Archiv für das Jahr 2018

Neues Konzept für die Qualitätsbeurteilung von Pflegeheimen

Bielefelder Forschende schließen Projekt zur Neuausrichtung von Qualitätsprüfungen und Qualitätsberichten im Pflegeheimbereich ab

Wer für sich selbst oder für pflegebedürftige Angehörige ein Pflegeheim sucht und sich dabei auch für die Pflegequalität interessiert, war bislang auf die sogenannten Pflegenoten angewiesen. Es gibt nur sehr wenige Heime, die kein „sehr gut“ oder nicht wenigstens ein „gut“ erreichen. Die Durchschnittsnote auf der Bundesebene liegt derzeit bei 1,2. Ende des Jahres 2015 hatte der Bundesgesetzgeber entschieden, die umstrittenen „Pflegenoten“ durch ein neues Konzept zu ersetzen. Unter Federführung des Instituts für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld (IPW) wurde in den vergangenen anderthalb Jahren ein grundlegend neues Konzept für eine realistische Qualitätsbeurteilung entwickelt, das die sogenannten Pflegenoten ablösen soll.

Dr. Klaus Wingenfeld (Foto: Universität Bielefeld)

Mit dem neuen Konzept soll die ursprüngliche Idee, für Qualitätstransparenz in der Öffentlichkeit zu sorgen, umgesetzt werden. Der dafür zuständige Qualitätsausschuss Pflege beauftragte das Bielefelder IPW und das Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (aQua-Institut), das dazu notwendige Entwicklungsprojekt durchzuführen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiteten mit zahlreichen Expertinnen und Experten aus den Reihen der Qualitätsprüfung, der Pflegeheime, der Pflegekassen sowie mit Vertreterinnen und Vertretern der Belange pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehörigen zusammen, um das neue Konzept zu entwickeln. Nun haben sie dem Qualitätsausschuss Pflege ihren Bericht vorgelegt, der eine grundlegende Neuausrichtung der Qualitätsprüfungen und der öffentlichen Qualitätsberichte vorschlägt.

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„Tab in Time“: Roboter unterstützt Tabletteneinnahme

Detmolderin Gabriele Bunse und Udo Voßheinrich von POS Tuning haben einen Roboter entwickelt, der Patienten bei der rechtzeitigen Tabletteneinnahme unterstützt. Die Gesamtentwicklung hat drei Jahre gebraucht, jetzt wird das Gerät getestet.
„Tab in Time“ heißt das Gerät und ist ungefähr so groß wie ein Schuhkarton.
Die beiden Entwickeler haben für das Gerät die Firma AKVIGO gegründet, deren Namen die Abkürzung von Akustische und visuelle Gesundheitsoptimierung ist.
Ein Hilfe zur Selbstbestimmung zu bieten ist ein Ziel dieses Produktes. Gleichzeitig soll die Maschine den Menschen dabei helfen, eine eigene Gesundheitskompetenz zu entwickeln oder zurück zu erlangen. Und sie soll Pflegedienste beziehungsweise Angehörige und Solidarkassen entlasten.
Für Voßhenrich ist das eine gute Weiterentwicklung des 4.0-Gedankens (Internet der Dinge) und der ostwestfälisch-lippischen Wirtschatsinitiative „It’s OWL“. „Es zeigt die technische Kompetenz der Region“.

Einmal ausprobieren: Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl (links) und Uwe Borchers (rechts), der Geschäftsführer des Zentrums für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL, lassen sich von Udo Voßheinrich und Gabriele Bunse erklären, wie die automatische Medikamentengabe funktioniert. Bei Grün ist es Zeit, die Medikamente zu nehmen. Foto: Astrid

So funktioniert „Tab in Time“
Herzstück von „Tab in Time“ ist eine Technik, die in zwei Reihen fünf Becher für Tabeletten und fünf für jeweils 0,2 Liter Wasser bereithält. Ein Pflegedienst befüllt aus einem neu entwickelten Medikamententräger alle fünf Becher mit Tabletten und programmiert den Computer. Zu den festgelegten Zeiten ertönt eine Musik oder eine Ansage, zudem leuchtet 15 Minuten vor der Einnahmezeit ein grüner Smiley auf dem Bildschirm. Werden Tablette- und Wasserbecher entnommen, rutscht das nächste Pärchen vor, der Smiley wird rot, die Anlage veriegelt sich wieder. Bleiben die Becher im Gerät, wird der Patient binnen 15 Minuten zweimal erinnert. Danach wird eine SMS an den Pflegedienst oder Verwandete ausgelöst.

So geht es weiter
Die Firma AKVIGO will „Tab in Time“ auf den Markt bringen. Derzeit wird an der Zertifizierung des Roboters gearbeitet. Dazu gehören Studien, die laut Gabriele Bunse mit geriatrischen Kliniken in der Regionen gemacht werden sollen. Am 10. September gibt es einen Termin im Gesundheitsministerium. Dort werden „Tab in Time“ und auch die Tablettenlogistik vorgestellt. Regierungspräsidentin Marianne Thomas-Stahl zeigte großes Interesse an der Entwicklung, ihre Behörde, die Bezirksregierung, soll prüfen, welche Genehmigungen für die einzigartige Neuentwicklung notwendig sind.

Presseartikel der Neuen Westfälischen: Tab in time Tabletteneinnahme Pflege Voßhenrich 2018-05–05-07-24

Werkstattgespräch: Geistig behindert im Krankenhaus – Risiko einer Fehlversorgung

Bielefeld. In Krankenhäusern, speziell in den Notaufnahmen, wird oft unter großem Zeitdruck gearbeitet. Wenn ein Mensch mit geistigen Behinderungen eingeliefert wird, kann er die Abläufe schon einmal kräftig durcheinander wirbeln.
Und wenn er sich nicht äußern kann oder diagnostische oder therapeutische Maßnahmen verweigert, können »Fehlversorgungen« die Folge sein, sagt Kathrin Bücker.

Diskutierten über die Akutversorgung von Menschen mit geistiger Behinderung: von links Dr. Georg Becker, Kathrin Bücker, Uwe Borchers, Dr. Jörg Stockmann, Angelika Gemkow und Sozialdezernent Ingo Nürnberger.  Foto: Schulze

Sie ist Geschäftsführerin des Vereins »Gemeinsam Wohnen« und war eine der Teilnehmerinnen bei einem Werkstattgespräch, zu dem Sozialdezernent Ingo Nürn-berger eingeladen hatte. Das Thema: Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen im Krankenhaus.

»Ein bis drei Prozent der Bevölkerung haben eine geistige Behinderung«, sagt Dr. Jörg Stockmann vom Zentrum für Behindertenmedizin im Evangelischen Klinikum Bethel, genauer: im Krankenhaus Mara. Diese Menschen sind überproportional häufig im Krankenhaus, weil sie oft noch andere Erkrankungen haben, häufig unsicher gehen und sich deshalb eher etwas brechen.

„Wir haben jedes Jahr im Mara 1000 stationäre Fälle“, sagt Stockmann. Dort haben Ärzte und Pflegepersonal hinreichend Zeit und Ruhe für ihre besonderen Patienten und die „Einstellung“ zu ihnen. In anderen Krankenhäusern sieht es oft anders aus. „Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen können eine Notfallaufnahme oder auch eine Station an ihre Grenzen bringen“, weiß Stockmann. Das ist nicht Renitenz, sondern oft die Unfähigkeit sich auszudrücken oder Sprachlosigkeit. Ein erhobener Arm kann etwa ja, nein, gut, schlecht oder Schmerz bedeuten. Mancher hat seine eigene Sprache, die sich Fremden kaum erschließt. Ebenso ist möglich, dass ein geistig beeinträchtigter Mensch mit einem gebrochenen Arm ins Krankenhaus kommt, aber nicht sagt, dass sie Epilepsie oder noch andere Probleme haben, erklärt Bücker. Denn schließlich schmerzt jetzt ja nur der Arm… Weiterlesen

„Schlaganfall-Lotsen“ helfen auch im St.-Vincenz-Krankenhaus

Im St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn ist das Projekt »Schlaganfall-Lotsen« gestartet. Damit sollen betroffene Patienten auch nach ihrem Krankenhausaufenthalt optimal weiter betreut werden.

Dr. Ulli Polenz (Kassenärztliche Vereinigung), Schlaganfall-Lotse Heinrich Keller, Prof. Dr. Thomas Postert (Chefarzt der Klinik für Neurologie), Schlaganfall-Lotsin Jennifer Mertin und Projektleiter Dr. Georg Galle (von links) wollen Patienten optimal betreuen. Quelle: Westfalen-Blatt

Heinrich Keller und Jennifer Mertin sind hauptamtlich als Lotsen für die Aufnahme der Patienten in das Programm auf der Stroke Unit, der Spezialabteilung zur Diagnostik und Behandlung von Schlaganfällen, zuständig. Zwei Drittel aller Betroffenen sind nach einem Schlaganfall auf eine dauerhafte Unterstützung und Pflege angewiesen. Für sie und deren Angehörige ist dies ein schweres Schicksal – denn nicht nur körperliche Schäden können die Folge sein, sondern auch seelische.
»Viele Betroffene fallen nach einem Schlaganfall in ein tiefes Loch. Um dies möglichst zu verhindern, begleiten wir Patienten ein Jahr lang nach der Entlassung. Unser Ziel ist es, einen zweiten Schlaganfall zu verhindern«, berichtet Heinrich Keller, der zuvor als Schichtleitung in der Stroke Unit tätig war. »Bei diesem Projekt arbeiten wir sehr nah am Patienten. Daher liegt es uns besonders am Herzen.

Für Betroffene und deren Angehörige sind die Lotsen eine große Stütze: Sie terminieren Arztbesuche, stehen beratend zur Seite, beantragen Hilfsmittel oder suchen nach einem geeigneten Pflegedienst. »Dabei ersetzen wir keinesfalls den Besuch und den Rat des Hausarztes, sondern sehen uns als eine hilfreiche Ergänzung, wovon alle Beteiligten profitieren«, sagt Mertin, ehemalige Ergotherapeutin in der Neurologie.
Gerade im ersten Jahr nach einem Schlaganfall müssten umfangreiche Behandlungen stattfinden. »Die Schlaganfall-Lotsen sind gerade in den Regionen, wo die Zahl der Hausärzte weiter sinkt, eine willkommene Unterstützung. Die Hilfe durch die Lotsen wird eine Bereicherung für die Patienten sein«, sagt Dr. Ulli Polenz, Leiter der Bezirksstelle Paderborn der Kassenärztlichen Vereinigung.

In Ostwestfalen-Lippe erleiden bis zu 7000 Menschen jährlich einen Schlaganfall. Die Stroke Unit des St.-Vincenz-Krankenhauses versorgt pro Jahr 1200 Patienten. Davon sollen in zwei Jahren 400 Patienten durch Lotsen unterstützt werden. »In dieser Form ist das Pilotprojekt in Deutschland einzigartig. Viele Neurologen beneiden uns um die Schlaganfall-Lotsen«, berichtet Prof. Dr. Thomas Postert, Chefarzt der Klinik für Neurologie. Er setzt sich gemeinsam mit seinem Team schon seit vielen Jahren für die Schlaganfallaufklärung ein, bietet Vorträge und Aktionstage an. Für sein besonderes Engagement prämierte die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe Prof. Dr. Postert im Jahr 2016 mit einem Motivationspreis.

Quelle: Westfalen-Blatt

Weitere Informationen zum Projekt Stroke OWL finden Sie hier: STROKE OWL 

Mit neuem Denken zu mehr Lebensqualität in Kliniken und Pflegeheimen

Partner der Projektwerkstatt Gesundheit 4.0 festigen ihre Zusammenarbeit: Stiegelmeyer kooperiert mit dem Institut ISyM der Fachhochschule Bielefeld

Junge Menschen forschen, um die Genesung und Lebensqualität in Kliniken und Pflegeheimen zu fördern: Darum geht es in der neuen Kooperation zwischen der Firma Stiegelmeyer aus Herford und dem Institut für Systemdynamik und Mechatronik (ISyM) der Fachhochschule Bielefeld. Beide Partner starteten jetzt eine dreijährige Zusammenarbeit. Stiegelmeyer unterstützt die Forschungen des Instituts mit einem sechsstelligen Betrag, beteiligt sich aktiv an der Beantwortung zentraler Forschungsfragen rund um neuartige Technologien im Bereich Pflegebetten und ermöglicht die gemeinsame Betreuung von Bachelor- und Masterarbeiten der Studierenden in diesem Bereich. Die Stiegelmeyer-Gruppe ist der führende deutsche Hersteller von Betten für Krankenhäuser, Senioreneinrichtungen und die häusliche Pflege. Angesichts der großen Herausforderungen in der Pflege werden auch die Anforderungen an die Betten weiter steigen. Betten sollen möglichst selbstständig zu einer optimalen Lagerung und Mobilisierung der Patienten beitragen, um die anstrengende Arbeit des Personals zu erleichtern. Zugleich bietet die Digitalisierung neue Chancen, um die Betten einfacher zu verwalten.

Kooperationsmitglieder (v.l.): Olaf Steuernagel, Prof. Dr.-Ing. Rolf Naumann, Peter Minnig, Prof. Dr.-Ing. Joachim Waßmuth, Prof. Dr. Axel Schneier, Tobias Ehlentrup. Foto: Stiegelmeyer

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Projektwerkstatt Gesundheit 4.0: Pflegebett der Zukunft im Schaufenster

Im neuen Onlineschaufenster der Projekt Projektwerkstatt Gesundheit 4.0 präsentiert die Firma Hermann Bock GmbH das Pflegebett von morgen.

Mit der Alterung der Bevölkerung steigt die Nachfrage nach professioneller Pflege zeitgleich mit dem Mangel an Pflegefachkräften. In der Pflege bedeutet dies eine Reduktion der Arbeit am und mit den Menschen. Das Pflegebett von morgen setzt hier an. Mit Unterstützung verschiedener Sensoren werden Pflege, Therapie und Prophylaxe unterstützt. Diese messen Druck, Feuchtigkeit und Vitalfunktionen der Bewohnerinnen und Bewohner und leiten sie in Echtzeit zielgerichtet an die Pflegenden weiter. Die Hermann Bock GmbH bietet damit eine innovative technologische Unterstützung für die Pflegenden.

Das Onlineschaufenster kann online besucht werden: Schaufenster Gesundheit 4.0. Zusätzlich werden für Gruppen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik geführte Präsentationen durch das reale Schaufenster der Hermann Bock GmbH in Verl angeboten. Anmeldungen: Besuchermanagement OWL Arena 4.0 | Tel: 0521 96733-285 | besucherfuehrung [at] owl-morgen.de.

Weitere Information: info [at] zig-owl.de

Mobile Patientenakte am Klinikum Bielefeld eingeführt

Bielefeld. Bis Mitte 2019 sollen am Klinikum Bielefeld an allen drei Standorten (Mitte, Rosenhöhe, Halle) digitale Visitenwagen und iPads zum Einsatz kommen. Ziel der Digitalisierungsstrategie ist die mobile Patientenakte. Papier hat dann ausgedient.

Wenn Schwester Silvia Maric auf der onkologischen Station 5.3 im Bettenturm des Klinikums an der Teutoburger Straße morgens früh bei den Patienten Puls, Blutdruck und Temperatur misst, dann vermerkt sie die Ergebnisse in ihrem iPad, einem handlichen Tabletrechner. »Früher hatten wir viel mehr Papierkram«, ist sie froh über die neue Art der Datenerfassung.
Die »5.3« ist eine von fünf Stationen des Klinikums, auf denen die neue Technologie zurzeit erprobt wird. Die von Schwester Silvia aufgenommenen Werte fließen ein in die mobile elektronische Patientenakte. »Alle Patientendaten sofort und überall verfügbar – das ist unser Ziel«, sagt Martin Heppe. Der gelernte Krankenpfleger und studierte Gesundheitsmanager ist Projektleiter für die digitale Pflegeplanung. Für die komplette Umstellung auf »digital« sind im Klinikum zehn Jahre angesetzt. In der ersten Phase stehen 3,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Computer statt Hängeregister: Martin Heppe an einem der neuen Visitenwagen. Foto: Mike-Dennis Müller

Der digitale Visitenwagen

Neben den iPads sind digitale Visitenwagen auf den Stationen augenfällige Zeichen der Veränderung. Sie sind im Prinzip Rechner und Bildschirm auf Rollen. Die Stromversorgung läuft über Akkus. Ob es sich um die Krankengeschichte, dringend benötigte Laborwerte oder angeforderte Röntgenbilder handelt – die neuen Visitenwagen sind in der Lage, Ärzten und Pflegpersonal die für die Behandlung des Patienten notwendigen Informationen umgehend zur Verfügung zu stellen. »Mit WLAN kein Problem«, sagt Jochen Düsterhaus, Administrator für klinische Anwendungen in der IT-Abteilung des Klinikums.

Wenn sich der Chefarzt, Ober- und Assistenzärzte zur täglichen Visite aufmachen, dann können auch bei dieser Gelegenheit Patientendaten schnell und einfach erfasst werden, und zwar direkt am Bett des Patienten. Auch ein Diktiersystem ist integriert. Ein nachträgliches Umtragen medizinischer Daten ist nicht mehr erforderlich. »So wird auch das Risiko von Übertragungsfehlern ausgeschlossen«, erläutert Martin Heppe. Über das hausinterne Datennetz sind die eingetragenen Daten sofort jeder Pflegefachkraft und jedem Arzt zugänglich.

Bevor die neue Technik zum Einsatz kommt, werden alle Mitarbeiter geschult. Heppe und Düsterhaus berichten übereinstimmend, dass auf mancher Station, auf der die mobile Patientenakte eingeführt werden soll, zunächst auch Vorbehalte gegenüber der neuen Technik abgebaut werden müssten. »Doch nach gewisser Zeit erkennen die Nutzer die Vorteile«, sagt Düsterhaus.

Ein komplettes „Patienten-Tagebuch“

Einer dieser Vorteile ist ein komplettes »Patienten-Tagebuch«, wie es Düsterhaus formuliert. Alle Daten sind zentral an einer Stelle zusammengefasst, alles ist dokumentiert von der Dosierung der verabreichten Medikamente über die Physiotherapie-Termine bis hin zum Arztbrief, den der Patient nach der Entlassung für den Hausarzt mit auf den Weg bekommt. Und muss dieser Patient nach einer Weile doch wieder ins Krankenhaus zurückkehren, dann hilft die digitale Akte ein weiteres Mal, kann schnell eingesehen werden, welchen Operationen oder Therapien vorausgegangen waren.

Besteht nicht die Gefahr eines allzu gläsernen Patienten? »Für den Umgang mit den erfassten Daten gibt es strenge Auflagen«, betont Heppe. Und eines taugt nun nicht mehr als Ausrede, wenn etwas nicht geklappt hat: die unleserliche Handschrift, »Markenzeichen« vieler Ärzte.

Quelle: Westfalen-Blatt

Sachverständigenrat: 70 Empfehlungen für eine bessere Versorgung

Berlin. Geht es nach dem Sachverständigenrat Gesundheit, soll sich die Gesundheitsversorgung in Deutschland in absehbarer Zeit spürbar verändern. Eine Reihe von Maßnahmen soll die Basis für eine sinnvoll gestufte Versorgung schaffen – etwa: mehr hausarztzentrierte Versorgung, die Beseitigung von Niederlassungshindernissen, eine prospektive und sektorenübergreifende Bedarfs- und Angebotsplanung sowie eine qualitativ hochwertigere Weiterbildung junger Mediziner als heute.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen beim Bundesgesundheitsministerium um Professor Gabriele Meyer (v.l.), Professor Marion Haubitz, Professor Eberhard Wille, Professor Ferdinand Gerlach, Professor Petra Thürmann, Professor Wolfgang Greiner und Professor Jonas Schreyögg, stellt das Gutachten «Bedarfsgerechte Steuerung der Gesundheitsversorgung» vor. Foto: Jörg Carstensen / dpa

Gleichzeitig sollen Kapazitätsabbau und -anpassung im stationären Sektor weiter vorangetrieben werden. Versorgungsdefizite, und wie man sie beheben könnte, analysiert das neue Gutachten des Sachverständigenrats, das die Gesundheitsweisen am Montag an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) übergeben haben.

„Gezielte Steuerung, nicht einfach Regulierung“

„Wir wollen eine gezielte Steuerung, aber nicht einfach stumpf Regulierung“, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Professor Ferdinand Gerlach, im Vorfeld der Vorstellung der „Ärzte Zeitung“.

„Pilot- und Eisbrecherprojekt“ für die sektorenübergreifende Versorgung soll die Reform der Notfallversorgung werden. Erstmals sollen niedergelassene Ärzte und Klinikärzte unter einem Dach zusammenarbeiten, mit einer einheitlichen Vergütung und unter den Vorgaben einer einheitlichen Bedarfsplanung und Qualitätssicherung, dazu mit einer gemeinsam digital abgestimmten Dokumentation, lautet die Vision der Gutachter.

Aus den bisherigen Bereitschaftsdienstpraxen der niedergelassenen Ärzte und den Notfallambulanzen der Kliniken sollen demnach von KVen und Kliniken gemeinsam betriebene „Integrierte Notfallzentren“ werden, schlagen die Gutachter vor. Vorgeschaltet werden sollen Integrierte Leitstellen, die für alle Menschen in Deutschland unter möglichst einer Rufnummer erreichbar sein sollen.

Bei diesem einen gezielten Eingriff, um Patienten besser als heute in die richtige Versorgungsebene zu steuern, soll es nicht bleiben. Die Gutachter schlagen auch umfangreiche Änderungen in der Organisation des ambulanten Sektors vor. Hausärzte sollen die Koordination und den größten Teil der Patientenbetreuung übernehmen.

Die hausarztzentrierte Versorgung soll zur Regel werden. Für die Einschreibung sollen Patienten mit Nachlässen beim Kassenbeitrag belohnt werden. Nachgedacht wird auch über eine „Eintrittsgebühr“ beim Facharzt, wenn der Patient ohne Überweisung kommt.

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