Mediziner arbeiten Hand in Hand

Kreis Lippe. 120 ambulant tätige Ärzte haben sich in Lippe zusammengeschlossen, um die medizinische Versorgung in der Region sicherzustellen. Das Ärztenetz hat zum Ziel, den Austausch zwischen den Praxen zu fördern und Versorgungsmodelle für die Zukunft zu entwickeln – „Alles im Sinne der Patienten“, sagt Geschäftsführerin Constanze Liebe.

(von links) Dr. Gerhard Nordmann, Dr. Helmut Middeke, Minister Karl-Josef Laumann und Constanze Liebe. Foto: Kirsten Fuhrmann

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann lobte bei einer Feierstunde zum „Zehnjährigen“ die Entwicklung des Ärztenetzes, zeigte in Detmold aber gleichzeitig zukünftige Gefahren auf. Für ihn gehe es darum, die Versorgungsfragen in Lippe langfristig zu lösen. „Die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum wird sich kritisch entwickeln“, sagte er. Das Durchschnittsalter der lippischen Mediziner sei zu hoch, zu wenige neue Ärzte ließen sich in der Region nieder. Die kürzlich beschlossene Landarzt-Quote, könne dem Ärztemangel entgegenwirken.

„Damit will man niemanden unfreiwillig an einen Ort binden“, erklärt Laumann. „Es geht darum, Menschen, die sich das Arztdasein auf dem Land vorstellen können, eine Chance zu geben.“ Die ersten 300 Medizinstudienplätze mit der Verpflichtung, zehn Jahre auf dem Land zu praktizieren, sollen in drei bis vier Jahren an der neuen Fakultät in Bielefeld vergeben werden.

Den überfüllten Arztpraxen, die der Ärztemangel zu Folge hat, wirke man aber schon jetzt entgegen. Digitale Lösungen wie die „App zum Doc“ erleichterten beispielsweise Terminvereinbarungen. Auch Rezepte und Überweisungen ließen sich übers Smartphone bestellen. Verbesserte Strukturen innerhalb der Praxen wirken der Überlastung laut Constanze Liebe ebenfalls entgegen. Daran werde derzeit gearbeitet.

Für Minister Karl-Josef Laumann ist es zudem wichtig, den Patienten Orientierung zu bieten. „In einem immer komplizierter werdenden Medizinsystem ist es unsere Pflicht, die Bevölkerung aufzuklären“, sagt er. Diese Aufklärung müsse digital oder in den Praxen erfolgen. Und nicht nur die Ärzte werden älter, auch die Patienten. Als besonderen Erfolg verbucht der Minister die Palliativmedizin in Lippe, eine ambulante Versorgung sei flächendeckend gewährleistet. Solche Projekte, die die reguläre Gesundheitsversorgung ergänzen, seien aber nur in enger Zusammenarbeit möglich.

Das Klinikum sieht sich dafür verantwortlich, die Versorgungspflicht gemeinsam mit niedergelassenen Ärzten sicherzustellen. „Anfangs hieß es, die Krankenhäuser nehmen den Ärzten die Patienten weg“, sagte Dr. Helmut Middeke, Medizinischer Geschäftsführer des Klinikums. „Mit einer transparenten Kommunikation ist aus diesem Konflikt eine funktionierende Zusammenarbeit geworden.“ Mit Unterstützung der Politik sollen weitere Projekte umgesetzt und das Netzwerk ausgebaut werden. Liebe: „Wir wollen zeigen, dass vernetzte medizinische Versorgung besser für den Patienten und alle Beteiligten ist, als nebeneinander herzuarbeiten.“

Quelle: Lippische Landeszeitung