Projektwerkstatt Digitalisierung: Impulsgeber für die Gesundheitsregion OWL

Fortschritt: Das „Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL“ kooperiert mit Hochschulen, um digitale Lösungen für die Branche mit 130.000 Beschäftigten zu entwickeln.

Bielefeld. Ostwestfalen-Lippe – eine starke Wirtschaftsregion, bekannt für Möbel, Nahrungsmittel, Maschinenbau, Verbindungstechnik und Mode. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist die Gesundheitswirtschaft, „die zu Unrecht oft im Schatten der bekannten Branchen steht”, sagt der Geschäftsführer des Zentrums für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL, Uwe Borchers.

Die Gesundheitswirtschaft zählt in OWL 130.000 Beschäftigte. Zum Vergleich: Im Maschinenbau sind es 45.000. „Zudem entwickelt sich die Branche dank der Vernetzung unterschiedlicher Disziplinen dynamisch, insbesondere in Zusammenarbeit mit den Hochschulen in der Region.”

Wollen die Gesundheitsregion OWL weiter entwickeln: Uwe Borchers (ZIG-Geschäftsführer, v. l.), Frauke Wiegräbe (FH Bielefeld), Sönke Lück (FH Bielefeld), Florian Kreker (ZIG-Projektmanager) und Volker Lohweg (Direktor des Instituts für industrielle Informationstechnik der Hochschule OWL). | Foto: Wolfgang Rudolf

Wollen die Gesundheitsregion OWL weiter entwickeln: Uwe Borchers (ZIG-Geschäftsführer, v. l.), Frauke Wiegräbe (FH Bielefeld), Sönke Lück (FH Bielefeld), Florian Kreker (ZIG-Projektmanager) und Volker Lohweg (Direktor des Instituts für industrielle Informationstechnik der Hochschule OWL). | Foto: Wolfgang Rudolf

Das Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL (ZIG) setzt dafür mit der Projektwerkstatt „Gesundheit 4.0″ Impulse. Das Projektteam entwickelt digitale Lösungen für die Gesundheitswirtschaft, die neue Horizonte in der Versorgung und Pflege von Patienten, im Arbeitsalltag der Fachkräfte und in der Entwicklung und Organisation der Einrichtungen eröffnen. „Das ZIG arbeitet als Entwicklungsagentur für die Gesundheitsregion OWL. Wir wollen die Chancen der Digitalisierung nutzen, um Wachstum und Beschäftigung zu sichern und Innovationen und Projekte zu fördern”, sagt Borchers.

Ebenso wichtig sei die interdisziplinäre Zusammenarbeit, ergänzt der ZIG-Geschäftsführer. „Denn in den unterschiedlichen Disziplinen werden unterschiedliche Sprachen gesprochen.” Insbesondere mit Blick auf technische Entwicklungen für die Gesundheitswirtschaft gebe es Verbesserungsbedarf in der Kommunikation, sagt Borchers. „Technikentwicklung macht ohne vorangegangene Befragungen der Nutzer keinen Sinn.”

Hochschulen kooperieren mit Akteuren der Gesundheitswirtschaft

Deshalb binden auch die Hochschulen in OWL zunehmend Akteure der Gesundheitswirtschaft mit in ihre Arbeit ein. In dem Projekt „Individualisierung in Gesundheit und Technik” (InGeTec) der Fachhochschule Bielefeld wollen Teams der Fachbereiche ‚Ingenieurwissenschaften und Mathematik‘ sowie ‚Pflege und Gesundheit‘ dazu beitragen, dass ältere und pflegebedürftige Menschen länger selbstbestimmt in ihrer gewohnten Umgebung leben können. „Es geht dabei vor allem um den Alltag, beispielsweise um einen Rollator mit Griffen, der an die individuellen Besonderheiten einer Hand angepasst wird”, erklärt Frauke Wiegräbe von der FH Bielefeld. „Wir untersuchen auch, wie man mobile Endgeräte wie Smartphones in den Alltag einbauen kann, beispielsweise für die Telemedizin”, ergänzt Sönke Lück von der FH Bielefeld. Um sicherzustellen, dass Patienten die technischen und digitalen Entwicklungen auch nutzen, führen die Projektteams Interviews mit Patienten.

Die Hochschule OWL bietet ab dem Wintersemester 2017/18 den Studiengang Medizin- und Gesundheitstechnologie an. „Wir bilden Ingenieure für ein wachsendes und dynamisches Berufsfeld aus, denn das Gesundheitssystem in Deutschland wird künftig drastische Veränderungen durchmachen”, erklärt der Direktor des Instituts für industrielle Informationstechnik (inIT) der Hochschule OWL, Volker Lohweg, der den Studiengang mit konzipiert hat. „Der demografische Wandel, ein gestärktes Bewusstsein für gesunde Ernährung, steigende Hygieneanforderungen und die Entwicklung von telemedizinischen Angeboten spielen bereits jetzt eine wichtige Rolle in der Gesundheitswirtschaft.”

Lohweg ist deshalb überzeugt, dass der neue Studiengang den Nerv der Zeit trifft. „Die Kombination von IT-Themen mit Ernährungs- und Gesundheitsthemen entspricht der Hightechstrategie der Bundesregierung ’Gesundes Leben’, mit der die Bundesregierung Volkserkrankungen und Mehrfacherkrankungen wirksam bekämpfen und gleichzeitig die Gesundheitswirtschaft stärken will.”

Information:Kontakt für Interessierte

Unternehmer, Wissenschaftler oder Privatpersonen, die Ideen für eine Weiterentwicklung der Gesundheitsregion OWL haben oder an der Teilnahme an dem Projekt der FH Bielefeld Interesse haben, können sich bei dem Projektmanager des Zentrums für Innovationen in der Gesundheitswirtschaft OWL, Florian Kreker, melden. Kontaktdaten: 
Tel.: (05 21) 32 98 60 14 oder Mail:
 kreker[at]zig-owl.de

Quelle: Neue Westfälische, 31.07.2017 (Redaktion: Carolin Nieder-Entgelmeier; Foto: Wolfgang Rudolf)