Hilfe im Alter und bei der Pflege

Paderborn. Wer als älterer Mensch alleine zu Hause lebt oder wer einen Angehörigen pflegt, fühlt sich mit seinen vielen Fragen häufig alleine gelassen. Das soll sich nun ändern. Der Kreis Paderborn will ihnen dabei helfen und hat ein neues Angebot ins Leben gerufen, das konkret und vor Ort helfen soll.


Landrat Manfred Müller drückt den Startknopf für mehr Hilfe im Alter und bei der Pflege. Mit dabei (von links) Stephanie Neumann (Caritasverband im Dekanat Büren), Günther Agethen (Sozialamt des Kreises Paderborn), Ulla Hoentgesberg (AWO-Kreisverband), Margot Becker (Sozialamt des Kreises), Patrick Wilk (Caritasverband Paderborn) und Vanessa Kamphemann (Diakonie). Foto: Meike Delang

Für diese Aufgabe hat sich der Kreis mehrere Wohlfahrtsverbände mit ins Boot geholt, die zusammen mit der Pflegeberatung des Kreises kostenlose Sprechstunden in jeder Stadt und Gemeinde anbieten. Durch die Beratung im Zweier-Team – mit einem Pflege-Experten und einem Berater für ergänzende Angebote und Hilfen sowie ehrenamtliche Nachbarschaftshilfen – gibt es erstmals eine Anlaufstelle, an die sich ältere oder pflegebedürftige Menschen sowie Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen mit allen Anliegen wenden können.

„Selbst für Kenner des Systems ist es schwierig, den Überblick darüber zu behalten, welche Angebote es wo gibt und wer für die Kostenübernahme zuständig ist“, weiß Patrick Wilk von der Caritas Paderborn. Deshalb begrüßt er die neue Initiative des Kreises.

Zusammen mit der Caritas Büren, der Diakonie und der Arbeiterwohlfahrt ist die Caritas Paderborn Partner des Kreises im »Kooperationsverbund Alter und Pflege« (KoAP), der eigens für dieses neue Angebot gegründet wurde.

Die Wohlfahrtsverbände bieten an vielen Orten unterstützende Angebote wie Kurzzeitpflege, Hauswirtschaftshilfen oder Mahlzeitendienste an. Beim neuen Beratungsangebot informieren sie alle Ratsuchenden aber neutral und über die Grenzen der eigenen Verbände hinaus. »Vorher mussten die Bürger alle Anbieter und Verbände abtelefonieren, um einen Überblick über das Angebot vor Ort zu bekommen. Dazu kommen dann noch viele ehrenamtliche Initiativen und Zusammenschlüsse, die zusätzlich recherchiert werden mussten. Durch diese unübersichtliche Angebotslage sind bisher viele wichtige Hilfen nicht bei den Menschen angekommen«, verdeutlicht Margot Becker, Sozialplanerin im Sozialamt des Kreises Paderborn.

Ein weiterer großer Vorteil sei, dass die Sprechstunden des »KoAP« in jeder Stadt und Gemeinde an zentralen, barrierefreien Orten stattfinden. „Für Bewohner der dörflichen Bezirke ist Paderborn häufig zu weit weg“, weiß Stephanie Neumann vom Caritas-Verband Büren. Damit steige auch die Hemmschwelle, die dort bereits existierenden Angebote, wie die Pflegeberatung des Kreises, aufzusuchen.

Auch Nachbarkreise zeigen Interesse

Mit dem KoAP ist auch eine Anlaufstelle geschaffen worden, für Menschen, die sich gerne ehrenamtlich engagieren möchten, bisher aber nicht wussten, wo und wie. Nun können sie sich an die Anlaufstelle wenden und bekommen Möglichkeiten, den Menschen in ihrer Nachbarschaft zu helfen. Dass ein Kreis zusammen mit Wohlfahrtsverbänden einen Trägerverbund bildet, um Beratungsangebote für Pflege und das Leben im Alter flächendeckend anzubieten, ist bisher einzigartig. »Das Modell ist bereits auf großes Interesse in den Nachbarkreisen in OWL gestoßen«, freut sich Landrat Müller. Demnächst wird es daher den Sozialdezernaten der anderen Kreise als Projektidee vorgestellt. Schließlich stehen alle vor gleichen Problem: Die Gesellschaft wird älter, die Menschen leben länger im eigenen Zuhause und brauchen Zugang zu den Informationen und Angeboten.

Zu den Sprechzeiten werden Bürger nun kostenlos über soziale Leistungen bei Pflegebedürftigkeit und ihre Finanzierungsmöglichkeiten beraten sowie bei der Antragstellung unterstützt. Zudem erhalten sie Informationen über lokale Angebote zur sozialen Teilhabe wie Sport, Kultur, Begegnungstreffs, zu alltagsunterstützenden Hilfen wie Entlastungs- und Betreuungsdienste oder Hauswirtschaftshilfen und zu ehrenamtlichen Hilfen. Ansprechpartnerin beim Kreis Paderborn ist Meike Delang, Telefon 05251/ 308-9201.

Quelle: Westfalen-Blatt Online (04.02.2019)