandemie beitragen konnte, u.a. mit Produkten für die Intensivmedizin, Homecare, Spritzen- und Hygieneprodukte oder im medizinischen Fach- und Großhandel. 

Im ostwestfälischen Salzkotten begegnet die CONDOR® MedTec GmbH den regionalen, globalen und vor allem medizinischen Herausforderungen seiner Kundinnen und Kunden erfolgreich seit über 25 Jahren. Das mittelständische Familienunternehmen, gegründet 1997 und verbunden mit der Heimat in Ostwestfalen-Lippe, wächst stetig und ist einer der weltweit führenden OP-Gerätehersteller. Die Produkte zählen heute zur Standardausstattung in Kliniken und Krankenhäusern in Europa, Nord- und Südamerika, Asien und im Nahen Osten. Die ausgewiesene Qualität der Produkte wird von den Kundinnen und Kunden geschätzt. Gemeinsam führen die Geschwister Dominik Schulte und Ira Fecke-Schulte mit ihrem Vater Hermann-Josef Schulte das Unternehmen. Wie CONDOR® MedTec die aktuellen Entwicklungen einschätzt, das haben wir Ira Fecke-Schulte gefragt.

Der Start der Medizinischen Fakultät OWL der Universität Bielefeld im Oktober 2021 war ein wichtigster Meilensteine für die Gesundheitsregion OWL. Welche Chancen verbinden Sie als Unternehmen der Medizintechnik mit dem neuen Ausbildungsstandort für Humanmedizin? Und welche neuen Perspektiven sehen Sie für die Branche der Medizintechnik in der Region? 

Fecke-Schulte: Die neue Fakultät ist ein weiterer wichtiger Baustein zur Steigerung der Attraktivität unserer Region. Regionale Hochschulen und Universitäten haben für uns grundsätzlich eine zentrale Bedeutung. Als Hersteller für Medizinprodukte sehen wir in einer medizinischen Hochschule Potentiale für die Durchführung gemeinsamer Forschungsprojekte, für Produktentwicklung oder die Durchführung klinischer Beobachtungen.

Für die Unternehmen, aber auch für Politik und für uns alle im persönlichen Alltag nimmt aktuell Unsicherheit in vielerlei Form zu. Neben den Herausforderungen durch den digitalen Wandel oder den Sorgen rund um die Pandemie zeigen wir uns betroffen vom Krieg in der Ukraine. Welche Herausforderungen bereiten Ihnen aktuell die größten Sorgen, und worauf muss sich die Medizintechnikbranche einstellen?

Fecke-Schulte: Die Medizintechnik gilt als „krisensichere und risikoarme Branche“. Dies zeigte auch die Corona Pandemie, die sich bei vielen Unternehmen nur kurzfristig niedergeschlagen hat, jedoch schnell zu einer neuen Form der Normalität unter pandemischen Bedingungen wurde. Der Krieg in der Ukraine hingegen hat sehr ungewisse Auswirkungen mit Risiken für alle Branchen. Unsere Lieferketten sind gefährdet, die Lieferzeiten sehr lang und die Schreiben zur Kostensteigerung unserer Rohstoffe kommen täglich ins Haus. Kurzum – der Bedarf an Medizintechnik wird so schnell nicht enden, allerdings ist fraglich, wie zum einen die Unternehmen lieferfähig bleiben und zum anderen Gesundheitseinrichtungen die steigenden Preise gegenfinanzieren sollen. 

 

Wenn wir aus den letzten zweieinhalb Jahren etwas gelernt haben sollten – dann ist es die Fragilität des globalen Handels. Ziele, wie die Herstellung von Atemschutzmasken wieder in Europa anzusiedeln sollten gestärkt werden und zur Umsetzung kommen. Dies erfolgt nicht, wenn zum einen das Vergaberecht nur den günstigsten  Anbieter bevorzugt und zum anderen die Krankenhäuser im Rahmen des DRG-Systems wenig Spielraum haben, um kostendeckend zu agieren.

Im Mai wird in NRW eine neue Landesregierung gewählt. Was erhoffen Sie von der Politik, und was wünschen Sie sich von der künftigen Landesregierung? 

Fecke-Schulte: Als Hersteller für Investitionsgüter in der Medizintechnik sehen wir die Landesregierung in der Pflicht, ihrem Auftrag zur Beteiligung an den Investitionskosten nachzukommen. Es herrscht weiterhin Investitionsstau in den Kliniken und das DRG-System ist nicht das Finanzierungssystem, aus dem heraus allein unsere Krankenhäuser sich dauerhaft refinanzieren können. Insbesondere die aktuellen akuten Preissteigerungen müssen sich auch hier schleunigst niederschlagen und zur Erhöhung des Landesbasisfallwertes führen. 

Vielen Dank, Frau Fecke-Schulte, für Ihre Einschätzungen!

Weitere Information: Condor® MedTec GmbH