Zur Zukunft der Medizinbranche

Bad Oeynhausen. Launig und eindringlich referierte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Donnerstagabend über die Gesundheitsversorgung der Zukunft. Seine Hauptthemen: Fachkräftemangel und Ausbildung. „Das Personalproblem kann man nur durch Ausbildung lösen. Und nicht dadurch, dass man Ärzte und Pflegepersonal aus dem Ausland holt“, fand der Minister vor den 180 geladenen Gästen im Oeynhausen-Saal deutliche Worte.

Der Minister und die Organisatoren: Johannes Fründ (v. l.), Manfred Volkmann, Katharina Schrammen, Karl-Josef Laumnann und Andreas Kämmerling. Foto: Nicole Bliesener | © g

Zu der Veranstaltung im Kaiserpalais hatte das Freiberuflercenter der Volksbank Bad Oeynhausen-Herford geladen. „Eigentlich sollte Minister Laumann schon vor zwei Jahren bei uns sprechen, doch damals musste er kurzfristig absagen“, sagt Volksbank-Vorstandssprecher Andreas Kämmerling bei der Begrüßung des Fachpublikums – bestehend aus Ärzten und Apothekern.

Laumann spannte den Bogen von der guten wirtschaftlichen Lage, dem Kampf der Branchen um den Nachwuchs, dem Hausärztemangel, dem Fachkräftemangel in den Krankenhäusern, der Anzahl und Ausstattung von Pflegeschulen bis hin zu seiner Vorstellung von einer Krankenhausstrukturreform.

„In NRW hören jährlich 450 Hausärzte auf und nur jeder zehnte Medizinstudent wird Hausarzt. Keine Region ist vom Ärztemangel so bedroht wie OWL“, machte Laumann deutlich. Und das, obwohl die Region zu den wirtschaftlich stärksten in NRW gehöre. Im Wettbewerb um die guten Kräfte konkurriere der Gesundheitssektor mit allen anderen Branchen. Um mitzuhalten „muss die Gesundheitsbranche attraktiv sein“, so der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales.

In NRW gebe es 2.000 Medizinstudienplätze, „wir brauchen aber mehr“, fordert Laumann. Mit 80 zusätzlichen Plätzen an der Universität Witten-Herdecke und der Medizin-Fakultät in Bielefeld, die 2022 mit 300 Studienplätzen an den Start geht, sei ein Anfang gemacht. „Das ist auch finanziell eine gewaltige Kraftanstrengung“, so Laumann, „ein Studienplatz an einer Universitätsklinik kostet 250.000 Euro.“ Erste Früchte trüge auch die Landarztquote: 170 Studenten in NRW hätten sich verpflichtet, nach ihrer Ausbildung mindestens zehn Jahre als Hausarzt zu arbeiten.

Als Erfolgsmodell wertete Karl-Josef Laumann auch die Medizinerausbildung an den Mühlenkreiskliniken: „Solange ich was zu sagen habe, wird das Mindener Modell auch geachtet.“

Verbessert stelle sich die Situation in der Altenpflege dar, hier habe sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Auszubildenden verdoppelt. „Allerdings reicht das kaum, um den Personalschlüssel in den Einrichtungen zu halten“, sagt Laumann. Denn jedes Jahr würden allein in NRW 3.000 Menschen zusätzlich pflegebedürftig.

Harsche Kritik übte Laumann am bürokratischen Tauziehen zwischen den Bundesländern, etwa bei der Anerkennung von Schulabschlüssen und Fachweiterbildungen. „Es kann nicht sein, dass ein OP-Pfleger aus Baden-Württemberg in NRW von Behörde zu Behörde laufen muss, um seine Weiterbildung anerkennen zu lassen und dann auch noch 200 Euro Gebühren zahlen muss“, sagte Laumann. „Ebenso geht es nicht, dass ein Österreicher erst zu einem Sprachtest muss“, wetterte Laumann. „Wir brauchen eine Willkommenskultur – auch in unseren Behörden.“

Von elementarer Bedeutung für die Gesundheitsversorgung der Zukunft sei eine moderne Krankenhausstruktur. „Wir haben seit Jahrzehnten keine Krankenhausplanung mehr“, so der Minister. Der Weg in eine moderne Medizin funktioniere nicht ohne Spezialisierung in Zentren. Als Beispiel führte er das HDZ an, das biete Spitzenmedizin für ganz NRW. „Ich will diese Zentren. Krankenhäuser in einer Region müssen sich absprechen: Wer macht was?“

Quelle: Neue Westfälische (17.03.19)