Meilensteine zur Gründung der Medizinischen Fakultät OWL erreicht

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat im Sommer 2017 die Gründung der Medizinischen Fakultät in Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld beschlossen. Zugleich wurde die Universität Bielefeld gebeten, im engen Austausch mit den Ministerien für Kultur und Wissenschaft sowie Arbeit, Gesundheit und Soziales ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten. Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann haben sich heute vor Ort in Bielefeld persönlich über den Fortschritt der Planungen informiert. Dabei zeigte sich: Die Errichtung der Medizinischen Fakultät nimmt bereits deutliche Formen an.

Das Foto zeigt (von links nach rechts): Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld, Professorin Dr. med. Claudia Hornberg, Gründungsdekanin der Medizinischen Fakultät in Bielefeld, Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Foto: MAGS NRW

So hat die Universität den Planungsstand für die Medizinische Fakultät am 24. September 2018 beim Wissenschaftsrat eingereicht. Dieser wird das Konzept nun begutachten und anschließend seine Empfehlungen abgeben. Zudem befindet sich die Medizinische Fakultät seit heute (1. Oktober 2018) auch offiziell „in Gründung“ und hat mit der Gründungsdekanin Professorin Dr. med. Claudia Hornberg und weiteren wissenschaftlich Beschäftigten bereits das erste zugeordnete Personal. Bei ihrem Besuch in Bielefeld sprachen Pfeiffer-Poensgen und Laumann mit dem Rektor der Universität Bielefeld, Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer, sowie weiteren Vertreterinnen und Vertretern der Universität auch über die Überlegungen zum Studienmodell, zum Forschungsprofil und zu Klinikkooperationen sowie über die Planungen auf dem Campus und die Ausschreibung der ersten Professuren. Die Ministerin und der Minister nahmen heute darüber hinaus an der konstituierenden Sitzung des Externen Beirates teil, in dem neben Expertinnen und Experten der beteiligten Ministerien unter anderem auch Vertreterinnen und Vertreter der Ärzteschaft in Westfalen-Lippe und der ostwestfälischen Kommunen Mitglieder sind.

Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales:
„Wir haben in der Vergangenheit in Nordrhein-Westfalen schlichtweg viel zu wenige Medizinerinnen und Mediziner ausgebildet. Für Hausärztinnen und Hausärzte gilt das in besonderem Maße. Die Landesregierung steuert hier konsequent gegen. Die Gründung der Medizinischen Fakultät Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld ist dabei ein ganz zentraler Baustein. Wir werden dadurch mehr Ärzte und – dank des Schwerpunkts in der Allgemeinmedizin – auch mehr Hausärzte ausbilden. Und wir werden sie in einer Region ausbilden, die im besonderen Maße von Unterversorgung bedroht ist. Der sogenannte ‚Klebeeffekt‘ führt am Ende womöglich dazu, dass sich viele der neuen Medizinerinnen und Mediziner hier in der Region niederlassen.“

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur- und Wissenschaft:
„Die Universität Bielefeld hat jetzt konkrete Planungsschritte für den Aufbauprozess der Medizinischen Fakultät OWL vorgelegt. Mit der Veröffentlichung der Ausschreibungen für die ersten Professuren wird ein weiterer wichtiger Schritt getan, um einen in Forschung und Lehre wettbewerbsfähigen Standort der Universitätsmedizin in OWL zu etablieren. Dazu dient auch die bevorstehende Begutachtung durch den Wissenschaftsrat, der wichtige Hinweise zur Weiterentwicklung des Konzepts geben wird.“

Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld:
„Ich bin sehr zufrieden mit dem bisherigen Planungsverlauf. Universität und Landesregierung arbeiten konstruktiv und eng zusammen. Den politischen Auftrag bezüglich Allgemeinmedizin nehmen wir sehr ernst, er findet sich in allen Facetten unserer Planung wieder. Dankbar bin ich dem Medizinischen Beirat für die enge Begleitung. Wir standen in den vergangenen Monaten in Austausch mit Krankenhäusern, Ärztenetzwerken, der Ärztekammer, der Kassenärztlichen Vereinigung und der Politik in der Region. Sie alle haben sich sehr konstruktiv eingebracht. Vielen Dank für diese Unterstützung.“

Wissenschaftsrat begutachtet Konzept und gibt Empfehlungen für weitere Entwicklung
Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung. Er begutachtet in diesem Rahmen auch das noch entwicklungsoffene Konzept der Universität Bielefeld für die Medizinische Fakultät und gibt eine Stellungnahme ab, insbesondere zur Struktur und Leistungsfähigkeit, Entwicklung und Finanzierung. Die Ergebnisse werden die Entwicklung des Aufbauprozesses maßgeblich beeinflussen. Diese Begutachtung ist Teil eines Begutachtungsverfahrens sämtlicher universitätsmedizinischer Standorte in Nordrhein-Westfalen.
Der Studienbetrieb soll im Wintersemester 2021/2022 aufgenommen werden. Im Endausbau (ab 2025) sollen hier bis zu 300 Studierende pro Jahr ihr Studium beginnen.
Zur Finanzierung des Aufbaubetriebs der Medizinischen Fakultät hat die Landeregierung in Absprache mit der Universität Bielefeld Mittel für die nächsten Jahre eingeplant. Die bestehende mittelfristige Finanzplanung des Landes sieht einen Mittelbedarf vor, der von 4,5 Millionen Euro in diesem Jahr in den kommenden Jahren auf 45 Millionen Euro für die Jahre 2021 und 2022 aufwächst. Nach aktuellen Einschätzungen wird dieser für die nächsten Jahre vorgesehene Mittelaufwuchs eine ausreichende Basis für die Aufbauphase darstellen (ohne Investitionskosten, vor allem Gebäude). Im Jahr 2022 wird der Volllastbetrieb noch nicht erreicht sein. Für den Endausbau werden die notwendigen finanziellen Mittel von der Universität im kommenden Jahr ermittelt und mit dem Land geklärt.

Forschungsprofil – interdisziplinär und ausgehend von vorhandenen Stärken
Ein zentraler Teil des Berichts an den Wissenschaftsrat betrifft die Beschreibung des geplanten Forschungsprofils. Dabei geht es um die Frage, wie die Universität Bielefeld einen neuen und relevanten Beitrag im Bereich der hochschulmedizinischen Forschung in Deutschland leisten kann. Ausgehend von den vorhandenen Stärken und Besonderheiten der Universität Bielefeld sowie der Region Ostwestfalen-Lippe wurden zwei Forschungsschwerpunkte identifiziert. Beide Schwerpunkte folgen dem Leitgedanken der Interdisziplinarität und bauen auf eine enge Kooperation der neuen Fakultät mit den bestehenden Fakultäten sowie mit Kliniken und anderen Forschungseinrichtungen auf. Die Forschungsschwerpunkte sollen einen Bogen von Grundlagenforschung bis in die Anwendung in Klinik und dem Bereich niedergelassener Ärztinnen und Ärzte spannen und darüber hinaus mögliche Konsequenzen für das Versorgungssystem in den Blick nehmen. Insbesondere werden die mit ärztlichen Tätigkeiten assoziierten Kompetenzen (zum Beispiel Arzt-Patienten-Kommunikation, Interdisziplinarität, Interprofessionalität) frühzeitig eingebunden, um auf diese Weise auch einen Beitrag zur Aufwertung der hausärztlichen Tätigkeit zu leisten. Im Fokus eines Forschungsschwerpunktes sollen neuropsychiatrische Krankheitsbilder stehen, die sowohl von Prozessen im Gehirn, genetischen Anlagen, aber auch von Umweltbedingungen beeinflusst werden. Der andere Forschungsschwerpunkt soll sich mit Fragestellungen medizinrelevanter Informations- und Kommunikationstechnologien und der Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitsbereich befassen. Perspektivisch sollen zudem weitere Forschungsfelder etabliert werden.

Modellstudiengang – von Anfang an Kontakt mit Patientinnen und Patienten
Die Universität Bielefeld plant, einen Modellstudiengang Medizin aufzubauen. Neben der kontinuierlichen Vorbereitung auf die unterschiedlichen Anforderungen ärztlichen Arbeitens wird im neuen Modellstudiengang die Perspektive der hausärztlichen Versorgung in besonderem Maße Berücksichtigung finden. So sollen die Studierenden regelmäßigen Kontakt mit Patientinnen und Patienten in allgemeinmedizinischen Praxen haben – während des gesamten Studiums und bereits ab dem 1. Semester. Ziel ist es, die Studierenden auch für die hausärztliche Tätigkeit zu interessieren, sie mit Niederlassungsmöglichkeiten in OWL vertraut zu machen und wertvolle Kontakte für die Famulatur (Pflichtpraktikum), das Blockpraktikum, das Praktische Jahr oder die spätere fachärztliche Weiterbildung zu bieten.
Die Inhalte der Grundlagenfächer, die für das medizinische Verständnis notwendig sind, sollen von Beginn an durch Fallbeispiele aus klinischen Fächern, wie beispielsweise der Allgemeinmedizin, Orthopädie, Inneren Medizin und Pädiatrie ergänzt werden. Interdisziplinarität, eine enge Vernetzung mit anderen Berufen des Gesundheitssystems, fachliche Profilierungsmöglichkeiten sowie eine starke wissenschaftsmethodische Orientierung sind weitere Merkmale des Bielefelder Modellstudiengangs.

Personeller Aufbau nimmt Fahrt auf: die ersten acht Professuren werden ausgeschrieben
In dieser Woche erfolgt zudem die Ausschreibung der ersten acht Professuren. Es handelt sich im Bereich der Theoretischen Medizin um die Professuren für „Anatomie“, „Biochemie“ sowie „Physiologie und Pathophysiologie“. Im Bereich der ambulanten Medizin werden die Professuren für „Allgemein- und Familienmedizin“ und „Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Gastroenterologie und Stoffwechselerkrankungen“ ausgeschrieben. Des Weiteren sucht die Universität Bielefeld Professorinnen und Professoren für „Medizindidaktik, medizinische Lehrentwicklung und Ausbildungsforschung“, „Digitalisierung in der Medizin“ und „Interprofessionalität in der Medizin“. Eine wichtige Rolle bei der Besetzung der Professuren spielt der Medizinische Beirat. Dieses Gremium aus ausgewiesenen Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Universitätsmedizin anderer Standorte aus dem gesamten Bundesgebiet berät die Universität bei der Planung und Gründung der Medizinischen Fakultät. Er begleitet auch die Berufungen sehr eng. Noch werden keine klinischen Professuren ausgeschrieben. Diese folgen nach Abschluss der Verhandlungen mit den Krankenhausträgern im Kontext des Universitätsklinikums Ostwestfalen-Lippe.

Universitätsklinikum OWL der Universität Bielefeld: Gespräche mit Krankenhausträgern laufen
Eine wichtige Säule des Medizinstudiums ist die klinische Ausbildung im Krankenhaus. Ein eigenes Universitätskrankenhaus wird die Universität Bielefeld nicht betreiben. Sie wird stattdessen mit verschiedenen Krankenhausträgern der Region kooperieren, die gemeinsam das „Universitätsklinikum OWL der Universität Bielefeld“ bilden werden. Auf der Basis eines Vertragsentwurfs für das zukünftige Universitätsklinikum OWL der Universität Bielefeld werden derzeit Gespräche mit drei Krankenhausträgern (Evangelisches Klinikum Bethel, Klinikum Lippe, Städtisches Klinikum Bielefeld) geführt. Die Gespräche sollen im Laufe des nächsten Jahres abgeschlossen und die nötigen vertraglichen Vereinbarungen unterzeichnet werden. Voraussichtlich ebenfalls im nächsten Jahr sollen zur Verstärkung des universitären Klinikverbunds weitere Kliniken gesucht werden. Sie sollen gemeinsam im Wintersemester 2021/22 die Studien- und Forschungsbetriebe aufnehmen.

Bauplanung: Mehrere Varianten werden aktuell geprüft
Über die konzeptionellen und akademischen Fragen hinaus beschäftigt sich die Universität Bielefeld auch intensiv mit der Frage des Standorts für die zukünftige Medizinische Fakultät. Zentrale Leitplanken für die Planungen sind der enge Zeitplan bis zum Start der Fakultät, das sukzessive Aufwachsen der Fakultät und die aus konzeptioneller Sicht notwendige Nähe zum aktuellen Hauptgebäude. Die Universität hat durch einen Gutachter verschiedene Varianten prüfen lassen, wo die Flächen und Gebäude entstehen können. Diese Varianten werden nun mit der Landesregierung, der Stadt Bielefeld und dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen eingehend erörtert und geprüft, so dass bald eine Entscheidung getroffen werden kann, wie und wo gebaut werden soll. Als Interimsunterbringung steht das aktuell entstehende Innovationszentrum Campus Bielefeld (ICB) zur Verfügung, das spätestens zum Jahresbeginn 2019 von den ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der zukünftigen Fakultät bezogen werden wird.

Quelle: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (Pressemitteilung 01.10.2018)