Medizin-Fakultät gibt Uni neues Gesicht

Bielefeld. Die Neugründung der Medizinischen Fakultät an der Universität wird enorme Auswirkungen haben auf die Stadt, die Hochschule selbst sowie dem Campusgelände. Sichtbar wird das zunächst vor allem durch neue Gebäude. Es gibt mittlerweile konkrete Vorstellungen der Uni-Leitung, wo die entstehen sollen – und wo nicht. So schließt die Uni jetzt – trotz Baufeldern mit Baurecht – eine Expansion südlich der Wertherstraße, neben dem Gebäude des ZiF (Zentrums für interdisziplinäre Forschung) aus. Im Blick sind stattdessen Flächen entlang der Straßen Morgenbreede und Konsequenz südlich des Hauptgebäudes.

Mögliche Veränderung des Campus Bielefeld. Foto: Universität Bielefeld

Wie berichtet hat die Uni klare Pläne. Sie sehen vor, das ICB (Innovationszentrum Bielefeld) vollständig zu übernehmen – „gekauft oder langfristig angemietet“, wie Uni-Sprecher Ingo Lohuis auf Anfrage mitteilt. „Dazu laufen aktuell Gespräche mit der Eigentümerin BGW, der Stadt und dem Land.“ Eine abschließende Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Gut 30.000 Quadratmeter groß ist der Riegel am Eingang der Morgenbreede, ideal für den Start der Fakultät 2021, weil er bald fertig gestellt ist. Aber er ist noch nicht ausreichend für den Vollbetrieb mit etwa 100 Professoren, 500 Mitarbeitern und 2.000 Studenten ab spätestens 2025. Dafür müssen mehr Nutzflächen her. Im Blick ist die Parkfläche neben dem ICB vor den Studentenheimen. Dort könnte ein Neubau anschließen. Weiter soll es gehen auf dem Gelände des heutigen H-Teils der Uni, von wo aus heute die Sanierung des Unihauptgebäudes durch den Landesbetrieb BLB geleitet wird. Damit aber nicht genug: Einige Hundert Meter weiter erforschen Biologen das Verhalten von Tieren in einem sehr in die Jahre gekommenen Betonklotz. Das soll zugunsten eines Neubaus für die Mediziner weichen; die Biologen würden ebenfalls ein neues Domizil erhalten. „Wir brauchen den funktionalen Zusammenhang mit dem Unihauptgebäude, denn Teile der aktuellen Fakultäten wie Biologie, Chemie und Gesundheitswissenschaften werden Beiträge zum Lehrangebot der Medizinischen Fakultät leisten“, erklärt Lohuis. Dafür sei räumliche Nähe nötig. Zugleich schließen sich deswegen andere Optionen aus – etwa ein Fakultäts-Gebäude auf dem Campus Nord. Vom Tisch ist dem Vernehmen nach ebenso eine Verlängerung der Hauptgebäude-Zähne.

Die Uni-Leitung favorisiert für die Medizin-Fakultät eindeutig ein Konzept mit mehreren, nahe beieinander liegenden Bauten. Der Vorteil gegenüber einem einzigen, großen Gebäude liegt auf der Hand: Das Studium könnte im jetzigen, fast fertig gestellten ICB ab 2021 garantiert losgehen, weitere Flächen könnten nach und nach dazu kommen bis 2025 – flexibel und schnell je nach Bedarf. Ein Großneubau für die Fakultät wäre hingegen frühestens 2025 fertig und müsste etwa so groß werden wie die neue Fachhochschule auf dem Campus Nord.

Für die Planungssicherheit gibt es einen weiteren Wunsch: „Die Universität möchte selbst als Bauherrin bei den Neubauten aktiv werden. Auch dazu laufen aktuell die Gespräche“, sagt Lohuis.

Wenn die Ministerien in Düsseldorf mitziehen, könnte noch in diesem Jahr Planungssicherheit und sogar vereinzelt Baubeginn sein. Die Investitionssumme wird auf knapp eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

Vorgesehen ist der Start des Studienbetriebs an der Fakultät mit Schwerpunkt chronische Krankheiten und Behinderungen im Wintersemester 2021/2022 mit 48 Studenten im ersten Semester und 48 Studenten in höheren Semestern.

Quelle: „Medizin-Fakultät gibt Uni neues Gesicht“ (Neue Westfälische, 03.02.2019)