KI kann auch in der Pflege helfen, Zeit zu sparen. Aber der eigentliche Gewinn ist die menschliche Zuwendung, die dadurch besser ermöglicht wird. Das ist die Bilanz des Forums “KI im Gesundheitswesen”, das zum sechsten Mal in der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld stattfand.
KI-basierte Anwendungen werden auch in der Pflege erfolgreich genutzt, zum Beispiel in der Dokumentation, der Spracherkennung und Übersetzung, bei Bestellwesen oder beim Medikationsmanagement. Auch die Auswertung von Gesundheitsdaten, die Früherkennung von Risiken oder die automatisierte Erstellung von Pflege- und Dienstplänen sind erprobte Anwendungsbereiche für KI in der Pflege.
Die Veranstalter des gemeinsamen Forums, die IHK, der Soziale Zirkel und das ZIG OWL, konnten auch dieses Mal wieder zahlreiche Gäste begrüßen, die sich über die neuesten KI-Entwicklungen im Gesundheitswesen informierten. Gründe dafür, dass auch in der Pflege immer häufiger KI-basierte Anwendungen eingeführt werden, sind komplexer werdende Anforderungen an die pflegerische Versorgung, hoher Dokumentationsaufwand und ein eklatanter Fachkräftemangel. Man gehe von etwa 100.000 fehlenden Fachkräften in der Pflege aus, sagte der Gesundheitsexperte Gerhard Hallenberger, der für den Sozialen Zirkel in die Thematik einführte. Dies werde sich in den kommenden Jahren weiter zuspitzen.
Ziel der KI-gestützten Digitalisierung sei die Entlastung der Pflegenden, betonte Petra Krause, Pflegedirektorin am Evangelischen Klinikum Bethel. Genau darum geht es: Die Pflegekräfte sollen mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten haben. Die KI sei kein Selbstzweck, die persönliche Beziehung zwischen der Pflegeperson und den Patienten könne KI nicht ersetzen: „KI-Anwendungen müssen sich daran messen lassen, ob sie gute Pflege ermöglichen“, sagte die Pflegedirektorin. Wichtig sei, die Systeme so einfach wie möglich zu machen und die Pflegenden mit ihren Erfahrungen bei ihrer Entwicklung einzubeziehen.
Mila Peckmann (Unity AG Büren) stellte beeindruckende Beispiele für KI-basierte Anwendungen vor, die zu Zeitgewinn und Entlastung der Pflegenden führen können. Aber auch angesichts weitreichender Zukunftsvisionen war ihr wichtig, dass die Verantwortung immer beim Menschen bleiben müsse.
Michaela Evans-Borchers, Direktorin des Forschungsschwerpunkts “Arbeit und Wandel” am Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen, lenkte den Blick auf die Veränderungen der Arbeitswelt: Was passiert mit der Zeit, die durch Digitalisierung frei wird? Wird sie genutzt, um Pflegekräfte zu entlasten – oder müssen dieselben Menschen am Ende einfach noch mehr Aufgaben in noch kürzerer Zeit erledigen? Das ist ein erheblicher Unterschied. Ob KI-Anwendungen tatsächlich zur Entlastung des Personals führe, hänge stark davon ab, ob die Systeme wirklich praxistauglich seien. Sprachgestützte Dokumentation etwa führe zwar zu Zeitgewinn, aber darasus könne auch neuer Zeitdruck entstehen. Schulung und Weiterbildung der Mitarbeitenden sei bei der Einführung solcher neuen Systeme von erheblicher Bedeutung.
In der angeregten Diskussion wurde deutlich: Pflege ist eine Profession mit hoher Verantwortung, sie besteht nicht nur aus messbaren Tätigkeiten, sondern auch aus Beobachtung, Kommunikation, Vertrauen und Beziehungsarbeit. Hier liegt die größte Chance: nicht die menschliche Begegnung zu ersetzen, sondern mehr Raum dafür zu schaffen. KI wird weder den Fachkräftemangel lösen noch menschliche Zuwendung ersetzen. Aber sie kann ein Baustein sein – wenn wir die richtigen Fragen stellen. Nicht nur: Was lässt sich automatisieren? Sondern auch: Was soll dadurch besser werden? Und für wen?
