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RV Fit stärkt Gesundheit Prävention statt Krankheit

Die Gesundheitswirtschaft ist eine tragende Säule des Wirtschaftsstandorts Bielefeld. Meist stehen dabei Kliniken, Pflege, Medizintechnik oder Forschung im Mittelpunkt. Doch Gesundheit beginnt nicht erst mit akutmedizinischer Versorgung, sondern bereits am Arbeitsplatz. Mehr als 20 Krankheitstage pro Beschäftigtem und Jahr sind bundesweit die Regel in Unternehmen. Rückenbeschwerden, chronische Erkrankungen oder psychische Belastungen entwickeln sich oft über Jahre und werden häufig erst behandelt, wenn die Arbeitsfähigkeit bereits eingeschränkt ist. Warum investieren wir Milliarden in die Behandlung von Krankheiten, aber vergleichsweise wenig in ihre Vermeidung? Genau hier setzt RV Fit an – das Präventionsprogramm der Deutschen Rentenversicherung. 

Das kostenfreie Programm richtet sich an sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die aktiv etwas für ihre Gesundheit tun möchten oder erste körperliche „Zipperlein“ beziehungsweise psychische Belastungen verspüren, aber noch keine Rehabilitation benötigen. Ziel ist es, die körperliche und mentale Gesundheit zu stärken und die Erwerbsfähigkeit möglichst langfristig zu erhalten. Die Deutsche Rentenversicherung übernimmt sämtliche Kosten der Maßnahme und unterstützt bei den Fahrtkosten. In Bielefeld werden die ganztägige Start- und Abschlussphase von RV Fit ausschließlich im ZAR – Zentrum für ambulante Rehabilitation – angeboten. „Mit RV Fit bringen wir Menschen nicht erst nach einer Operation oder einem Unfall wieder in Bewegung. Wir setzen deutlich früher an – genau dann, wenn Prävention noch besonders wirksam sein kann“, erklärt Frank Terpoorten, seit 2024 Ansprechpartner für das Programm. 

Drei Säulen: Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung 

RV Fit ist über einen Zeitraum von sechs Monaten angelegt. Im Mittelpunkt stehen die drei Säulen Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung. Kraft- und Ausdauertraining gehören ebenso dazu wie ergonomische Beratung, Ernährungscoaching und Entspannungsübungen. „Ob Aquafitness, Faszientraining, Rückenschule oder Nordic Walking – hier gibt es vielfältige Angebote. Wichtig ist, dass die Teilnehmenden etwas finden, das ihnen Spaß macht. Das erhöht die Chance, dass sie dabeibleiben. Es ist ein Programm gegen das Sofa-Tier“, lacht Frank Terpoorten. Denn Ziel sei es, gesundheitsfördernde Gewohnheiten zu entwickeln, die auch nach RV Fit Bestand haben.

Teilnehmen können sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die aktiv im Berufsleben stehen und seit mindestens sechs Monaten Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt haben. Wichtig ist nur, dass akut keine schwereren Erkrankungen vorliegen, die im Extremfalle zuletzt bereits eine Reha erforderlich gemacht haben. „Schließlich bedeutet Prävention, der Krankheit zuvorzukommen.“

So läuft's

Den Auftakt bildet im ZAR eine dreitägige Startphase, für die die Teilnehmenden von ihrem Arbeitgeber bezahlt freigestellt werden. Ärztlicher Eingangscheck, Leistungs- und Funktionstests sowie persönliche Beratung bilden die Grundlage für einen individuellen Trainingsplan. Es folgen Kurse und Schulungen zu Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung. Anschließend trainieren die Teilnehmenden zwölf Wochen lang anhand ihres Trainingsplans ein- bis zweimal pro Woche berufsbegleitend. Danach geht es in eine dreimonatige Eigenaktivitätsphase, in der zu Hause die erlernten Techniken umgesetzt werden. Nach einem halben Jahr findet ein eintägiger Auffrischungstag statt, für den die Arbeitnehmenden ebenfalls freigestellt werden. Hier wird Bilanz gezogen, der Gesundheitszustand erneut überprüft und weitere Impulse für den Alltag vermittelt.

Studien mit RV-Fit-Teilnehmenden zeigen, dass viele ihre Arbeitsfähigkeit und gesundheitsbezogene Lebensqualität nach Abschluss des Programms spürbar höher einschätzen. Sie berichten außerdem von einer besseren Stressbewältigung und einem stärkeren Vertrauen in die eigene Fähigkeit, die Gesundheit aktiv zu beeinflussen. Auch sportmedizinische Untersuchungen belegen Verbesserungen etwa bei Beweglichkeit, Rumpfkraft und Gleichgewicht. „Wer sich fitter fühlt, ist auch im Job leistungsfähiger“, so Frank Terpoorten. 

Vier Tage können den Unterschied machen

Vier Tage Freistellung innerhalb eines halben Jahres? Das lässt so manches Unternehmen zögern. Ein Blick auf die Entwicklung der krankheitsbedingten Fehlzeiten relativiert diese Einschätzung jedoch schnell. Rückenbeschwerden und psychische Erkrankungen zählen seit Jahren zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Allein Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychische Leiden verursachen einen erheblichen Teil der Fehltage und damit hohe Kosten für Unternehmen und Sozialversicherungssysteme. „Vier Tage Freistellung wirken zunächst viel. Wenn man sie aber mit je nach Arbeitsfeld mehr als sechs Wochen krankheitsbedingter Fehlzeit pro Beschäftigtem vergleicht, bekommt man eine andere Perspektive. Prävention ist keine Garantie gegen Erkrankungen – aber sie kann dazu beitragen, dass Beschwerden gar nicht erst chronisch werden“, so der RV Fit-Fachmann. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen kann RV Fit eine sinnvolle Ergänzung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements sein. Statt eigene Präventionsangebote aufzubauen, erhalten sie Zugang zu einem professionell begleiteten Programm. In Bielefeld finden sie dafür Strukturen vor, die sie nicht selbst schaffen müssen.

Umdenken gefragt

Noch ist RV Fit vielen Beschäftigten und Unternehmen weitgehend unbekannt. Dabei ist der Zugang sehr einfach: Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann sich direkt online anmelden oder sich zunächst unverbindlich beraten lassen. Eine ärztliche Empfehlung ist nicht erforderlich. Nach Prüfung der Teilnahmevoraussetzungen durch die Deutsche Rentenversicherung kann die Maßnahme starten. „Viele sind erstaunt, dass es ein so umfassendes und vollständig finanziertes Präventionsprogramm überhaupt gibt. Wenn sie erfahren, dass sie einen gesetzlichen Anspruch darauf haben, ist das Interesse meist sofort da“, berichtet der Präventions-Experte. Für ihn steht deshalb nicht nur ein einzelnes Gesundheitsangebot im Mittelpunkt, sondern ein grundsätzliches Umdenken. „Wir investieren in Deutschland enorme Summen in die Behandlung von Krankheiten. Prävention bekommt dagegen oft erst Aufmerksamkeit, wenn Beschwerden bereits da sind. Eigentlich müsste es genau andersherum sein.“

Ein Gedanke, der angesichts einer älter werdenden Erwerbsbevölkerung und steigender Fehlzeiten aktueller kaum sein könnte. Prävention kann Erkrankungen nicht vollständig verhindern. Sie kann aber dazu beitragen, gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen, Beschwerden entgegenzuwirken und die Arbeitsfähigkeit möglichst lange zu erhalten. Genau darin liegt die Idee von RV Fit. 

Damit dieses Umdenken gelingt, braucht es Orte, an denen Unternehmen und Gesundheitswirtschaft ins Gespräch kommen. Einer davon ist das Fachforum „Prävention für gesunde Betriebe OWL“, das ZIG und IHK Ostwestfalen am 12. Oktober gemeinsam in der IHK Bielefeld ausrichten. Es richtet sich an alle, die in ihrem Unternehmen für Betriebliches Gesundheitsmanagement verantwortlich sind, und bietet Impulse aus Forschung und Praxis für wirkungsvolle und messbare Mitarbeitendengesundheit.


Fachforum: Prävention für gesunde Betriebe in OWL
12.10.2026, 15 bis 18 Uhr, IHK Bielefeld

Anmeldung

 

Frank Terpoorten
rvfit(at)zar-bielefeld.de
0151.46380651

Weitere Informationen

Ein Beitrag der gemeinsamen Initiative „Bielefeld gestaltet Gesundheit“ von WEGE und ZIG.