Ethik der modernen Medizin

Wieviel Technik ist sinnvoll – wie viel Behandlung können wir uns leisten? Das war Thema des 10. Gesundheitspolitischen Forum. PD Dr. med. Fred Salomon, Theologe und Chefarzt des Klinikums Lippe, zeigte das Dilemma ärztlichen Handelns auf: „Je mehr wir können, desto mehr sind wir gezwungen zu entscheiden“. Pastor PD Dr. Udo Krolzik, Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Johanneswerks in Bielefeld, riet dazu Standards für ethische Entscheidungen zu entwickeln.

Eine intensive Diskussion gab es zur Frage, ob die Ethik in der Medizin ökonomisiert wird. PD Dr. med. Fred Salomon zeigte auf, dass die Leistungsfähigkeit der Medizin dazu führt, dass der Beruf des Arztes heute das höchste Prestige in Deutschland genießt. Manch einer sei fasziniert darüber, was er als Arzt zu leisten vermag. Salomon zeigte die vielen technischen Errungenschaften in der Medizin in den vergangenen hundert Jahren auf und verwies auf die Konsequenz: „Je mehr wir können, desto mehr sind wir gezwungen zu entscheiden.“ Dieser Zwang zur Entscheidung sei nicht immer mit der Würde des Menschen vereinbar. Oft bringt sie eine Vertrauenskrise zwischen Arzt und Patient mit sich. „Inzwischen stoßen wir zudem an Grenzen, weil etwas nicht mehr bezahlbar ist“, so Salomon. Auch gerade durch die Faszination und das Können sind unserer Gesellschaft Grenzen gesetzt. So überleben viele Menschen zwar schlimmste Krankheiten und Eingriffe, bleiben aber schwer geschädigt. Die ökonomische Sicht laute: „Wer früher stirbt, kostet weniger!“ Salomons persönliches Fazit lautete: Nicht nur die kurative Medizin, sondern auch die palliative Medizin und die persönliche Zuwendung muss in unserem Gesundheitswesen und in unserer Gesellschaft einen stärkeren Platz finden.

„Wo setzen wir das Geld, das uns zur Verfügung steht, ein und wie viel technischen Fortschritt – besonders im Bereich der Medizintechnik – können wir uns leisten?“ fragte Pastor PD Dr. Udo Krolzik, Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Johanneswerks in Bielefeld und zweiter Referent des 10. Gesundheitspolitischen Forums. Er forderte, dass die Entscheidungen auf zwei Ebenen fallen müssen, individuell und kollektiv. Krolzik sprach explizit die Rationierung im Gesundheitswesen an und überlegte gemeinsam mit dem Publikum, wie die Mittel im Gesundheitswesen überhaupt gerecht verteilt werden könnten: „Welche organisatorische Unterstützung kann es für die individuelle Entscheidung des Arztes geben?“ Krolzik empfahl, dass bei der Verteilung knapper Ressourcen allgemeine Standards zu definiert werden müssten. Dafür müsse auch ein gesellschaftlicher Konsens gefunden werden.

Das Gesundheitspolitische Forum wird veranstaltet von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld und dem ZIG – Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL . In lockerer Folge werden aktuelle Themen der Gesundheitspolitik vorgestellt und mit ausgewählten Gästen diskutiert. Eingeladen werden die Kooperationspartner der Fakultät und die Mitglieder des ZIG sowie die Netzwerkpartner aus der Gesundheitswirtschaft.