Bürgermeisterkonferenz OWL: Gesundheitsversorgung nicht in Kirchtürmen denken!

Gesundheitsversorgung nicht in Kirchtürmen denken!
OWL-Kommunen diskutieren bessere Zusammenarbeit beim Kampf gegen Hausärztemangel und Pflegenotstand

Bielefeld. Die Gesundheitsversorgung ist eine regionale Angelegenheit und muss demografiefest gestaltet werden. Den Städten und Gemeinden der Region fällt dabei eine besondere Verantwortung zu. Sie müssen die Daseinsvorsorge gewährleisten und dabei, so Professor Rolf Heinze von der Ruhr-Universität-Bochum, gestärkt werden: „Den Kommunen sollte ein größerer Einfluss bei der Ausgestaltung von Infrastruktur bei der Daseinsvorsorge eingeräumt werden“, forderte Heinze bei der OWL-Konferenz „Kommune und Gesundheit 2030“ in Bielefeld. Um ein selbstbestimmtes Leben im Alter zu fördern, sollten, so Heinze,  dem jüngsten Altenbericht der Bundesregierung folgend dazu auch die finanziellen Handlungs­spielräume der Kommunen erweitert werden.

Mehr als dreißig Städte und Gemeinden aus der Region Ostwestfalen-Lippe haben sich, überwiegend vertreten durch ihre Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, an der Konferenz beteiligt. Initiiert hatten das Treffen der Regionalrat OWL und das Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft (ZIG). Reinhold Stücke, Vorsitzender des Regionalrats, erinnerte zum Auftakt daran, daran, dass der Rat bereits einen Bericht zur Gesundheitsregion OWL erarbeitet habe. „Mit dieser Impulsveranstaltung setzt sich“, so Stücke,  „der Regionalrat für die Sicherung und Weiterentwicklung der medizinischen und pflegerischen Versorgung in der Gesundheits­region OWL ein.“ Er setze dabei auf die Stärken der Region und die Idee einer OWL-Allianz für Gesundheit. Diese könne zum Beispiel im Zuge der REGIONALE 2022 auf den Weg gebracht werden.

171108_bmk_a

Über 30 Städte und Gemeinden aus OWL beteiligten sich an der Konferenz “Kommune Gesundheit 2030″ am 8. November in der Stadthalle Bielefeld. (Foto: Krato)

Die Konferenz zeigte, dass auch in OWL der Handlungsdruck auf dem Land besonders groß ist. Die Gründe liegen in der Überalterung der Hausärzteschaft, dem NRW-weit größten Ärztemangel in den Krankenhäusern in OWL und dem zunehmenden Fachkräftemangel in der Pflege bei gleichzeitigem Anstieg der Pflegebedürftigen.

Durchaus kontrovers diskutierten die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister die Rolle der Kommunen. Es zeigte sich, dass es in den Kommunen zwei unterschiedliche Haltungen gibt: Die eine betont, dass es grundsätzlich keine öffentliche Aufgabe der Kommunen sei, die medizinische Versorgung sicherzustellen. Die sei Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung. Auch Prämien, die eine Gemeinde für einen niederlassungswilligen Arzt auslobt, wurden kritisch gesehen, denn die finanzschwachen Gemeinden hätten so im Wettbewerb um Hausärzte kaum eine Chance, lautete ein Argument. Andere Bürgermeisterinnen und Bürgermeister engagieren sich gezielt für die Gewinnung von Hausärzten, suchen nach Fördermöglichkeiten oder unterstützen den Aufbau lokaler Gesundheitszentren.

171108_bmk_c

Auf dem Podium (v.l.): Heribert Kleene, Heinz Peters, Prof. Dr. Rolf G. Heinze, Uwe Lübking, Ursula Barlen, Reinold Stücke, Susanne Mittag. (Foto: Krato)

Im Ergebnis der Konferenz wurde deutlich, dass die Kommunen eine sehr aktive Rolle bei der Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten spielen können. Die Frage sei: Was findet der neue Arzt im Dorf oder Städtchen vor? Dazu fordert der Deutsche Städte- und Gemeindebund in seinem Positionspapier: „Kommunen sollten bei der Ärztewerbung ein ähnliches Standortmarketing betreiben wie bei der Ansiedlung von Betrieben und Unternehmen. Dazu gehört, einen frühzeitigen Aktionsplan bei drohender Schließung einer Arztpraxis mit den Kassenärztlichen Vereinigungen zu entwerfen.“ Das bekräftigt Uwe Lübking, Beigeordneter für Sozialpolitik beim Deutschen Städte- und Gemeindebund in seinem Vortrag bei der Konferenz: Die Konzepte können und sollten in enger Kooperation mit den umliegenden Kommunen und den Landkreisen erfolgen. Dem pflichtete Susanne Mittag, Bürgermeisterin der Gemeinde Langenberg, ausdrücklich bei. „Die „Kommunen sind hier deutlich gefordert“, sagte Mittag. Sie müssten „in den Dialog vor Ort gehen“. Die Bürgermeisterin wünschte sich eine „konzentrierte Informationsstelle“, bei der man die vielen Handlungskonzepte anderer Kommunen und weitere Informationen abrufen kann, die dabei helfen können, mögliche Versorgungsprobleme in den Gemeinden zu lösen.

Diesen Impuls hat das ZIG im Anschluss an die Konferenz aufgegriffen und eine Anlaufstelle für die Städte und Gemeinden der Region eingerichtet. „Wir unterstützen damit die Städte und Gemeinden, die Erfahrungen austauschen und interkommunal zusammenarbeiten wollen“, so Uwe Borchers, Geschäftsführer des ZIG. Die Anlaufstelle informiert über Fördermöglichkeiten von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe oder vom Land NRW und bietet Beratung und Hilfen zum Beispiel bei der Entwicklung von Projekten für die REGIONALE 2022. Das ZIG arbeitet dabei mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) sowie zahlreichen Partnern und Institutionen zusammen.

(Text: Peter Stuckhard)

Download: Pressemitteilung als pdf-Datei