Foresight Meeting „Digitale Orthopädie“

Foresight Meeting „Digitale Orthopädie“ – Projektwerkstatt Gesundheit 4.0

Bielefeld, 22. März 2018

Wer bei dem Stichwort Orthopädietechnik vor allem an Gehhilfen oder Bandagen denkt, der denkt nicht an die 19 deutschen Medaillen der Paralympics 2018. Nicht nur Handarbeit und Erfindergeist sind in der Orthopädie-Technik gefragt, derzeit hält die Digitalisierung Einzug in das Branchengeschehen.

Was sind die Herausforderungen in der Orthopädietechnik, welche neuen Produkte und Dienstleistungen entstehen durch die Digitalisierung, und wie können sich Klein- und mittelständische Unternehmen im Wandel positionieren? Diese Fragen diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Unternehmen der Region beim Foresight Meeting „Digitale Orthopädie“ am 22. März 2018 im ZIG.

V.l.: Stefan Girke (Sanitätshaus Mitschke), Uwe Borchers (ZIG), Dr. Britta Schramm (Uni PB), Michael P. Winkler (CBT), Florian Kreker (ZIG).

Dr. Ing. Britta Schramm von der Fachgruppe Angewandte Mechanik der Universität Paderborn stellte die Forschungsansätze in der modernen Orthopädietechnik vor: Die additive Fertigung ist prädestiniert für die Individualisierung der Produkte. Das Produzieren von Prothesen über 3D-Drucker mithilfe digitaler Patientendaten schafft Designfreiheit und effektiven, biokompatiblen Materialeinsatz bei steigender Qualität. Dies gilt in der virtuellen Operationsplanung, für Hüft- und Fußprothesen oder individuelle Essenshilfen.

Vertriebsleiter Stefan Girke aus dem Mitschke Sanitätshaus in Gütersloh sieht in der digitalen Unterstützung der handwerklichen Fertigung von Medizinprodukten großes Innovationspotential. Girke betonte, dass digitale Fertigungsschritte auch die Attraktivität des Ausbildungsberufes OrthopädietechnikerInnen steigern. Zudem könne der Facharbeitermangel durch den Einsatz neuer Techniken reduziert werden, und Digitalisierung trage dazu bei, junge und technikbegeisterte Menschen für den Beruf zu interessieren.

Michael Paul Winkler von der Firma CBT (Cognitive Behavourial Counselling) gab einen Ausblick auf Neuerungen im Bereich der Apps für Organisation und Produktion. Als Beispiel zeigte er die Neuro-Exo-Armorthese, ein modulares Schulter-Ellbogen-Hand-Exo-System mit Steuerung zur Unterstützung des menschlichen Arms. Das im Testverfahren befindliche Produkt wird in der Verknüpfung von Muskelsignalen und Virtual Reality erprobt. Winkler sieht die digitale Orthopädie als große Bereicherung: „Man muss nur anfangen sie umzusetzen“.

In der anschließenden Diskussion regten die Expertin eine stärkere Vernetzung von Orthopädietechnikern mit den Hochschulen an: Digitale orthopädische Innovationen böten das Potential, dass die Handwerksbetriebe der Region sich zukunftsfest aufstellen.

Die Foresight Meetings sind Expertengespräche der Projektwerkstatt Gesundheit 4.0.