NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann: Modellstudiengänge an der FH Bielefeld weiter fördern

Fachkräftemangel: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) will die Modellstudiengänge an der FH Bielefeld weiter fördern. Der neue Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, fordert perspektivisch eine Bundespflegekammer.

Am Übungsbett: FH-Präsidentin Ingeborg Schramm-Wölk (v. l.), NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, Pflegebeauftragter Andreas Westerfellhaus und Dekan Uwe Rössler. (Foto: Andreas Zobe)

Es ist das sozialpolitische Thema 2018: der Fachkräftemangel in der Pflege. Und OWL ist einer der Hauptaustragungsorte der Debatte. So besuchte die Bundeskanzlerin erst vor wenigen Wochen Altenheimbewohner in Paderborn. Der neue Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung kommt aus Rheda-Wiedenbrück. Und an der Bielefelder FH wird die Pflegeausbildung der Zukunft entwickelt. Die muss jetzt finanziell abgesichert werden.

„Wir können nicht genau beziffern, wie viele Pflegekräfte im Land fehlen, aber wir wissen, dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen jedes Jahr um zwei bis drei Prozent steigt“, sagt Karl-Josef Laumann. Die geburtenstarken Jahrgänge nähern sich der Rente – das mache sich auch in der Kranken- und Altenpflege bemerkbar. Umso wichtiger werde die akademische Ausbildung im Kampf gegen den Fachkräftemangel, findet der NRW-Gesundheitsminister. 

Ähnlich sieht das auch Andreas Westerfellhaus beim Besuch mit Laumann an der Fachhochschule Bielefeld. Noch vor fünf Monaten war er selbst Schulleiter der Zentralen Akademie für Berufe im Gesundheitswesen in Gütersloh. Seit April kümmert sich der Ostwestfale im Namen der Bundesregierung um die Pflege. 

Seit 2010 werden an sieben Hochschulstandorten in NRW Modellstudiengänge erprobt. Die FH Bielefeld ist mit 75 Studienplätzen im dualen Bachelorstudiengang Gesundheits- und Krankenpflege beteiligt. Im Masterstudiengang Berufspädagogik Pflege gibt es 35 Plätze, 70 könnten es sein. Aber dazu braucht es Geld. Woher dies ab dem 1. Januar 2020 kommen soll, ist noch unklar. Dann gilt das neue bundesweite Pflegeberufereformgesetz. Vorteil: Erstmals wird festgelegt, mit welcher Pflegeausbildung welche Tätigkeiten ausgeübt werden dürfen. 

Nachteil: Der NRW-Fonds, der zur Finanzierung eingerichtet wird, darf kein Geld für Studiengänge ausschütten. „Das haben wir jetzt erst festgestellt“, sagt Laumann. „Wir arbeiten an einer Lösung.“ 

Es ist nur ein Punkt auf seiner To-do-Liste. An den Pflegeschulen fehlen Lehrer. Es gibt drei bis vier Mal so viele Bewerber, wie Plätze zur Verfügung stehen. Gleichzeitig ist die Fluktuation in der Branche hoch. Das Pflegestudium sei da vielleicht nicht das dringlichste Anliegen, aber ein wichtiges. Laumann: „Wir sollten die bodenständige nicht gegen die akademische Pflegeausbildung ausspielen.“ Derzeit würden lediglich 0,7 Prozent des Pflegenachwuchses akademisiert. „Aber wenn 60 Prozent eines Jahrgangs in NRW Abitur machen, müssen wir in der Pflege auch für Abiturienten attraktiv sein.“

Westerfellhaus setzt darauf, dass das nächste Pflegestärkungsgesetz Fallpauschalen zugunsten der Pflege anpasst. Laumann will zudem das Altenpflegegesetz überarbeiten und Pflegedienstleitern mehr Entscheidungsfreiheit gegenüber Geschäftsführern geben.

Bessere Karriereaussichten und mehr Macht – akademische Angebote könnten zu einem Imagewandel beitragen, da sind sich beide Politiker einig. „Gerade in NRW hatte die Pflege, häufig übernommen durch Ordensschwestern, lange eine dienende Funktion“, so Laumann. Das Bild müsse sich endlich wandeln. Darum befürwortet der Minister eine Pflegekammer für NRW. Westerfellhaus geht einen Schritt weiter: „Auf lange Sicht brauchen wir sicher eine Bundespflegekammer.“

(Quelle: Miriam Scharlibbe, Neue Westfälische, 31.08.2018)

Weitere Information: „Wir wollen die Pflege zur Profession ­machen“, Pressemeldung der FH Bielefeld