Projektwerkstatt zum Wohl der Patienten

Fortschritt: Das Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL vernetzt Wissenschaft und Wirtschaft. Mit den entwickelten Innovationen soll die Versorgung der Bevölkerung verbessert werden.

Bielefeld. Ein Rollstuhl, der Fahrer eigenständig zum gewünschten Zielort fährt, eine App, die Krankheiten am Gangbild erkennt und digitale Schnittstellen, die Versorgungslücken nach einem Krankenhausaufenthalt schließen. In der Projektwerkstatt Gesundheit 4.0 entwickeln Experten aus OWL Innovationen wie diese, um die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Das Ziel: Impulse zur Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung liefern.

Geben Impulse: Rolf Naumann (FH Bielefeld, v.l.), Annette Nauerth (FH Bielefeld), Uwe Borchers (ZIG OWL), Helene Dörksen (Hochschule OWL) und Jan Schnecke (ZIG OWL). Foto: Andreas Zobe

Zweieinhalb Jahre nach dem Start der Projektwerkstatt hat sich die Gesundheitsregion OWL verändert. Aktuelles Beispiel ist das Netzwerk „Digitale Orthopädietechnik“. Der Verbund aus Medizin, Orthopädietechnik und Forschung entwickelt Prothesen, die denken. „Sensoren in den Prothesen sollen in Echtzeit Daten liefern und die Hilfsmittel revolutionieren“, erklärt Uwe Borchers, Geschäftsführer des Zentrums für Innovation in der Gesundheitswirtschaft (ZIG) OWL. „Das Ziel der Entwicklung von Innovationen in der Gesundheit ist stets die Verbesserung der Patientenversorgung.“

Um das in möglichst vielen Bereichen zu erreichen, arbeitet das ZIG OWL als Entwicklungsagentur für die Region. „Wir wollen die Chancen der Digitalisierung nutzen, um Wachstum und Beschäftigung zu sichern und Innovationen und Projekte zu fördern“, erklärt Borchers. Dafür kooperiert das Zentrum seit April 2016 mit dem Institut für industrielle Informationstechnik der Hochschule OWL sowie dem Institut für Bildungs- und Versorgungsforschung und dem Institut für Systemdynamik und Mechatronik der Fachhochschule Bielefeld.

In der Projektwerkstatt Gesundheit 4.0 vernetzen die Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung Disziplinen, Institute und Experten aus der Theorie und der Praxis. „Unser Ziel ist, die Bedürfnisse von Patienten in die Entwicklung von Innovationen mit einfließen zu lassen“, erklärt Borchers. „Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist wichtig, denn in unterschiedlichen Disziplinen werden unterschiedliche Sprachen gesprochen“, ergänzt Annette Nauerth vom Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit der FH Bielefeld. Insbesondere mit Blick auf technische Entwicklungen für die Gesundheitswirtschaft gebe es Verbesserungsbedarf in der Kommunikation. „Technikentwicklung macht ohne vorangegangene Befragungen der Nutzer keinen Sinn.“

Das beweisen Beispiele aus der Praxis: „In der Altenhilfe werden zum Beispiel Tragehilfen häufig nicht genutzt, weil sie nicht benutzerfreundlich sind“, sagt Borchers. „Um zu verhindern, dass Technik nicht genutzt wird, obwohl sie dringend gebraucht werden, ist es bei der Entwicklung von Innovationen entscheidend, dass die Nutzer miteinbezogen werden“, erklärt Rolf Naumann vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik der FH Bielefeld.

Neben der Hilfsmittelversorgung bildet die Digitalisierung im Krankenhaus einen Schwerpunkt der Projektwerkstatt. „Technik aus der Industrie 4.0 kann auch im Gesundheitssystem von Nutzen sein. Wie zum Beispiel die Sensorik, die die Überwachung der Vitalfunktion von Patienten ermöglicht“, erklärt Helene Dörksen vom Institut für industrielle Informationstechnik der Hochschule OWL. Zudem arbeitet die Forschungsgruppenleiterin mit ihrem Team aktuell an einer App, die Krankheiten am Gangbild erkennt. „Depressive Menschen gehen anders als gesunde Menschen, deshalb bietet diese Anwendung große Möglichkeiten.“ Denkbar sei laut Dörksen auch die Entwicklung einer Sturzprävention.

Quelle: Carolin Nieder-Entgelmeier, Neue Westfälische, 20.09.2018

Förderung und Vernetzung: Die Projektwerkstatt Gesundheit 4.0 ist eines der zehn „OWL 4.0“-Projekte, die vom Land NRW und vom europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert wird. Neben den drei Instituten der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und der Fachhochschule Bielefeld arbeitet das Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL mit 40 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung an innovativen Lösungen für eine bessere Versorgung der Bevölkerung in OWL.